Meinerzhagener Hausärzte hoffen auf „möglichst viel Impfstoff“

Telefone stehen nicht still - große Nachfrage nach Impfterminen

Auch in der Praxis von Dr. Holger Reimann gibt es zahlreiche Anfragen von impfwilligen Patienten.
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Auch in der Praxis von Dr. Holger Reimann gibt es zahlreiche Anfragen von impfwilligen Patienten.

Seit Wochenbeginn sind neben den Impfzentren auch zahlreiche Hausarztpraxen in die Impfkampagne gegen das Coronavirus eingebunden. Ein fraglos wichtiger Schritt auf dem Weg aus der Pandemie – aber noch längst kein Meilenstein, wie am Beispiel von zwei Meinerzhagener Praxen deutlich wird.

Meinerzhagen – Am Dienstagmorgen stand in den Räumlichkeiten von Dr. Holger Reimann und im Multimedicum das Telefon nicht still. Verantwortlich dafür waren vor allem die Anrufe von Patienten, die um Impftermine nachsuchten. Vergeblich: „120 Anfragen mussten wir leider abschlägig bescheiden“, sagt Reimann, der am Alten Teich als Hausarzt und Internist praktiziert. Wenige hundert Meter weiter an der Volmestraße war das nicht anders: Auf etwa 350 beziffert Claudius Bertram, einer der vier im Multimedicum tätigen Ärzte, die Zahl der Patienten, die sich in der Gemeinschaftspraxis meldeten und erst einmal mit der Warteliste vorliebnehmen mussten.

Impfwillige müssen sich gedulden

Dass sich die meisten Impfwilligen gedulden müssen, hat zwei Gründe, die unmittelbar miteinander zusammenhängen. Zum einen stehen den Hausärzten nur geringe Mengen Impfstoff zur Verfügung. Die maximale Bestellmenge pro impfenden Hausarzt war für die erste Woche auf 50 Dosen festgelegt, ausgeliefert wurden im bundesweiten Durchschnitt 26. In diesem Bereich bewegen sich auch die beiden Meinerzhagener Praxen: Bei Dr. Reimann gingen 24 Dosen ein, im mit vier Ärzten besetzten Multimedicum 90. Weil Impfstoff ein so rares Gut ist, ist zum anderen weiterhin die vorgeschriebene Impfreihenfolge einzuhalten. Festgelegt ist diese in der Coronavirus-Impfverordnung, in der drei Priorisierungsgruppen genannt sind. Und erst einmal gilt: Patienten der höchsten Kategorie haben Vorfahrt.

Patienten werden gezielt angesprochen

Für das praktische Vorgehen vor Ort bedeutet das, dass die Arztpraxen zunächst einmal gezielt Patienten ansprechen, die über 80 Jahre alt sind. Dabei liegt der Fokus auch auf denjenigen, deren Mobilität so stark eingeschränkt ist, dass für sie weder ein Besuch in der Praxis noch im Impfzentrum möglich ist. Solche Patienten suchen sowohl Dr. Holger Reimann als auch die Multimedicum-Ärzte in den eigenen vier Wänden auf und impfen sie dort.

Mit dem Ende dieser Woche ist im Multimedicum die Impfung der Patienten „mit höchster Priorität“ – so der offizielle Terminus in der Impfverordnung – übrigens bereits abgeschlossen. Auch weil offenbar viele der älteren Patienten vom Angebot der Impfzentren Gebrauch gemacht haben, ist ab dem kommenden Montag nun die nächste Gruppe an der Reihe: Die „Schutzimpfungen mit hoher Priorität“ für Personen über 70 und solche mit besonders schweren Erkrankungen laufen an.

Mediziner haben auf das Tempo keinen Einfluss

In welchem Tempo es weitergehen wird, darauf haben die heimischen Mediziner indes kaum Einfluss. Denn wie die Impfstoff-Perspektive für die kommenden Wochen sein wird, „wissen wir noch gar nicht“, berichtet Dr. Holger Reimann, dessen Praxis für die anstehende Woche 80 Dosen Vakzin bestellt hat. Wie viele man letztlich erhalten werde, bleibe abzuwarten. Bei der Beschaffung von mehr Impfstoff sieht Reimann die Politik in der Pflicht und würde sich schlichtweg mehr pragmatisches Handeln wünschen: „Da muss endlich mal etwas passieren“, spielt er auf die sehr bürokratisch geprägten und dementsprechend schleppenden Prozesse an.

„Wir leben immer mit der Hoffnung, dass wir möglichst viel Impfstoff bekommen“, formuliert es der Meinerzhagener Mediziner Claudius Bertram. Vorbehaltlich möglicher (beispielsweise verkehrsbedingter) Lieferschwierigkeiten hofft er für die anstehende Woche auf rund 30 Dosen Vakzin pro Multimedicum-Arzt. Quintessenz: An der Impfbereitschaft der Patienten und Hausärzte mangelt es ganz offensichtlich nicht, Impfstoff ist jedoch weiterhin knapp...

Corona-Schutzimpfungen bedeuten Papierkrieg

Corona-Schutzimpfungen bedeuten auch Papierkrieg. „Die Impfverordnung ändert sich ja beinahe alle zwei Wochen“, schüttelt Dr. Holger Reimann den Kopf über die Bürokratie, die für die impfenden Hausarztpraxen einen entsprechenden Aufwand nach sich zieht. Erst am Gründonnerstag legte das Bundesgesundheitsministerium eine Neufassung der Coronavirus-Impfverordnung vor, was auch eine Modifizierung der Patientenaufklärungsbögen mit sich brachte. Ärgerlich für die Praxen, die vorgearbeitet hatten, denn alle Dokumente, die für die in der Woche nach Ostern anstehenden Impfungen bereits vorbereitet waren, mussten neu ausgedruckt werden. Damit es beim Impfen in der Praxis möglichst schnell geht, bitten Ärzte und Mitarbeiter des Multimedicums ihre Patienten darum, die Aufklärungs- und Selbstauskunftsbögen im Vorfeld in der Praxis abzuholen, zu Hause zu lesen und auszufüllen und dann am Tag der Impfung mitzubringen.

Wartelisten

Zudem bietet die Gemeinschaftspraxis ihren Patienten an, sich auf die Warteliste setzen zu lassen. Diese wird dann gemäß der vorgeschriebenen Impfpriorisierungen sukzessive „abgearbeitet“. Apropos Warteliste: Mit einer solchen für Schnellanfragen tragen die Multimedicum-Ärzte Sorge, dass am Ende eines Tages kein angebrochener Impfstoff entsorgt werden muss. Ist also abends noch Vakzin übrig, kann dieses kurzfristig noch verimpft werden. Last but not least ist Dr. Holger Reimann noch ein Hinweis an Menschen, die bereits eine Covid19-Erkrankung gehabt haben, sehr wichtig: „In solchen Fällen ist eine Impfung erst sechs Monate nach der Infektion möglich.“

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