Großes Wiedersehen am Meinherzhagener Gymnasium

Großes Wiedersehen: Etwa 1000 Ehemalige kamen zum Gymnasium. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Gedankenverloren streift Petra Fender-Kappel durch ihren alten Klassenraum des Evangelischen Gymnasiums. „Es riecht immer noch wie damals“, stellt sie fest und betrachtet teils schmunzelnd, teils wehmütig das Lehrerpult, die alten Stühle und die Tafel.

Fender-Kappel, die im bayerischen Rüsselsheim lebt, machte im Jahr 1970 ihr Abitur am Meinerzhagener Gymnasium. Am Samstag nutzte sie die Chance, im Rahmen des 50-jährigen Schuljubiläums für einen Tag „zurückzukehren“: Sie war eine von circa 1000 ehemaligen Schülern der Einrichtung, die sich ein Bild davon machen wollten, wie sich „ihre“ Schule in den letzten Jahren weiterentwickelt hat.

Um den interessierten Besuchern einen möglichst umfassenden Einblick in das aktuelle Schulleben und die Umbauten der letzten Jahre zu gewähren, wurden viertelstündig Führungen durch das Gymnasium angeboten. Dabei fungierten einige Lehrer als „Lotsen“ für die Ehemaligen: Einer von ihnen war Heiner Bald, der seit elf Jahren Erdkunde und Biologie am Gymnasium unterrichtet und es verstand, den neugierigen Gästen all das nahezubringen, was sich in der Zeit nach ihrem Abschluss verändert hat – und auch, was in all den Jahren gleichgeblieben ist.

Gleich zu Anfang führte der Rundgang die ehemaligen Schüler in die neue Mensa – den neuen „Protzbau“ des Gymnasiums, wie Heiner Bald die diesjährigen Abiturienten zitierte. Und er erntete einige staunende Blicke, als er von der modernen „Einlasstechnik“ und den vollwertigen Menüs berichtete, die jede Woche von Haus Nordhelle geliefert werden.

Ein kollektives Stöhnen war zu vernehmen, als die ehemaligen Schüler Einlass in die Physik- und Chemieräume erhielten. Verwundert stellten die früheren Abiturienten fest, dass das große „Periodensystem der Elemente“, das die Wand im Chemieraum ziert, wohl noch aus der eigenen Schulzeit stammt. „Es ist wirklich ein lustiges Gefühl, hier so vieles wiederzuerkennen“, so ein Ehemaliger.

Bei 1000 Besuchern blieben natürlich zahlreiche freudige Wiedersehen nicht aus: So freuten sich beispielsweise Rüdiger Scholz und Franz-Joseph Keunecke darüber, sich auf dem Schulhof ihrer ehemaligen Schule zu treffen: Die beiden hatten sich seit 40 Jahren nicht mehr gesehen: „Das ist wirklich irre“, so Scholz, der mittlerweile in Marburg lebt, „es ist viel interessanter als Klassentreffen, weil man auch so viele aus anderen Jahrgängen trifft“, so der Ex-Meinerzhagener.

Doch nicht nur frühere Schüler hatten am Samstag den Weg ins Evangelische Gymnasium gefunden: Auch einige mittlerweile pensionierte Lehrer nutzten die Gelegenheit, alte Schüler und Kollegen wiederzusehen. So auch Peter Menzel: Er unterrichtete – mit kleiner Unterbrechung – von 1964 bis 2001 Latein und Geschichte an dem Gymnasium auf dem Bamberg und wurde von vielen seiner Ex-Schüler begeistert empfangen. „Ich habe immer Freude daran gehabt, hier zu arbeiten“, so Menzel, „das hat vor allem an den tollen Schülern gelegen. Und wenn ich die Schule heute betrachte, kann ich nur Positives feststellen: Die Schüler sind viel selbstständiger geworden, der Umgang miteinander ist sicherer. Es ist eine Freude, das zu sehen“, so der Pädagoge.

Auch eine ehemalige Kollegin Menzels war zur Freude ihrer früheren Schützlinge zur Ehemaligen-Feier gekommen: Roswitha Urbanek, Lehrerin für Mathematik, Biologie und Erdkunde, wurde geradezu stürmisch von ihren ehemaligen Schülern begrüßt. „Eigentlich war ich nie ganz weg“, gibt sie mit einem Schmunzeln zu und spielt damit auf die Tatsache an, dass sie auch nach ihrer Pensionierung im Jahr 1999 noch oft in die Schule gekommen war – beispielsweise, um Schülern, die ein Jahr im Ausland verbracht hatten, den „Wiedereinstieg“ durch Nachhilfeunterricht zu erleichtern. „Es ist ein herrliches Gefühl, heute so viele bekannte Gesichter wiederzusehen“, erklärt die engagierte Pädagogin schließlich sichtlich erfreut und mischt sich wieder unters Volk. ▪ juli

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