Ein großartiger Herman van Veen

Herman van Veen und Edith Leerkes verzauberten das Publikum in der Stadthalle.

MEINERZHAGEN ▪ Das war ein grandioses Gastspiel!

Auf den Tag genau 65 Jahre und ein halbes war Herman van Veen am Freitag, und seine langjährigen treuen Fans, von denen die meisten mit ihm in die Jahre gekommen sind, lagen ihm nach seinem Konzert in der ausverkauften Stadthalle einmal mehr stehend zu Füßen. Denn von Altersmüdigkeit ist bei dem Senior, auch wenn er „es heute auf seinem Kopf schneien hören kann“, nichts zu spüren. Van Veen zelebriert immer noch das Leben im Jetzt, blickt in die Zukunft.

Gleich zu Beginn stellte der Niederländer die Nähe zu seinem Publikum her. Ließ es mit Händen, Füßen und dem Mund Sonne, Regen und Gewitter imitieren, um dann lakonisch festzustellen: „Scheiß Wetter!“ Der Autor, Kabarettist und Entertainer ist ein aufmerksamer, feinfühliger und intelligenter Beobachter seiner Umwelt, der Menschen und der Gesellschaft. Seine Texte kreisen um die Probleme des Lebens, seine Höhen und Tiefen. Er erzählt von Freundschaft, Liebe, Älterwerden, Angst, Leben und Tod. Während er vom Alltag berichtet, führt er den Zuhörer dabei gleichzeitig aus ihm heraus. Mit Sprachwitz und Wortspielen. Mit feiner Ironie, die auch vor der eigenen Person nicht Halt macht oder mit deutlichen, manchmal drastischen Worten, wie etwa in dem Stück „Gott sei Dank“. Es ist eine schonungslose Beschreibung des Alters mit seinen hässlichsten Begleiterscheinungen wie „vollgesch... Unterhosen“ oder „Stop-and-go-Füßen“.

Wird's zu melancholisch, gelingt van Veen mühelos der Wechsel zu überbordender Heiterkeit. Denn er ist der geborene Komödiant, der seine volle Baritonstimme, Gestik und Mimik, ja selbst die Pausen wirkungsvoll einzusetzen weiß. Mit einem schwarzen und einen weißen Schuh flitzt er über die Bühne, lässt Ping-Pong-Bälle von der Decke regnen, Glitzersterne und Wasser aufs Publikum fallen und zaubert aus der Hose eine Unterhose, die er dann als Kopfbedeckung trägt. Herman van Veen hat sich eine Kinderseele bewahrt, scheut sich nicht vor Albernheit. Er genießt sie, gemeinsam mit seinem Publikum, das sich biegt vor Lachen. Er beherrscht die leisen, aber auch die lauten Töne, auf der Geige, am Klavier, der Gitarre oder dem Cajon. Mit der excellenten (barfüßigen) Gitarristin Edith Leerkes liefert er furiose musikalischen Duelle und Duette.

Ein großer Teil der Titel, die am Freitag zu hören waren, finden sich auf seiner letzten CD „Im Augenblick“, die das Duo im Rahmen dieser „Unter vier Augen-Tour“ auch an kleineren Spielstätten vorstellt. Doch auch ältere Stücke waren zu hören, steht van Veen doch seit rund 40 Jahren auf den Bühnen dieser Welt. Seine Tochter, mittlerweile ebenfalls in der Kleinkunstszene, steuerte mit „Bei mir“ ebenfalls einen Titel bei.

Dass das Publikum nach diesem Konzert, mit dem KuK, der Verein für Kommunikation und Kultur, wieder einmal für einen kulturellen Höhepunkt sorgte, Zugaben forderte, versteht sich. Und so konnte es auch noch einmal den Song genießen, der Herman van Veen überall bekannt machte: „Ich hab ein zärtliches Gefühl“. ▪ luka

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