Große Freude im Meinerzhagener Wilhelm-Langemann-Haus über „Aktivitätstisch“

Digitaler „Zaubertisch“ begeistert Senioren

Der Aktivitätstisch fördert Geselligkeit und Gemeinschaft. Darüber freuen sich die Leiterin  des Wilhelm-Langemann-Hauses Ingrid Papst und Sozialdienstleiterin Martina Hüttebräuker.
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Der Aktivitätstisch fördert Geselligkeit und Gemeinschaft. Darüber freuen sich die Leiterin des Wilhelm-Langemann-Hauses Ingrid Papst und Sozialdienstleiterin Martina Hüttebräuker.

Ingrid Reif lacht: „Würde man mir das Gerät auf mein Zimmer stellen – ich würde nicht mehr raus kommen.“ Die Seniorin steht an der großen Leinwand, wischt mit der Hand sanft über den Bildschirm. Um sie herum wird emsig geraten, während heller Sand roten Tupfen weicht. „Eine Blumenwiese“, ruft jemand und das dazugehörige Bild erscheint in Großformat. Blumen haben die sechs Bewohnerinnen des Wilhelm-Langemann-Hauses zuvor schon in einem Puzzle zusammen gefügt und dabei die virtuellen Puzzleteile angeklickt und an die passende Stelle geschoben. Digitale Spiele – das ist nicht nur etwas für die junge Generation. Auch die Senioren sind von ihrer neuen Beschäftigungsmöglichkeit begeistert.

Meinerzhagen – Dabei ist der Aktivitätstisch kaum mit einem Spielecomputer vergleichbar. Was aussieht wie ein riesiger Fernseher oder ein überdimensionales Tablet ist ein digitales Gerät, das für die Aktivierung und Betreuung in der Alten- und Behindertenhilfe konzipiert wurde. „Er kann einfach alles. Unser Zaubertisch, einfach sensationell“, beschreibt Einrichtungsleiterin Ingrid Papst, den fahrbaren Aktivitätstisch mit seinen großen Symbolen, der über eine umfangreiches Software verfügt, die sowohl interaktive Spiele als auch Musik oder Fotos bis hin zu virtuellen Landschaften oder Naturfilme enthält. „Selbst eigene private Filme könnten abgespielt werden“, erklärt Ingrid Papst.

Feinmotorik und geistige Fähigkeiten sollen stimuliert werden

Sowohl die Feinmotorik als auch die geistigen Fähigkeiten sollen so stimuliert werden. „Das gilt vor allem für Demenzerkrankte, die sich erinnern, wenn sie alte, ihnen bekannte Lieder hören oder Bilder sehen. Der digitale Tisch bietet eine einfache und spielerische Möglichkeit, das Gehirn zu trainieren. Vor allem macht er den Bewohnern sichtlich Freude“, erklärt Martina Hüttebräuker. Die Leiterin des Sozialen Dienstes zeigt sich ebenso begeistert wie Ingrid Papst: „Vor allem aber sind es unsere Bewohner.“

Hinter verschiedenen Menüs verbergen sich die unterschiedlichsten Beschäftigungsangebote. Alte Werbespots können ebenso wie Kinderlieder oder Sprichwörter gehört werden, Spiele wie Memory, Air Hockey oder Malen nach Zahlen sind nur eine kleine Auswahl, es gibt besondere Angebote zum Gedächtnistraining oder Bilder, die beim Betrachten einfach eine beruhigende Wirkung haben sollen – „die Möglichkeiten sind so umfangreich, da ist einfach für jeden etwas dabei“, berichtet Ingrid Papst.

Multifunktionsgerät ist überall einsetzbar

„Da das Gerät fahrbar und der Bildschirm klappbar ist und aufgerichtet werden kann, kann es auch problemlos zu Bewohnern gerollt werden, die in ihren Zimmern sind und nicht aufstehen können“, erklärt die Leiterin des Wilhelm-Langemann-Hauses.

Die moderne Technik sorgt aber auch im Aufenthaltsbereich der jeweiligen Etagen für Unterhaltung. „Die Atmosphäre ist einfach gesellig. Alle haben großen Spaß.“

Die Begeisterung sei bei allen groß, „um so mehr, da dieser Tisch, kostenmäßig mit der Anschaffung eines Kleinwagens vergleichbar, eine Spende für unser Haus ist“, sagt Ingrid Papst. Der Spender wolle ungenannt bleiben, „daher ist die Freude der Senioren das größte Dankeschön. Das möchten wir weiter geben.“

„Wir können zusammen etwas machen“

„Er ist unglaublich vielseitig. Das Schöne ist, dass wir hier zusammen etwas machen können“, bestätigt eine Bewohnerin, die nur auf ein Spiel gerne verzichtet: „Mensch ärgere dich. Das kann man draußen im Garten spielen. Hier am Tisch gibt es doch noch viel interessantere Spiele.“

Zusammen sitzen, gemeinsame Spiele in der Runde – nach mehr als einem Jahr Pandemie ist mittlerweile ein wenig Alltag in die Senioreneinrichtung an der Mühlenbergstraße zurückgekehrt. „Das wünschen sich alle.“ Umso größer war daher auch vor wenigen Tagen die Freude, als Spargel auf der Speisekarte stand. „Das Spargelessen wird bei uns eigentlich immer in großer Runde zusammen mit den Angehörigen veranstaltet.“ Im letzten Jahr musste es ausfallen, in seiner gewohnten Form war es auch in diesem noch nicht möglich. Dafür wurde an drei Abenden ein festliches Essen für die Bewohner der jeweiligen Wohnbereiche im großen Saal durchgeführt. Essen und mit einem Glas Wein anstoßen bei Kerzenschein – das Ambiente hat alle begeistert. Und es hat nachgewirkt: „Eine Bewohnerin erklärte uns, dass sie umziehen werde. Als wir fragten, warum sie das denn wolle, antwortete sie ‘Weil ich dann, wenn ich in den Bereich B und dann in C ziehe, noch zweimal Spargel essen kann’“, schmunzelt Ingrid Papst, die sich über den Eindruck freut, den der Abend hinterlassen hat.

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