Bücherzelle: Kostenloser Lesestoff beim Bäcker

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Dirk Lellwitz und Olga Räbsch präsentieren die „Bücherzelle“, die etwas anders aussieht als das, was sich die Grünen zunächst im Jahr 2011 vorgestellt hatten.

Meinerzhagen - Manche Dinge brauchen eben Zeit – dass aber gleich sechs Jahre ins Land ziehen würden, bis ihr Projekt „Bücherzelle“ umgesetzt wird, damit hätten die Meinerzhagener Grünen wohl kaum gerechnet. Jetzt war es aber so weit, wenn auch in etwas anderer Form als ursprünglich geplant.

Rückblick: Am 11. Juli 2011 beantragte die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Rat der Stadt die Aufstellung einer sogenannten Bücherzelle. In der sollten Bürger eigene Bücher hineinstellen und/oder sich unentgeltlich an einer Literatur-Auswahl bedienen können.

„Das ist der Kommunikation ebenso förderlich wie dem Ziel der Leseförderung. Literatur wäre somit im Alltag präsent“, hieß es damals in dem Antrag, der einen zentralen Standort für solch eine „Zelle“ vorsah. Denn als „markanter Blickfang in der Stadtmitte“ könne sie auch zu einem Treffpunkt werden und Anlass bieten, ins Gespräch zu kommen, erklärte der Fraktionsvorsitzende Ingolf Becker damals. Und: „In der Region wäre eine solche Bücherzelle ein Alleinstellungsmerkmal.“

Idee verlief im Sande 

Doch die Idee, ehemalige Telefonzellen oder eigens für den Zweck konstruierte Container aufzustellen, stieß im Rat damals zwar zunächst mehrheitlich auf Wohlwollen, setzte sich im Laufe weiterer Beratungen aber nicht durch. Das Projekt verlief im Sande, flammte nur kurz im Zuge der Regionale-Pläne (mit einem recht aufwendigen Modell) auf – um letztlich aber von Stadt und Rat doch ad acta gelegt zu werden. Und so steht immer noch kein Platz im öffentlichen Raum zur Verfügung, um eine solche „Mini-Bibliothek“aufzustellen. 

Nicht nur Kunden sollen „Zelle“ nutzen können 

Umso erleichterter zeigte sich jetzt Dirk Lellwitz von den Grünen über die Kooperation mit dem „Bäcker mit Herz“ an Pollmanns Eck. Inhaberin Olga Räbsch stellt für das Projekt eine Ecke ihres Cafés zur Verfügung und bietet der Bücherzelle so eine Heimstatt. Wichtig dabei: Nicht nur Kunden des „Bäckers mit Herz“ dürfen sich bedienen, sodass durchaus ein öffentlich zugänglicher Platz gefunden wurde. „Natürlich ist ein gewisser Durchgangsverkehr durch dieses Angebot gewünscht und sogar gewollt“, sagt Olga Räbsch, „und wer beim Lesen einen Kaffee trinken will, ist natürlich auch herzlich willkommen“, ergänzt sie augenzwinkernd. 

Dass es aufgrund des freien Zugriffs irgendwann zu einem „Bücher-Raub“ und damit leeren Regalen kommen könnte, befürchtet Dirk Lellwitz indes nicht. „Ich glaube sogar eher, dass wir immer mehr Bücher haben werden. Erst heute hat mich beim Einräumen jemand gesehen und gesagt, dass er ja auch noch viele Bücher hat, die er zur Verfügung stellen könnte.“ 

Sechs Jahre nach dem ersten Antrag hat das Projekt „Bücherzelle“ nun also doch noch Fahrt aufgenommen. Am Ziel sei man aber noch nicht angelangt, betont Lellwitz. „Wir wollen weiterhin gerne ein solches Angebot im öffentlichen Raum schaffen“, betont er. Zuletzt hatte Karl Hardenacke im Ausschuss für Planung, Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt eine Bücherzelle für den neu gestalteten Volkspark vorgeschlagen (die MZ berichtete).

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