„Gute Nacht Ebberock, gute Nacht Meinerzhagen“

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Das Publikum feierte auch bei der letzten Veranstaltung ausgelassen. ▪

MEINERZHAGEN/VALBERT ▪ Der vierte Ebberock ist „Geschichte“ – damit scheint auch die Ära der Deutschrock-Veranstaltungen in Valbert beendet.

Organisator Christoph Last, der das Konzert auf die Beine stellte, hatte bereits vor dem Event am Samstag (wir berichteten) angekündigt, den „Ebberock“ zu „beerdigen“.

Dieser Schritt hat mehrere Gründe. Einer davon ist die Resonanz. Statt der zunächst publizierten 500 Besucher waren es laut Last tatsächlich nur knapp 300 Fans, die am Samstag nach Valbert gekommen waren. Damit die Kosten zu decken, ist kaum möglich – auch die Sponsorengelder können daran nichts ändern.

„Auch wenn Bands teilweise zu Freundschaftskonditionen spielen, summieren sich die Kosten mit Gema, Halle und Werbung beinahe auf einen fünfstelligen Betrag“, weiß Last. Ein Zuschussgeschäft sollte der „Ebberock“ allerdings nie werden. „Ich wollte damit kein Geld verdienen, aber natürlich geht es auch nicht, Verlust zu machen, den ich dann aus eigener Tasche ausgleichen muss“, erläutert Last. Dass am Samstag weniger Fans als erwartet nach Valbert kamen, führt Last auch darauf zurück, dass viele Anhänger der Deutschrock-Szene eng mit dem 1. FC Köln verbunden sind. „Bei denen ging es am Samstag im Spiel gegen Bayern München um den Bundesliga-Klassenerhalt – da sind sicherlich viele hingegangen, die sonst nach Valbert gekommen wären. Ich kenne die Szene und weiß, dass das so ist.“

Doch auch lokale Gründe führt Last als Ursache für eine gewisse Resignation seinerseits ins Feld. So hätten am Samstag besondere Auflagen erfüllt werden müssen. „Wir mussten auf Drängen eines Anwohners bereits um 2 Uhr Schluss machen – geplant war eigentlich ein Konzertende um 3 Uhr. Das hat für Stress gesorgt. Die Umbauphasen zwischen den Bands waren kurz, die Musik wurde ins Programm gequetscht.“

Dennoch hat sich für Christoph Last die ganze Mühe gelohnt: „Allein die Resonanz nach dem Veranstaltungsende war überwältigend. Die Dankbarkeit des Publikums war großartig. Wildfremde Leute haben mich umarmt und ihr Bedauern geäußert, dass Ebberock nun nicht mehr stattfindet.“

Das alles bewirkt in Last nun eine Phase des Nachdenkens. Auf der einen Seite stehen die Finanzen und die letztlich doch enttäuschende Besucherresonanz, auf der anderen Seite die Dankbarkeit des Publikums. „Die jungen Leute sollen hier in Meinerzhagen eigentlich weiter eine solche Veranstaltung haben. Denn: Musik ist doch ein Element, das verschiedene Gesellschaftsschichten verbindet. Da waren Punks, Hooligans und Skinheads in der Ebbehalle – und alles ist wie immer friedlich geblieben. Es gab nie Zoff – und das liegt an der Grundeinstellung der Besucher, die einfach nur Freundschaften schließen und feiern wollen.“

Einen reibungslosen Ablauf bestätigen auch Polizei und Ordnungsamt. Die Stadt führte bis 2.45 Uhr in der Nacht Kontrollen durch – auch was den Lärmpegel betraf – und hatte keinen Anlass zu Beanstandungen. Ebensowenig wie die Polizei, die vor Ort nach dem Rechten sah und auch nichts zu bemängeln hatte. Im Gegenteil: „Es ist nicht bei allen Veranstaltungen der Fall, dass alles so friedlich abläuft.“

Ist der Ebberock nun wirklich tot? Da mag sich Christoph Last nun doch nicht eindeutig festlegen. Ob es eine Neuauflage gibt und wenn ja am selben Ort und mit demselben Konzept? „Mal sehen. Ich muss jetzt erst einmal alles sacken lassen und nachdenken. Es hängt auch davon ab, ob sich Sponsoren finden lassen, die sich an den steigenden Kosten für die immer bekannter werdenden Bands beteiligen“, überlegt Last.

„Gute Nacht Meinerzhagen, gute Nacht Ebberock.“ Ob der verbale Abgesang der Gruppe „Stainless Steel“ am Samstag wirklich das letzte Wort war, bleibt also erst einmal abzuwarten. ▪ beil

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