Gutes Schulsystem muss sozial gerecht sein

Das sind die 96 Abiturienten des Abschlussjahrgangs 2010 am Evangelischen Gymnasium Meinerzhagen.

MEINERZHAGEN ▪ Mahnende Worte eines Schulleiters an die Politik: „Ein gutes Schulsystem muss sozial gerecht sein!“ So Heinz-Hermann Haar vom Evangelischen Gymnasium Meinerzhagen bei der Abi-Feier am Samstag.

„Ein wenig stolz auf die durch Sie und mit uns erreichten Leistungen“ überreichte Schulleiter Heinz Herrmann Haar am Samstagabend in der Stadthalle 96 Abiturienten des evangelischen Gymnasiums auf dem Bamberg ihr Reifezeugnis. Seinen aufrichtigen Respekt sprach er dabei gerade den Schülern aus, die mehr als andere gekämpft hatten: „Sie haben den gleichen Respekt verdient wie die, die auch wieder in diesem Jahr unglaublich gute Abiturnoten erreicht haben.“ Mit der Note 1 schlossen Julia Bender, Robin Kutschaty und Kevin Benger ab. 1,1 erreichte Philipp Bockholt, 1.3 Julian Busch.

Mit dem traditionellen Abiball und der Übergabe der Abiturzeugnisse endet für die Schulabgänger ein Lebensabschnitt während ein neuer beginnt. Der Blick richtet sich in der Erinnerung zurück und in der Hoffnung nach vorn. Es ist Zeit Dank zu sagen, Zeit Gutes zu wünschen. Mit Fotos, präsentiert zur „Tatort“-Filmmusik, ließen die Stufenleiter Dietmar Först, Ulrike Verhoeven und Jutta Krigar die letzten drei spannenden Jahr noch einmal Revue passieren. Im Namen der Eltern wünschte Cornelia Bender den Schulabgängern alles Gute auf ihrer weiteren Lebensreise. Konrad Bender und Tobias Frosch bedankten sich im Namen der Abiturienten bei den Lehrern für die Begleitung auf dem Weg zum Abitur. Ihr Dank galt aber auch dem Schulleiter, der als Lehrer und Mensch nicht unnahbar, sondern ihren stets zugewandt gewesen sei, dem Oberstufenkoordinator Wolfgang Scharf, der immer ein offenes Ohr für ihre Probleme gehabt habe sowie den Mitarbeiterinnen des Sekretariats für ihre Unterstützung. Standing Ovations und Präsente gab´s für Julia Bender, die maßgeblich an der Vorbereitung der Abiturfeiern beteiligt war.

Zur Vorbereitung seiner Rede, so Heinz Herrmann Haar, habe er die Schüler befragt, was in den letzten Jahren für sie erinnerungswürdig gewesen sei. Dabei seien genau die Bereiche als wichtig markiert worden, die bei einer gymnasialen Ausbildung von zentraler Bedeutung seien: Das Lernen von Sozialkompetenz, Lernen von und in Selbstständigkeit sowie klare Vorstellungen über Leistungsanforderungen und -vermögen mit dem Willen, diese Leistungen auf hohem Niveau auch anzustreben. Nun stehe das Gymnasium in der Schulstrukturreform unter Druck.

Anfragen an das Schulsystem seien teilweise völlig berechtigt, räumte Haar ein. Ein wirtschaftlich hoch entwickeltes Land könne es sich nicht leisten, dass 20 Prozent der jungen Menschen keinen angemessenen Schulabschluss erreichten und der Zugang zu guter Bildung vom Sozialstatus der Eltern abhängig sei, wie in keinem anderen europäischen Land: „Wir dürfen es uns nicht leisten, dass Schüler wegen mangelnder individueller Förderung und Beratung hinter dem zurückbleiben, was sie eigentlich leisten könnten. Ein gutes Schulsystem muss sozial gerecht sein. Gerechtigkeit ist ein Gebot der Moral, aber auch eines der Ökonomie.“

Um bessere Abschlüsse zu erreichen und Risikogruppen zu vermeiden, sprach sich der Schulleiter dafür aus, in allen Schulformen die Lehrer weiter zu bilden, damit sie guten Unterricht geben könnten: „Unterricht wird nicht einfach dadurch besser, dass man Schulstrukturen ändert.“ Im geschlossenen Bildungsgang des Gymnasiums entwickle sich zudem eine spezifische intellektuelle Einstellung und Leistungsbereitschaft. Haar bezweifelte, dass nur die Klassen 7 bis 9 ausreichten, ein ebensolches Lernklima zu erreichen. Den Vorwurf, das Gymnasium sei selektionsorientiert, wies Haar als historisch verkehrt zurück: „Vielmehr ist es die Schule, deren Selektivität sich über die letzten 50 Jahre so verändert hat wie keine andere.“

Zahlreiche Schüler wurden in diesem Jahr besonders ausgezeichnet. Ein Buchpreis der Deutschen Physikalische Gesellschaft ging an Julia Bender, Wiebke Sönneken und Andrea Breitenbach. Das Cambridge-Sprachenzertifikat wurde erfolgreich abgelegt von Felicia Augustin, die das beste Ergebnis erzielte, Konrad Bender, Jenny Brunner, Philipp Krüger, Olga Osmy und Nadia Schütte. Für Theresa Busch ist der Erwerb des Zertifikaktes eine besondere Leistung, denn sie kam erst nach der Klasse 10 von der Realschule aufs Gymnasium.

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