Eine Mischung aus Handarbeit und Kunst

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Gudrun Roth und Christa Themel arbeiten als Duo und zeigen ihre Werke bei der Hobbykünstlerausstellung im November.

Meinerzhagen - Die eine liebt kräftige Töne, die andere schwärmt für zarte Farben. Beide legen Wert auf sorgfältiges Arbeiten. „Wir sind ganz schön pingelig“, lachen Gudrun Roth und Christa Themel. Seit Jahren sind sie ein eingespieltes Duo, kreieren Tücher und Oberteile aus Garnen und Seide.

Ihre Werke präsentieren sie bei der Hobbykünstlerausstellung am 10. und 11. November.

Eine interessante Mischung aus Handarbeit und Kunst, so lassen sich die Arbeiten der beiden Meinerzhagenerinnen auf den ersten Blick beschreiben. Denn hinter den unterschiedlich gemusterten Seidentüchern und den Schals aus dünnen Wollfäden, Garnen und Stoffen verbirgt sich die Leidenschaft für Formen, Farben und kreatives Schaffen. Filigrane, geometrische Figuren oder auch Häuser – „das ist meins“, erzählt Gudrun Roth. Wenn sie ein Seidentuch auf einen Holzrahmen spannt, um ihn zu verzieren, hat sie das Muster im Kopf. „Ich benutze keine Schablone, nichts Vorgedrucktes“, berichtet die Hobbykünstlerin. Kreise entstehen beispielsweise etwa mit dem Rand einer Tasse. 

Die Formen werden mit Gutta aufgetragen. Die Flüssigkeit verhindert, dass nichts ausläuft, wenn mit einem Pinsel die verdünnten, dampffixierbaren Farben aufgetragen werden. Gudrun Roth und Christa Themel setzen auf Mischtöne, wenn sie ihre Farbvorstellungen auf dem Stoff umsetzen. Durch Fixieren mit Dampf werden die Farben haltbar gemacht. Möglich ist das im Schnellkochtopf. Gudrun Roth und Christa Themel haben sich jedoch eigens ein spezielles Gerät angeschafft. Nach Waschen und Bügeln freuen sie sich, wenn das Ergebnis gelingt – was nicht immer der Fall ist. „Es kann auch mal was in die Hose gehen. Gerade am Anfang haben wir Tränen vergossen, wenn die Farben ausgelaufen sind, weil die Fixierfarbe nicht richtig auf alle Fasern aufgetragen wurde“, erinnern sich die Hobbykünstlerinnen. Schnee von gestern, wenn das Ergebnis dann doch wie gewünscht ausfällt und den Vorstellungen der beiden Hobbykünstlerinnen entspricht. 

Dass beide unterschiedliche Vorlieben haben, ist auch im Freundeskreis bekannt. „Wer uns kennt, kann anhand der Farben genau sagen, wer welches Tuch gestaltet hat“, erzählt Gudrun Roth. Ein Schal in hellen Sorbetfarben? Für sie ein No-Go: „Ich käme nie auf die Idee, ein rosa Tuch zu machen!“ Christa Themel dagegen gefällt es. Und trotz des unterschiedlichen Geschmacks betonen beide: „Wir sind uns immer einig, wenn wir zusammen arbeiten.“ Dazu treffen sich die Hobbykünstlerinnen einmal in der Woche. 

Der Mittwoch ist ihr Arbeitstag und beginnt mit einer Tasse Tee, bevor sich der Wintergarten von Gudrun Roth in ein Stoffatelier verwandelt und die beiden Frauen dort ans kreative Werk gehen. Seidenschals entstehen auch, indem eine weitere Technik angewandt wird: Mit Verdicker, vergleichbar mit Tapetenkleister, werden zunächst verschiedene Muster aufgebracht. Haarkämme, Kartoffelstampfer oder auch Spachtel kommen dabei zum Einsatz, ihre „Abdrücke“ sind gut erkennbar, nachdem die Farbe auf den Stoff aufgetragen wurde. Im Gegensatz zu der Technik mit Gutta, darf die Farbe sich ausbreiten, wo sie möchte. 

Auch hier zeigen sich wieder die unterschiedlichen Vorlieben: „Insgesamt geht es etwas schneller, das ist eher meine Richtung“, sagt Christa Themel. Experimentell und erfinderisch sein, das ist Sache des Künstler-Gespanns, das sich daher auch schnell begeistern konnte, als auf der Creativa in Dortmund – („Die Messe ist für uns ein Genuss. Wir sind morgens unter den ersten Besuchern und abends die letzten.“) – die Handarbeitskunst „Crazy Patch“ vorgestellt wurde: In Form geschnittener, wasserlöslicher Vlies bildet die Grundlage, auf die zuvor eingefärbte Seidenstoffstücke ebenso angeordnet werden wie unterschiedliche, feine Wollfäden. Darüber wird wieder eine Folie gelegt, mit Stecknadeln wird das Musterstück festgesteckt, damit nichts verrutscht. Mit der Nähmaschine werden Stoffe und Garne anschließend festgenäht – kreuz und quer („crazy“) oder „ordentlich unordentlich“, wie Gudrun Roth beschreibt und damit erneut die Vorliebe beider Hobbykünstlerinnen deutlich macht.

„Einfach drauf loslegen geht nicht“, betonen beide und sind damit nur konsequent. Töne und Muster müssen passen. Nach dem Nähen wird das jeweilige Stück ins Wasser gelegt, damit sich das Vlies auflöst. Nach Waschen, Trocknen und Bügeln versäumt und vernäht Christa Themel feinsäuberlich im letzten Arbeitsschritt die Seitenränder. Ungefähr acht Stunden Arbeit stecken allein in einem Schal. „Man muss sich Zeit nehmen. Zwischen Tür und Angel geht das nicht“, sind sich die beiden Meinerzhagenerinnen einig. Ihr kreativer Arbeitstag könne daher auch gut und gerne schon mal bis zum Nachmittag dauern.

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