Meinerzhagener Ärzte erklären

Gegen Grippe wirkt das Händewaschen

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Die Hygiene wird auch in den Kindergärten groß geschrieben. In der Awo-Kita „Rappelkiste“ haben Rayan (5), Guilia (3) und Arina (5) gelernt, dass Händewaschen wichtig ist.

Meinerzhagen - Die Wartezimmer in den Arztpraxen sind voll, etwa 80 bis 85 Prozent seiner Patienten würden derzeit von Fieber, Husten, Muskel- und Gliederschmerzen „geplagt“, berichtet Dr. Holger Reimann, Sprecher der Meinerzhagener Ärzte.

Besonders dort, wo viele Menschen auf engem Raum zusammen treffen, verteilen sich die Viren. Das weiß auch Sabine Fernholz, Leiterin der Awo-Kindertagesstätte Rappelkiste. Auch ihre Schützlinge werden nicht verschont: „Husten, Schnupfen, Magen-Darm-Infekte und Bindehautentzündung – wir haben das volle Programm.“

Die Zahl der Grippeerkrankungen steigt laut den neuesten Zahlen, die das Robert-Koch-Institut veröffentlicht hat. Dass sich seit Mitte Januar die Zahl seiner Patienten deutlich erhöht hat, bestätigt auch Ärztesprecher Dr. Holger Reimann.

„Nur“ eine Erkältung oder doch eine „echte“ Grippe? – Diese Diagnose lasse sich nicht immer ganz eindeutig stellen, berichtet der Ärztesprecher. Eine Influenza könne nur mit einer Blutprobe nachgewiesen werden. „Bis das Ergebnis vorliegt, kann es allerdings fünf, sechs Tage dauern.“ Da die Meldungen des Robert-Koch-Institutes zunehmen, geht daher auch der Meinerzhagener Arzt davon aus, dass sich seine Patienten mit Grippe angesteckt haben, wenn sie mit entsprechenden Symptomen seine Praxis aufsuchen. Der Mediziner weist darauf hin, dass zwischen zwei verschiedenen Erregern unterschieden werden müsse – dem saisonalen Erreger H3N2 und dem Erreger H1N1, der auch von Tieren übertragen werden könne. Von eben diesem Virus seien 70 Prozent der Grippeerkrankten betroffen.

Erreger kann auch Jüngere heftig treffen

Der Erreger könne vor allem jüngere Menschen deutlich härter treffen. Während der Grippeepidemie 2008/2009 seien in Deutschland nach Angaben des Robert-Koch-Institutes 20 600 Menschen gestorben, erinnert Reimann, warnt aber vor Panik oder Hysterie. Dafür rät er unbedingt dazu, die Grundregeln der Hygiene zu beachten. Händewaschen ist während der Erkältungszeit das A und O, Händedesinfektion und das Benutzen von Wegwerftaschentüchern zähle ebenfalls dazu.

Um die Erkrankung zu kurieren, werde auf die symptomatische Behandlung mit Husten- und fiebersenkenden Mitteln gesetzt, bei der direkten Behandlung können auch Grippemittel wie Tamiflu eingesetzt werden. Diese Behandlung wirke jedoch nur, wenn sie innerhalb der ersten zwei Tage nach Ausbruch der Krankheit eingesetzt würde. Bei einer bakteriellen Infektion komme auch der Einsatz von Antibiotika in Frage.

Seinen Patienten rät Dr. Holger Reimann „Ruhe zu halten“, da sonst die Gefahr einer Herzmuskel-Entzündung bestehe. „Die ist nicht ungefährlich.“

Bevor Erkrankte „selbst tätig“ werden und ihre Beschwerden behandeln, rät der Ärztesprecher dazu, lieber den Hausarzt aufzusuchen. Der könne im Zweifel feststellen, ob es sich bei Husten um eine Bronchitis oder schon um eine Lungenentzündung handele. Patienten sollten den Weg zum Arzt daher nicht scheuen. „Wir haben vier Wartezimmer“, beruhigt Reimann seine Patienten vor der Sorge, sich in der Arztpraxis noch mehr Bazillen „abzuholen“. Außerdem weist er auf die kurze Inkubationszeit von ein bis zwei Tagen hin und rät Risikogruppen und Menschen, die älter als 60 Jahre sind, zu einer Grippeschutzimpfung im Herbst. Erkranken könne man trotz Impfung, der Verlauf sei aber deutlich leichter. Drei bis vier Monate halte die Grippewelle an. Die letzte größere Epidemie habe es im Jahr 2013 gegeben. Aber auch jetzt seien die Wartezimmer voll, schwere Fälle müssten im Krankenhaus behandelt werden.

Keine „Lücken“ in den Schulklassen

Auch in Schulen und Kindergärten verteilen sich Viren leider gern. Dass die Grippewelle verstärkt zu größeren „Lücken“ in den einzelnen Klassen führt und seine Schüler mit Erkältungen „flach“ liegen, kann Eckhart Kessler, stellvertretender Schulleiter des Evangelischen Gymnasiums, bisher glücklicherweise noch nicht feststellen, gleiches gilt für seine Kollegin von der Sekundarschule, Schulleiterin Christiane Dickhut. Drei Lehrer seien erkrankt, berichtete sie. Im Awo-Kindergarten „Rappelkiste“ spielen derzeit dagegen weniger Kinder, viele kurieren ihre Erkältungen in Ruhe zu Hause aus. Für die Kinder in der Kita werden die Hygieneregeln ganz groß geschrieben und es gilt: Möglichst oft Hände waschen.

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