Massive Kritik an Asylbewerber-Unterkunft

Die Stadt Meinerzhagen sieht sich wie viele andere Kommunen im Land mit einer ständig steigenden Zahl von Asylbewerbern konfrontiert. - Foto: dpa/picture alliance

Meinerzhagen - Paolino Barone von Bündnis 90/Die Grünen zeichnete am Montag während der Ratssitzung ein düsteres Bild von der städtischen Asylbewerber-Unterkunft an der Immecker Straße: „Die Zustände dort sind menschenunwürdig.“

Von Jürgen Beil

Schimmel, Ungeziefer, abbröckelnder Putz – Barone hatte sich bei einem Rundgang nach eigener Aussage davon überzeugt, dass die Menschen dort in „katastrophalen Umständen“ leben. „Sanierungsbedarf in sechsstelliger Höhe“, so lautete Barones Fazit.

Antrag des Grünen-Ratsherr Paolino Barone

Der Grünen-Ratsherr verband seine Schilderungen mit einem Antrag: Der Rat möge die Verwaltung damit beauftragen zu prüfen, ob neuer Wohnraum für Asylbewerber geschaffen werden kann, eventuell im Baugebiet Werlsiepen. „Wir müssen kurzfristig handeln, um den Menschen aus den Krisengebieten in aller Welt ein besseres Leben zu bieten. Auch eine Art runder Tisch müsste her, eventuell unter Beteiligung der Wohlfahrtsverbände. Denn: Es fehlen beispielsweise Sozialarbeiter, die sich auch um die zweifellos bestehenden Sprachprobleme kümmern.“

Bestandsaufnahme sei nötig

Dass Barone seinen Antrag nach kurzer Diskussion wieder zurückzog, lag dann nicht daran, dass niemand Asylbewerbern helfen möchte, sondern an dem Antrag selbst: Der möge bitte schriftlich formuliert werden, um konkret festzulegen, was denn genau beschlossen werden soll. Das, so Kai Krause (FDP) und Matthias Scholand (CDU) unisono, sei der richtige Weg. Gerd Wirth (SPD) ging noch einen Schritt weiter: Eine Bestandsaufnahme in der Asylbewerber-Unterkunft sei wohl nötig, befand er. „Wir müssen den genauen Sanierungsbedarf feststellen und Schritt für Schritt vorgehen. Dazu gehört auch, die Kosten zu ermitteln“, fügte Wirth hinzu.

Laut Barone 65 Menschen auf 200 Quadratmeter

Laut Paolino Barone wohnen in der Immecke zurzeit etwa 65 Menschen auf 200 Quadratmetern. Dass es angesichts solch beengter Verhältnisse zu Problemen kommt, scheint klar. Doch die Stadt ist machtlos. „Wir haben jetzt erst sechs Personen in einem Haus der Baugesellschaft untergebracht – und am selben Tag kam die Nachricht, dass weitere drei Bewerber nach Meinerzhagen kommen sollen. Eigentlich hatten wir gehofft, dass wir durch den Umzug die Situation an der Immecker Straße ein wenig entschärfen könnten. Das scheint aber nicht so“, erklärte Hans-Erich Schmidt, Fachbereichsleiter Ordnung und Soziales, gegenüber der MZ.

Zustrom sei nicht einfach zu bewältigen

Überhaupt sei der Zustrom von Flüchtlingen für die Stadt nicht einfach zu bewältigen, erläuterte auch Bürgermeister Jan Nesselrath. Er und alle Ratsmitglieder betonten allerdings ausdrücklich, dass vordringlichstes Ziel sei, den Menschen zu helfen und alles zu tun, was der Stadt – auch finanziell – möglich sei. Nesselrath: „2013 betrugen die Grundleistungen für Asylbewerber 188 000 Euro, im Haushalt 2015 wurden 380 000 Euro eingeplant – darin sind die Kosten für die Krankenhilfe noch nicht enthalten.“

"Neue Küche, neue Heizung"

Friedrich Rothaar, Fachbereichsleiter der Stadt, zeigte anschließend auf, dass die Stadt sich kontinuierlich auch um das in die Kritik geratene Haus in der Immecke kümmert und alles ihr Mögliche unternimmt, um die Zustände zu verbessern: „Auch diese Unterkunft wird ganzjährig von uns betreut. Eine neue Küche und eine neue Heizung wurden kürzlich installiert. Die Küche müsste allerdings schon wieder erneuert werden. Darüber hinaus waren jetzt Schädlingsbekämpfer im Haus, allein diese Maßnahme hat 3000 Euro gekostet. Brandschutz-Maßnahmen und Sanitäreinrichtungen – auch dafür wurde investiert“, zeigte der Fachbereichsleiter auf, dass die Stadt ständig bemüht ist, für die Menschen dort zu sorgen. Das Problem mit fehlenden zusätzlichen Unterkunftsmöglichkeiten gibt es allerdings noch immer. Und der Zustrom der Flüchtlinge wird nicht abreißen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion