Zukunftsinvestition

Otto Fuchs KG: Startschuss für Tarifgespräche

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Die außerordentliche Betriebsversammlung der Firma Otto Fuchs war gestern überaus gut besucht. Unternehmensleitung und Betriebsrat informierten hier über eine anstehende Großinvestition und den Abwägungsprozess für deren Standort.

MEINERZHAGEN -  In einer außerordentlichen Betriebsversammlung ging es am Freitag beim größten heimischen Industrieunternehmen, der Otto Fuchs KG, um eine mögliche Zukunftsinvestition am Standort Meinerzhagen.

Von Horst vom Hofe

Knapp fünfzig Jahre, nachdem 1964 mit der 30 000-Tonnen-Schmiedepresse ein für die weitere Unternehmensentwicklung wegweisender Schritt vollzogen wurde, steht jetzt die Anschaffung einer weiteren Schmiedepresse mit 35 000 Tonnen Presskraft auf der Agenda. Es geht dabei um eine Investition im deutlich dreistelligen Millionenbereich. Ob diese Anlage am Standort Meinerzhagen installiert wird oder in den USA beim dortigen Fuchs-Tochterunternehmen Weber Metals in Los Angeles, ist aktuell die noch nicht entschiedene Frage, mit der sich die Gesellschafter des Familienunternehmens und die Geschäftsleitung intensiv auseinander setzen.

Konkretes Ergebnis der Betriebsversammlung ist die Aufnahme von Tarifgesprächen, in denen die Möglichkeiten ausgelotet werden sollen, wie ein kostenmäßig deutlicher Standortnachteil für Meinerzhagen gegenüber den USA womöglich kompensiert werden kann.

Zum Inhalt und dem Ergebnis der Betriebsversammlung, die am Freitag um 13 Uhr begann und der sich unmittelbar daran eine Mitgliederversammlung der IG Metall anschloss, gab es am Nachmittag die folgende gemeinsame Presseerklärung der Firma Fuchs, des Arbeitgeberverbandes und der IG Metall:

„Die Verhandlungen für die Otto Fuchs KG können nun aufgenommen werden, teilen Bernd Schildknecht, Erster Bevollmächtigter der IG Metall im Märkischen Kreis, und Christian Lepping, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der Metall- und Elektro-Industrie Lüdenscheid. mit. Dr. Hinrich Mählmann, persönlich haftender Gesellschafter der Otto Fuchs KG und Alfred Kreikebaum, Betriebsratsvorsitzender, begrüßen ausdrücklich die Zustimmung der IG Metall-Mitglieder zur Aufnahme der Verhandlungen.

Auf einer außerordentlichen Betriebsversammlung informierte die Geschäftsleitung der Otto Fuchs KG am Freitag die Belegschaft über die geplante Investition in eine neue Großpresse mit einem Investitionsvolumen von über 100 Millionen Euro. Dies ist die größte Investition in der über 100-jährigen Geschichte des Unternehmens.

Otto Fuchs verfügt am Standort Meinerzhagen mit den 30 000-t- und 20 000-t-Pressen über zwei der derzeit größten privat finanzierten Gesenkschmiedepressen der Welt. Eine weitere Großpresse mit 35 000 t Presskraft betreibt Otto Fuchs am Standort seiner US-amerikanischen Tochtergesellschaft Weber Metals Inc in Los Angeles/Kalifornien.

Während Weber Metals überwiegend den US-amerikanischen Flugzeugmarkt beliefert – an erster Stelle den Airbus--Konkurrenten Boeing – ist Otto Fuchs Meinerzhagen in erster Linie Zulieferer der europäischen Luftfahrtindustrie mit Airbus als größtem Abnehmer von geschmiedeten Luftfahrtteilen.

Otto Fuchs muss sich dem wachsenden Markt und dem härter werdenden globalen Wettbewerb stellen – nur so kann Otto Fuchs auch in Zukunft ein wichtiger Partner der internationalen Luftfahrtindustrie bleiben und seine Marktchancen nutzen. Das Unternehmen sieht gute Perspektiven bei großen Struktur- und Triebwerksteilen, für die aber die Presskraft der drei vorhandenen Schmiedepressen nicht ausreicht.

In den vergangenen Monaten hat Otto Fuchs die Vor- und Nachteile der beiden in Frage kommenden Standorte der neuen Großpresse – Los Angeles oder Meinerzhagen – intensiv analysiert und gegeneinander abgewogen. Auch ein externes Beratungsunternehmen wurde eingeschaltet. Das Ergebnis: Während die Baukosten sich in etwa die Waage halten, gibt es erhebliche Unterschiede bei den Betriebskosten. Hier sind in erster Linie die Energiekosten und Personalkosten zu nennen. Die Energiekosten am Standort Meinerzhagen liegen für Strom um 47 Prozent und für Gas um 104 Prozent über den ermittelten Energiekosten am Standort Los Angeles. Die Personalkosten im Meinerzhagener Werk liegen um 67 Prozent höher als am Standort der Tochter Weber Metals.

In der außerordentlichen Betriebsversammlung am gestrigen Freitag stellte die Geschäftsleitung der Otto Fuchs KG die geplante Investition vor und erläuterte den Kostenvergleich zwischen den beiden Standorten. Darüber hinaus hat die Geschäftsleitung deutlich gemacht, dass auch Aspekte wie Marktchancen/Marktzugang, Know how-Transfer, Produktionsstrategie, Umsatzprognosen, Logistikkosten, Qualifizierte Arbeitskräfte etc. bei der Entscheidung über den Standort eine wichtige Rolle spielen werden. Aber zunächst gelte es in einem ersten Schritt, Klarheit über die zukünftigen Personalkosten zu bekommen.

Die Otto Fuchs KG hat daher die zuständigen Tarifvertragsparteien, das heißt den Arbeitgeberverband der Metall- und Elektro-Industrie Lüdenscheid e.V. und die IG Metall im Märkischen Kreis, aufgefordert, gemeinsam mit den Betriebsparteien in Verhandlungen über investitionsfördernde Tariflösungen einzutreten. Hierbei geht es im Wesentlichen darum zu prüfen, inwieweit die höheren Personalkosten am Standort Meinerzhagen durch eine zeitlich befristete Regelung, etwa zur Arbeitszeit oder zu den regelmäßigen Entgelterhöhungen, ausgeglichen werden können. Im Gegenzug könnte die größte Investition der Unternehmensgeschichte die Bedeutung des Standortes Meinerzhagen für die Otto Fuchs KG und die Luftfahrtindustrie langfristig sichern.

Die IG Metall-Mitglieder in der Belegschaft haben in der anschließenden Mitgliederversammlung der Gewerkschaft den Weg für Verhandlungen frei gemacht und der IG Metall ein entsprechendes Mandat erteilt. Die Tarifvertragsparteien werden jetzt in enger Abstimmung mit den Betriebsparteien die Gespräche aufnehmen. Sobald ein Verhandlungsergebnis vorliegt und von den IG Metall-Mitgliedern in der Belegschaft akzeptiert worden ist, werden die Tarifvertrags- und Betriebsparteien die Öffentlichkeit informieren.“

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