Schulsekretärin Gisela Schrage wird verabschiedet

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Die Kohlbergschüler sind regelmäßige Besucher im Schulbüro – oft, weil kleine Schrammen gekühlt werden wollen. „Der Umgang mit Kindern ist das Schöne an meinem Beruf“, resümiert Gisela Schrage.

Meinerzhagen - Mit dem Start der Sommerferien endet für rund 180 Mädchen und Jungen aus Meinerzhagen die Grundschulzeit. Wenn die Viertklässler ihrer Grundschule „Tschüss“ sagen, gilt die Abschiedsstimmung an der Einrichtung Am Kohlberg auch der „guten Seele“ der Schule: Gisela Schrage wird nach 17 Jahren aus „ihrer“ Schule entlassen. Seit der Gründung der Gemeinschaftsgrundschule war sie hier als Schulsekretärin tätig.

Dem letzten Schultag sieht die 65-Jährige mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. „Das ist meine Schule“, sagt sie über „den Kohlberg“, dessen gelbe Backsteine ihr beim Blick aus dem Fenster ihres Hauses an der Mozartstraße stets entgegen leuchten. „Morgens gucke ich immer als erstes zur Schule“, lächelt sie über eine Angewohnheit, die sie wohl auch mit dem Beginn ihres Ruhestands nicht so schnell ablegen wird.

Am 1. August 1997 ging Meinerzhagens jüngste Grundschule an den Start, damals unter der Leitung des inzwischen pensionierten Rektors Gerd Kienel. Die heutige Rektorin Sibylle Eich war damals seine Stellvertreterin. Die gelernte Verwaltungsfachangestellte Gisela Schrage war zuvor im Sekretariat der Hauptschule beschäftigt. Schülerdaten verwalten, unzählige Telefonate führen, Anrufe von Eltern entgegen nehmen, Busangebote für Klassenfahrten einholen, Schriftverkehr abwickeln, Schulbücher bestellen – die Vormittage im Schulbüro sind abwechslungsreich. „Ich kann nicht sagen, was hier regelmäßig ist“, meint Gisela Schrage.

Doch zu den regelmäßigen Arbeiten am Ende des Schuljahres zählt es, die Zeugnisse zu den Akten zu legen und das System auf die neuen Klassen umzustellen. Allerdings: Während des laufenden Schulbetriebs sei dieser Verwaltungsvorgang nicht möglich, „dafür braucht man etwas Ruhe“. Und die ist selten im Schulsekretariat.

Mehrmals täglich – diese Regelmäßigkeit gibt es dann doch – kommen Schüler ins Büro, um Pflaster für aufgeschrammte Knie oder Kühlpacks zu holen. „Das sind unsere Seelentröster“, weiß Gisela Schrage, dass Tränen nach manchen Stürzen schnell getrocknet werden können.

Schulleiterin Sibylle Eich (Zweite von links) und Konrektor Sebastian Wagener verabschieden Schulsekretärin Gisela Schrage. Ihre Nachfolge hat bereits Sandra Dopatka angetreten.

Der Umgang mit Kindern sei das Schöne an ihrem Beruf, resümiert die vierfache Mutter und sechsfache Oma und weiß, dass auch im Schulalltag vor allem eines gilt: Ruhe bewahren.

Die Schüler ihrer Schule kennt Gisela Schrage alle. „Es gibt Kinder, die kommen gerne ins Büro, andere sieht man vier Jahre gar nicht“, erzählt sie, während ein Viertklässler anklopft, weil er Tippex für seine Lehrerin benötigt. „Aber wiederbringen“, mahnt Gisela Schrage augenzwinkernd und kurz darauf landet das Büroutensil auch schon wieder auf ihrem Schreibtisch. Ein paar Minuten später möchte ein Kind zu Hause anrufen, ein Junge braucht in der Pause nach einem Fußballduell auf dem Schulhof einen Kühlpack.

„Geht aber schon wieder“, meint er tapfer. Für Gisela Schrage steht schon jetzt fest, dass sie den Schulalltag vermissen wird. Ebenso werden sich auch die Schüler mit ihrer Nachfolgerin Sandra Dopatka an ein neues Gesicht im Schulsekretariat gewöhnen, das ihnen Pflaster und Kühlpacks reicht. Dass genau dies bei manchen Kindern zu eigenen Vorstellungen führt, diese Erfahrung hat Gisela Schrage gemacht, als sie in der Stadt ein Mädchen traf, das seiner Mutter erklärte: „Guck mal, da ist die Ärztin unserer Schule.“

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