Gülle stinkt und sie ist unverzichtbar

Karl Wilhelm Biewald mit einem erst einen Tag alten Kälbchen. Die 80 Kühe des Meinerzhageners produzieren im Laufe ihres Lebens Tausende Liter Gülle. - Foto: Beil

Meinerzhagen -  Gülle riecht nicht gut. Und wenn Landwirte die Mischung aus Kuh-Urin, -Kot und Wasser auf ihre Wiesen aufbringen, stinkt es zum Himmel. Doch Ortslandwirt Karl Wilhelm Biewald und seine Kollegen sind auf den Naturdünger angewiesen. „Ohne Gülle würde nichts mehr gehen. Wir müssten dann große Mengen Handelsdünger zukaufen“, weiß er.

Von Jürgen Beil und Martin Messy

80 Kühe hält der Meinerzhagener auf seinem Hof in Grünenbecke. Sie kommen im Sommer auf die Weide. Dort sind die Ausscheidungen kein Problem. Halten sich die Tiere allerdings im Stall auf – wie im Winter – müssen Kot und Urin entsorgt werden. In der „Gasse“, in der die Vierbeiner stehen, besorgt das ein elektrischer Schieber, der das „Gemisch“ durch einen Spalt in den Behälter unter dem Stall befördert. Zusätzlich wird nachgespült. Die anfallende Gülle kann schließlich auf einer Wiese gleichmäßig ausgebracht werden. „Sie enthält nicht nur wertvollen Stickstoff, sondern beispielsweise auch Phosphor, Kali und weitere wichtige Mineralien“, erläutert Karl Wilhelm Biewald.

Pro Kuh fallen in einem halbem Jahr laut Biewald etwa zwölf Kubikmeter Gülle an – eine beträchtliche Menge, die nicht nach Lust und Laune ausgebracht werden darf, um die Wiesen zu düngen. „Wenn der Boden durch Regen mit Flüssigkeit gesättigt ist, ist das ebenso verboten wie bei tiefgefrorenem Untergrund. Und in Wasserschutzgebieten, wie im Bereich Genkel, sind besondere Schutzzonen eingerichtet“, erklärt der heimische Landwirt weiter. Im so genannten „Betrieblichen Nährstoffvergleich“ ist für jeden Hof darüber hinaus genau festgehalten, wieviele Nährstoffausscheidungen anfallen. Wird die gesetzlich festgelegte individuelle Quote dann unterschritten, kann sogar Gülle nachgekauft werden. Genau das sorgte unlängst in Nachbarkommunen für Aufsehen.

 „Im Volldünger sind alle Nährstoffe enthalten, die die Pflanzen brauchen. Mit der richtigen Dosierung sind sie wichtig für das Wachstum. Das ist wie das Salz in der Suppe. Es ist etwas Gutes. Zu viel Salz dagegen verdirbt die Suppe“, sagt Göstar Fuchs, Referent für Düngerecht bei der Landwirtschaftskammer in Münster. Ihm sei durchaus bekannt, dass derzeit im Märkischen Kreis Tanklaster mit polnischem Kennzeichen und niederländischen Aufliegern unterwegs seien und Flächen mit Gülle versorgten. „Wir werden über unsere Kreisstellen darüber informiert. Aber an der Aufbringung der Gülle ist nichts Verwerfliches, solange dies im Rahmen der Düngeverordnung geschieht, und nach derzeitigem Stand sehen wir keine Regelverstöße.“

In Meinerzhagen ist der Gülle-Import nach Karl Wilhelm Biewalds Kenntnis kein Thema: „Hier wird nach meinem Wissen keine Gülle angeliefert.“ Dass die tierischen Hinterlassenschaften aber bei manchen Bürgern für Naserümpfen sorgen, versteht er hingegen gut: „Wenn das Zeug nicht so stinken würde, wäre das aber wohl gar kein Problem. Trotzdem: Bei unserer kargen Böden ist dieser Dünger für uns absolut unverzichtbar.“

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