Alzheimer ist keine Frage des Alters

Monika Besner (Mitte) und die 96-jährige Mia Vollmer nahmen mit großem Interesse Anteil am Projekt des 17-jährigen Gymnasiasten Benedict Allhoff teil. - Fotos: Beil

Meinerzhagen - „Drei, plus drei, plus sieben.“ „13!“. „Was gab es gestern zum Mittagessen?“ „Rinderkraftbrühe“ als Vorspeise und Rinderbraten als Hauptgericht.“ Die Antworten kommen wie aus der Pistole geschossen. Doch selbstverständlich ist das nicht. Denn die „Testperson“ ist 96 Jahre alt. Leistungsfähig ist sie dennoch, wie die kleine Fragestunde beweist.

Von Jürgen Beil

Mia Vollmer wohnt bereits seit vielen Jahren im Wilhelm-Langemann-Haus an der Mühlenbergstraße. Die Seniorin fühlt sich dort sehr wohl – und sie ist dankbar für Abwechselung. Die brachte kürzlich jemand ins Haus, der 79 Jahre jünger ist als Mia Vollmer: Der Gymnasiast Benedict Allhoff. Der 17-Jährige besucht „Auf dem Bamberg“ die Stufe 11, möchte einmal Medizin studieren und beschäftige sich von Ende Dezember bis Ende Februar im Rahmen einer Facharbeit mit dem Thema „Alzheimer“.

Im Rahmen des Projektes entwickelte der Schüler im praktischen Teil einen eigenen Test, der Aufschluss über die Erkrankung mit Alzheimer geben soll – und auch darüber, wie weit die Krankheit fortgeschritten ist. Dazu gehören unter anderem die eingangs erwähnten Fragen.

Dass Benedict Allhoff im Langemann-Haus aktiv werden konnte, hat er natürlich den insgesamt zehn Testpersonen zu verdanken, die sich freiwillig dafür entschieden, an der kleinen Studie teilzunehmen. Aber auch Einrichtungsleiterin Monika Besner und ihre Kolleginnen Martina Hüttebräucker (Sozialdienstleiterin) und Ingrid Papst (Pflegedienstleitung) waren spontan begeistert von dem Engagement des Jugendlichen. Monika Besner: „Wir haben ihn gern unterstützt, weil ich finde, dass eine Auseinandersetzung mit dem Thema Alzheimer in so jungen Jahren etwas ganz Außergewöhnliches ist. Natürlich ging es nicht, einfach durch das Haus zu gehen und den Bewohnern Fragen zu stellen. Die Tests waren anonym, die Persönlichkeitsrechte wurden gewahrt und alle haben ihr Einverständnis gegeben. Martina Hüttebräucker hat das Projekt persönlich begleitet.“

Und was ist am Ende dabei herausgekommen? „Erstaunt hat mich, dass Mia Vollmer mit ihren 96 Jahren am besten abgeschnitten hat. Besser, als beispielsweise eine 72-Jährige“, bilanzierte Benedict Allhoff. Mia Vollmer jedenfalls hat es nicht bereut, sich der Herausforderung gestellt zu haben. Sie hatte sichtbaren Spaß an den Aufgaben, wie etwa an dieser: „Merken Sie sich diese drei Begriffe: ,Baumstamm’, ,Hellgrün’ und ,Springen’.“ Nach einem kurzen „Ablenkungsgespräch“ über das Essensangebot der vergangenen Tage dann die entscheidende Frage: „Erinnern Sie sich noch an unsere drei Begriffe? Für die Musterschülerin kein Problem: „Baumstamm, Hellgrün und Springen.“ Alzheimer muss also auch mit 96 Jahren kein Thema sein.

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