Altes Bild soll neu entstehen

Das Projekt „Wandbild 2.0"

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Dieses alte Wandbild möchte Günter Lüsebrink so oder in ähnlicher Form wieder auf eine Hauswand aufmalen lassen.

Meinerzhagen – Günter Lüsebrink ist Meinerzhagener. Er interessiert sich für Ortsgeschichte, ist dem Schützenwesen eng verbunden. Viele kennen ihn dort als „Wettermacher“. Jetzt beschäftigt sich Lüsebrink mit einer alten Ortsansicht, die er den Bürgern wieder sichtbar vor Augen führen möchte.

Tatsächlich ist es dem Volmestädter sogar gelungen, eine alte Postkarte mit eben diesem historischen Wandbild aufzutreiben – und zwar in Berlin. Die Vorlage für ein neues Wandbild, einem Abbild des Ursprungswerkes, wäre also vorhanden. Doch lässt sich der Plan realisieren? 

Günter Lüsebrink erzählt die Geschichte von Anfang an: Es war in den 30-er Jahren des vorigen Jahrhunderts, als die Welle des Touristenstroms aus dem Kohlenpott begann. Meinerzhagen hatte zu dieser Zeit etwa 2500 Einwohner und war noch ein kleines Dorf. Im Sauerlandführer von 1930 kann man nachlesen: „Meinerzhagen liegt sehr hübsch im Quellengebiet der Agger, Volme und Lister. Die Gegend eignet sich sehr gut zum Wandern und zur Ausübung des Wintersports.“ 

Tausende von Besuchern

So kam es damals oft vor, dass sich in den Wintermonaten Tausende von Besuchern in unserem schönen Dörfchen einfanden. Wenn man sich die Bewirtungssituation von damals in Meinerzhagen ansieht, kann man heute nur staunen. Da gab es das Hotel zum Scharfen Eck, Hotel Wirth, Café Borlinghaus, Hotel Westfälischer Hof, Hotel Meinhardus, Café Pollmann, Hotel Zur Post und Hotel Zur Dränke. Hotel Wirth war das erste Haus am Platze, das einzige mit einem großen Saal. Besitzer und Betreiber waren die Eheleute Karl und Elisabeth Wirth, die die Küchenchefin und Hauptansprechperson im Haus war. Sie hat sich oft geärgert, wenn sie bei der Arbeit gestört wurde und Gäste sie nach dem Umfeld von Meinerzhagen fragten. So stand für sie fest, es musste Abhilfe geschaffen werden. Vermutlich entstand sogar am Stammtisch die Idee, eine Landkarte von Meinerzhagen und Umgebung zu erstellen, die an einem zentralen Ort mit viel Publikumsverkehr anzubringen wäre. 

Die beste Idee hatte der Malermeister Emil Borlinghaus. So entstand, von ihm gemalt, an der Garagenwand von Wirth mit Blick auf die Hauptstraße das große Wandbild „Rund um Meinerzhagen“. Mir hat dieses Bild mit seinen darauf abgebildeten kleinen Dörfern damals als Konfirmand sehr imponiert. Als mein Freund Dietrich und ich einmal vor diesem Bild standen, kam zufällig Hans-Joachim Fuchs mit Besuch vorbei. Er blieb stehen und fragte: „Habt ihr die vielen kleinen Dörfer schon einmal besucht?“ Wir mussten verneinen. Dann sagte er noch: „Als ich dieses Bild zum ersten Mal sah, habe ich mir fest vorgenommen, all diese Dörfer zu besuchen, einige davon habe ich bereits auf dem Rücken meines Pferdes erkundet.“

Gäste bestaunen Bild 

In den 50er-Jahren kam es oft vor, dass bei guten Schneeverhältnissen -zigtausende Besucher im Ort waren und man immer eine Gruppe von Leuten vor dem Bild fand. Mitte der 60er-Jahre wurden die Garagen von Wirth umgebaut, das Bild verschwand und in das Gebäude zog Lekkerland ein. Ich habe das Bild in den kommenden Jahren nie vergessen und konnte nicht verstehen, warum es, einst ein Werbeträger für Meinerzhagen, so sang- und klanglos verschwunden war. Ich habe all die Jahre immer nach einem geeigneten Platz in unserer Stadt gesucht, aber nie gefunden. Fündig wurde ich dann im Januar 2020. Als ich einmal abends die Bahnhofstraße Richtung Zentrum entlangfuhr und bei der Diva im Park rechts abbiegen wollte, fiel der Lichtkegel direkt auf die gegenüberliegende leere Wand des Sparkassengebäudes. Genau das war die richtige Wand für ein neues Wandbild: zentral gelegen, direkt in der Nähe der Touristeninformation und mit viel Publikumsverkehr. 

Ich wusste auch, dass es noch Postkarten von diesem Wandbild gab. Der Heimatverein und das Stadtarchiv hatten leider keine. Andreas Filke vom Studio 7 hat mich bei meiner Suche danach unterstützt. Fündig wurde er in Berlin bei einer Firma, die damit wirbt, eine Million historischer Ansichtskarten im Bestand zu haben. Man kann es kaum glauben, es gab tatsächlich noch eine einzige Postkarte, die nun in meinem Besitz ist. Ich als alter Meinerzhagener hatte die Idee, einen Werbeträger aus der Vergangenheit, der für mich mit vielen Erinnerungen verbunden ist, zurückzuholen. Meinerzhagen hätte damit als erste Stadt „Oben an der Volme“ solch ein werbewirksames Wandbild. 

Nicht zeitgemäßes Design

Katharina Suerbier ist Geschäftsführerin des Stadtmarketingvereins. Sie persönlich findet die Idee mit dem Wandbild nicht schlecht. „Allerdings ist das Design nicht mehr ganz zeitgemäß. Da müsste man vielleicht noch mal was machen, sollte die Idee aufgegriffen werden“, sagt sie. Sie werde die Idee dem Bürgermeister vorstellen. Ob ein solches Bild tatsächlich realisierbar wäre, stehe allerdings auf einem anderen Blatt: „Dann müsste man natürlich abklären, wer die Kosten dafür trägt.“

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