Grüne Wiese statt rote Aschenplätze

Der Tennispark an der Heerstraße wird rekultiviert.

MEINERZHAGEN ▪ Schlussstrich unter eine wechselvolle Geschichte, die im Zeichen des von Boris Becker und Steffi Graf ausgelösten Tennis-Booms begann. In wenigen Tagen wird die Freiluft-Tennis-Anlage an der Heerstraße das gleiche Schicksal wie das weitaus größere und bedeutendere Areal der Landesschule genommen haben. Gebäude und Plätze sind rückgebaut worden. Wer künftig die Südumgehung nutzt, wird kurz vor der Ortslage Schnüffel nicht mehr durch einen Schandfleck in der Landschaft irritiert. Schon im nächsten Jahr könnte hier wieder Weidevieh grasen.

In der vergangenen Woche begann der Abriss des Gebäudes. Vor Ort wurden die Einzelteile geschreddert. Parallel dazu wurde auch der rote Belag der zwölf Asche-Plätze samt Unterbau abgetragen. Unter Einsatz einer Planierraupe wurde die einstige Geländeformation in Hanglage wieder hergestellt. In Kürze wird auf den aufbereiteten Untergrund dann Mutterboden aufgebracht und das Ganze mit Gras eingesät. Damit ist die Rekultivierung des Areals abgeschlossen, das über Jahre hinweg ungenutzt geblieben und sich zu einer hässlichen Ruine in ansonsten schöner Naturlandschaft entwickelt hatte.

„Wir sind froh, dass dieses Kapitel jetzt abgeschlossen ist“, äußerte sich Jürgen Tischbiereck, Fachbereichsleiter Technischer Service bei der Stadt Meinerzhagen. Die Stadt hatte in der Vergangenheit wiederholt, allerdings letztlich vergeblich, Versuche unternommen, Einfluss auf eine mögliche Neunutzung der Anlage oder eine wie auch immer geartete Lösung zu nehmen. Der jetzt vorgenommene Rückbau wird auf Initiative und im Auftrag der noch verbliebenen Gesellschafter der seit 2002 insolventen Betreibergesellschaft „GbR Tennispark Meinerzhagen“ vorgenommen. Das Gelände war von zwei Meinerzhagener Landwirten in Erbpacht zur Verfügung gestellt worden, wird jetzt an sie zurückgegeben und von ihnen wieder in landwirtschaftliche Nutzung genommen.

Der Tennispark Meinerzhagen hat eine ebenso bewegte wie nur kurze Geschichte hinter sich gebracht: Die sich seinerzeit auf rund 1,2 Millionen DM belaufende Investition in den Bau einer 12-Platz-Freiluftanlage für den Tennissport an der Heerstraße sollte sich sehr schnell als Flop erweisen. Am Ende blieben nur noch sechs Gesellschafter übrig, die vor einem Scherbenhaufen standen.

Die 1998 fertiggestellte Anlage war tatsächlich nur für einen relativ kurzen Zeitraum genutzt worden. Sie diente vorübergehend neben der einstigen Tennishalle Vogl an der Lortzingstraße als Trainingsstützpunkt des Westfälischen Tennisverbandes (WTB).

Als der Verband 2002 nach Querelen mit seinem damaligen Stützpunkttrainer und Betreiber der Tennishalle, Christian Vogl, sämtliche Verträge kündigte und sich vollständig aus Meinerzhagen zurückzog, war auch für das Objekt an der Heerstraße keine sinnvolle Nutzung mehr möglich. Dabei hatte Christian Vogl als einer der maßgeblichen Initiatoren einst noch davon geträumt, hier sogar „internationale Turniere mit einigen Tausend Dollar Preisgeld“ durchführen zu können. Am Ende stand ein für alle Beteiligten der Betreibergesellschaft verlustreiches Desaster.

Seitdem verwilderte das Gelände immer mehr. Auf der roten Asche wucherte das Unkraut meterhoch. Das Gebäude mit Umkleiden, Sanitärräumen und kleiner Gastronomie gammelt ebenfalls vor sich hin und war immer wieder auch Schauplatz von Vandalismus. Mehrfach anberaumte Zwangsversteigerungstermine bliebe mangels Bietern ohne Ergebnis. Daraufhin hatte die Dresdner Bank in Dortmund als Hauptgläubigerin die Einstellung des Verfahrens veranlasst. Mehrere Ansätze für eine neue Nutzung schlugen in der Folgezeit fehl.

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