Von jedem Kind umarmt: Bewegender Abschied für Grundschulrektor Brenn

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Für die Grundschüler, aber auch für Rektor Stephan Brenn war es ein emotionaler Abschied. Jedes Kind blieb nach der Feier kurz in der Schulaula, um sich persönlich verabschieden.

Meinerzhagen - Mit einer bewegenden Feier hat die Grundschule Auf der Wahr gestern Stephan Brenn in den Ruhestand verabschiedet. Brenn arbeitete 44 Jahre als Lehrer an verschiedenen Stationen, die letzten elf davon als Rektor an der städtischen Grundschule. „An der Schule hier in Meinerzhagen habe ich keine Stunde bereut.“

Die 196 Grundschüler, ihre Lehrerinnen und auch einige Eltern hatten sich in der Aula versammelt, um für Brenn ein kleines Abschiedskonzert zu geben. Die Kinder hatten mehrere Lieder einstudiert, neben dem Schul-Lied – eine deutsche Umdichtung von Michael Jacksons „Heal the World“ – auch das Stück „Danken macht froh“. Im Oktober habe man mit den Proben angefangen, sagte Brenns bisherige Stellvertreterin und nun neue Rektorin Christiane Stieper: „Es wird schwer ohne ihn, weil er eine Seele von Mensch ist.“ Das zeigten auch die Reaktionen nicht nur der Kinder.

Lieder und Geschenke

Bei den Liedern hielten die Schüler immer wieder kleine Herzen in die Höhe, während Brenn das Privatkonzert auf der Bühne mit seinem Enkel Leon auf dem Schoß verfolgte. Als nächstes übergaben die Schüler Brenn einen Korb und legten zahlreiche kleine Gaben hinein, damit er für den Ruhestand gut ausgerüstet ist. Badesalz zur Entspannung, Pflaster für Trost, Lachgummi fürs Lachen. Damit er auch immer gut behütet ist, bekam er einen Hut aufgesetzt.

Nach den Vorträgen und den vielen Gaben fiel Brenn das Reden schwer. „Ich möchte erst einmal Danke sagen. Ich war hier...“, Brenn stockte, „Das wird schwierig“, sagte er, bevor er neu ansetzte: „Ich war an einer ganz ganz tollen Schule mit ganz tollen Kindern und Kollegen.“ Die tollen elf Jahre an der Schule werde er nie vergessen. „Ich werde mich immer an euch zurückerinnern.“

„Das habe ich noch an keiner Schule erlebt“

Für jedes Kind hatte er mit seiner Frau Gabi einen kleinen Dankeschön-Beutel gepackt, die später von den Klassenlehrern verteilt wurden. Zuvor konnten sich die Kinder noch persönlich von Rektor Brenn verabschieden, viele mit einem Geschenk, alle aber mit einer Umarmung. Minutenlang standen die Schüler Schlange und drängten sich um Brenn, der sie mal einzeln, mal zwei oder drei auf einmal drückte. Ein paarmal wischte er seine Tränen fort. „Die Kinder sind einfach spitze“, sagte er kurz danach, beeindruckt und sehr gerührt.

Herzlicher Abschied: Beim Singen hielten die Grundschulkinder kleine Herzen in die Höhe.

„Es ist keiner gegangen, ohne mich in den Arm zu nehmen – das habe ich noch an keiner Schule erlebt“, sagte Brenn, der Deutsch, Mathematik und Sport unterrichtet hat. „Ich hab die Kinder so gern gehabt.“ Und die Kinder ihn.

Wieviel Freude ihm seine Arbeit an der Grundschule bereitet habe, betonte Brenn auch bei der zweiten Abschiedsfeier zwei Stunden später. Dabei hob er neben den Kindern auch die gute Zusammenarbeit mit den Eltern hervor. „Ich hab hier im Gegensatz zu Thüringen erlebt, dass die Eltern auch mal kommen und Danke sagen, für das was man tut.“

Wie schon die Schüler, bedankten sich auch die Lehrerinnen mit ein paar kleinen Präsenten bei Brenn, die allesamt auf seine Fußball- und insbesondere BVB-Leidenschaft anspielten, aber auch auf seine Eigenschaften als Rektor. Denn er sei Trainer, Manager, Ersatzspieler, Torhüter und Schiedsrichter in einem. Und laut noch-Konrektorin Stieper, die Howard Carpendales „Tür an Tür mit Alice“ zu „Tür an Tür mit Stephan“ umgedichtet hatte, auch ein „Schulleiterheld“.

Humor wird fehlen

Brenns Arbeit würdigte auch Bürgermeister Jan Nesselrath. „Du hast den Spagat zwischen dem Erforderlichen, Machbaren und Erwünschten gemeistert“, sagte er an den „Meinerzhagener ehrenhalber“ gerichtet und zählte dessen Eigenschaften noch einmal auf: Kompetenz, Weitsicht, Erfahrung, vor allem aber Humor. Dieser Humor werde fehlen, sagte auch Schulamtsdirektor Winfried Becker, der Brenn seine Entlassungsurkunde überreichte. Dem schloss sich Sybille Eich, Rektorin der Schule Am Kohlberg, stellvertretend für die Schulleiter-Kollegen an. Brenns Anekdoten aus seiner bewegten Lehrerlaufbahn (siehe unten) werde man vermissen.

Vier Länder in 44 Schuljahren

Der 64-järhige Stephan Brenn begann mit 20 Jahren seine Lehrerlaufbahn in seinem thüringischen Heimatort Trusetal in der Nähe von Schmalkalden. Zunächst musste er zwei Jahre bei den Pionieren arbeiten, der DDR-Nachwuchsorganisation. Der Schulrat habe ihm damals aber versprochen, ihn dann auch für einen Einsatz im Ausland vorschlagen. Nach Pionierzeit und anderthalb Jahren Armeedienst kam Brenn dann an eine Realschule in Trusetal, unterrichtete Deutsch, Geographie und Sport.

Der versprochene Auslandseinsatz ließ zunächst auf sich warten. „1988, als kein Mensch mehr daran gedacht hat, kriegte ich einen Anruf aus Berlin.“ Brenn wurde nach Syrien geschickt, wurde dort Leiter der DDR-Botschaftsschule in Damaskus. Schon ein Jahr später war dann die DDR Geschichte und auch die Botschaftsschule wurde geschlossen.

„Es gingen dann alle Lehrer durch den Tüv, ob sie auch tauglich sind für die neue Gesellschaft“, erzählt Brenn. Er kam wieder nach Trusetal, wo er mehrere Jahre stellvertretender Schulleiter war. Aufgrund des damaligen Lehrerüberschusses bewarb er sich für eine Stelle in Rumänien.

Dort war er von 1998 bis 2007 für die Zentralstelle für Auslandsschulwesen tätig. In Sibiu – oder zu deutsch Hermannstadt – war er Fachberater für die Weiterbildung von Lehrern an den deutschen Grundschulen des Landes. Am pädagogischen Lyzeum von Sibiu unterrichtete er Methodik, Pädagogik und Sport für die Lehrkräfte auch weiterführender deutscher Schulen. „Mit dem heutigen rumänischen Präsidenten Klaus Johannis bin ich damals Ski gefahren, der war da Schulrat“, erzählt Brenn.

Nach der Rückkehr nach Deutschland bewarb sich Brenn unter anderem in Meinerzhagen. Am 16. April 2007 begann er seinen Dienst an der Schule Auf der Wahr, zunächst ein Jahr als stellvertretender Rektor, dann als Schulleiter.

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