Altreifen sollen in Holzwipper zu Öl werden

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Auf dem Gelände des Alten Bahnhofs Holzwipper soll die Thermolyse-Pilotanlage gebaut werden. ▪

MEINERZHAGEN/HOLZWIPPER ▪ Auf dem Gelände des „Alten Bahnhofs Holzwipper“, nur etwa drei Kilometer von der Meinerzhagener Stadtgrenze entfernt, soll eine Thermolyse Pilot- und Forschungsanlage errichtet werden.

Das jedenfalls plant die Gummersbacher Firma „DG Engineering“ um ihren Meinerzhagener Geschäftsführer Dirk Gerlach.

In diesem Betrieb sollen laut Gerlach zunächst hauptsächlich Altreifen und zu etwa einem Viertel auch Biomasse nach einem speziellen Verfahren in Öl umgewandelt werden. „Wir bezeichnen das als ,Thermolyse-Anlage’. Das Prinzip ist seit etwa 30 Jahren bekannt. Es handelt sich dabei um eine thermische Reaktion bei etwa 500 bis 700 Grad. Ohne das Hinzufügen von Chemie wird das Material zersetzt. Das Endprodukt Öl wird besonders von Schiffsausrüstern nachgefragt. Es kann mit Schweröl vermischt werden und wirkt dann wie ein Katalysator. Das bedeutet, dass eine sauberere Verbrennung erzielt wird“, erläutert Gerlach, der in Meinerzhagen auch als Leiter des örtlichen „Horstes“ der Waldjugend bekannt ist. Die Abgase, die bei der thermischen Reaktion entstehen, bezeichnet Gerlach als ungefährlich: „Sie liegen weit unterhalb von den Werten jeder klassischen Müllerverbrennungsanlage.“

Ob die Anlage, die eine Betriebsfläche von etwa 1000 Quadratmetern habe soll, aber überhaupt jemals gebaut wird, ist noch unklar. Denn: Zunächst müsste die Gemeinde Marienheide den bestehenden Bebauungsplan ändern. Gerlach: „Wir benötigen eine Gewerbe- und Industriefläche. Zurzeit ist das Gelände aber als Sonderfläche ausgewiesen.“ Jetzt müssen also die Politiker in der Nachbargemeinde entscheiden, ob das Projekt eine Chance hat. Sollte die Ratsmehrheit zustimmen, würde zudem noch eine Umweltverträglichkeitsprüfung auf die potenziellen Betreiber der Thermolyse-Anlage zukommen.

So oder so – in Marienheide hat sich bereits Widerstand gegen die Pläne organisiert. Die Bürgerinitiative „pro Wipperauen“ um Siegfried Friedrich hat große Bedenken gegen das Vorhaben. Friedrich schreibt: „Es soll sich um ein Pilot- bzw. Forschungsprojekt – in der Anfangsphase mit Altreifen – im 24-Stunden Betrieb, an 365 Tagen im Jahr handeln. (...) Wir haben als Bürgerinitiative pro Wipperauen (...) versucht, sowohl die Bürger als auch die Rats- und Ausschussmitglieder der Gemeinde Marienheide über dieses schwierige Thema zu informieren. Nach einer Studie von Professor Dr. Michael Braungart, Leiter des Instituts für Umwelttechnik der Universität Lüneburg, wird darauf hingewiesen, dass der Quecksilberanteil pro Kubikmeter bei Drehtrommelöfen zwar niedrig liege, sich aber durch den gewaltigen Ausstoß vervielfache. Auch bei einer Schornsteinhöhe von 30 Metern hält er einen Radius von acht Kilometern für hochgefährdet. Damit wären der überwiegende Teil des Gemeindegebietes (Marienheide, Anm. d. Red.) und angrenzende Gebiete von Gummersbach, Kierspe, Meinerzhagen und Wipperfürth hochgefährdet. Und so etwas soll in das Naturschutzgebiet in den Wipperauen passen? In einer ersten schriftlichen Stellungnahme durch Herrn Gerlach entsteht für uns der Eindruck, dass er versucht, dieses schwierige Thema zu verharmlosen (...).“

Auf einem Flyer der Bürgerinitiative heißt es weiter: „Altreifenpyrolyse ist kaum wirtschaftlich!“ Die Verfasser werfen sogar die Frage auf, ob es sich um den Einstieg für die Beseitigung von Sondermüll handelt. „Wir sind entsetzt, dass eine derartige Anlage in einem ökologisch sensiblen Gebiet in unmittelbarer Nachbarschaft zum Naturschutzgebiet Eulenbecke – überhaupt – in Erwägung gezogen wird.“

Dirk Gerlach bezeichnet den Standort in Holzwipper übrigens als „erste Wahl“. Dennoch streckte seine Firma die Fühler auch in der Nachbarschaft aus: Gerlach gegenüber der MZ: „Wir haben auch mit der Entwicklungsgesellschaft Industriegebiet Grünewald in Meinerzhagen Kontakt aufgenommen. Dort hat man uns allerdings eine Absage erteilt, mit der Begründung, wir würden mit unserer Anlage zu wenig Arbeitsplätze schaffen.“ ▪ beil

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