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Gold in Krisenzeiten? Nicht immer das Gelbe vom Ei

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Von: Göran Isleib

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Die Anlage in Gold ist nicht immer sinnvoll
Physisches Gold als „sichere Bank“ in Zeiten der weltweiten Krise? Als Beimischung innerhalb eines Gesamtkonzepts sicherlich interessant, sagen dazu heimische Fachleute. © Sven Hoppe

Die Inflation führt dazu, dass sich die Menschen Gedanken machen um ihr Vermögen. Was kann ich tun, damit mein Vermögen nicht (ver)schwindet?

Meinerzhagen/Kierspe - Im März erreichte die Teuerungsrate 7,5 Prozent. Befeuert wird die Entwicklung des Wertverlustes durch den Angriffskrieg Wladimir Putins in der Ukraine. Dazu kommt – aufgrund des niedrigen Zinsniveaus – ein äußerst geringer Realzins. Bei einer weiteren Eskalation sehen Experten Teuerungsraten von bis zu 10 Prozent als durchaus möglich an.

Der Milliardär Elon Musk riet vor knapp einem Monat dazu, als Absicherung auf physische Dinge wie Immobilien oder Aktien zu setzen. Dominik Rode von der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen, ist als Abteilungsleiter und Vermögensbetreuer (zertifizierter Financial Consultant der Sparkassen-Finanzgruppe) auf einem ähnlichen Kurs. Er hat beobachtet, dass die Kundinnen und Kunden der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen Beratungsbedarf haben. „Es gibt einen Trend in Richtung Sachwerte“, sagt Dominik Rode. Die Idee, jetzt in Gold zu investieren, findet er prinzipiell gut, allerdings eher als Beimischung zu einem Gesamtkonzept. Schaut sich Dominik Rode die Statistik an, geben ihm die Zahlen recht. Rückblickend auf die Entwicklung der vergangenen 30 Jahre liegt die Rendite bei Gold im Bereich von 5,8 Prozent. Bei Aktien jedoch waren 8 Prozent drin. Geht es um einen Zeitraum von 40 Jahren, steigerte sich Gold um 4,2 Prozent, Aktien hingegen um sagenhafte 9,5 Prozent.

Thorsten Scholz, Abteilungsleiter im Wertpapier-Kompetenz-Center der Volksband in Südwestfalen hat ebenfalls ein klares Statement dazu: „Sachwerte, zu denen auch Gold gehört, eignen sich prinzipiell als Inflationsschutz. Einen Teil des Vermögens in Gold anzulegen, dient als Sicherheit, um Schwankungen im Portfolio auszugleichen. Von daher kann Gold als Teil der individuellen Portfoliostruktur Sinn machen. Als Renditeanlage eignet sich das Gold eher weniger. Dafür ist der Goldpreis zu schwankend.“ Wenn es um das Thema Gold ging, sei in zwei Dritteln der Fälle bei der Volksbank in Südwestfalen durch Kunden in Gold investiert worden, ein Drittel der „Gold-Kunden“ hätten ihre Goldpositionen verkauft.

„Wer den Wert seines Vermögens erhalten möchte, sollte sich auf eine sinnvolle Mischung von Immobilien, Aktien und auch Gold konzentrieren“, empfiehlt Dominik Rode. Auch Fonds mit einer Beimischung von Gold könnten sehr interessant und lukrativ sein. Fest steht für ihn aber ganz klar: „Alle großen Vermögen wurden in der Vergangenheit durch Produktivvermögen generiert.“ Von daher mache es durchaus Sinn, sich an einem krisensicheren Unternehmen zu beteiligen. In diesem Kontext argumentiert auch der Dresdner Finanzdienstleister Competent Investment Central GmbH (CIC), der mit Blick auf eine Altersvorsorge Immobilien- und Sachwertinvestments als sicher empfiehlt. Auch wenn bei Aktienpaketen kurzfristige Verluste durch Schwankungen der Kurse möglich sind, ist bei solch einem Investment langfristig von einem Wertzuwachs auszugehen. Das bedeutet für Anleger, auch bei einer Talfahrt der Börse die Nerven zu behalten und die Schwankungen im besten Fall einfach auszusitzen. Die Empfehlung der Fachleute: „Es lohnt sich vor allem, in bekannte und starke Unternehmen zu investieren, deren Produkte nachgefragt sind.“ Besonders wichtig aber ist dabei eine breite Streuung, um das Risiko möglichst zu minimieren.

„Gold ist der Klassiker, wenn es um eine krisensichere Geldanlage geht. Gerade wenn die Zeichen auf Inflation stehen, entscheiden sich viele Investoren für den Kauf von Gold“, sagt die CIC. Im Gegensatz zum klassischen Kauf von Goldbarren oder kleineren Einheiten, bei denen mit Aufschlägen zu rechnen ist, seien Gold-ETCs (Exchange Traded Commodities sind börsengehandelte Rohstoffe) wie Xetra-Gold eine mögliche Alternative. Dabei handele es sich um Schuldverschreibungen, die mit Goldbeständen abgesichert seien. Die Goldzertifikate legten Anleger einfach in ihr Depot. Nachteilig bei der Goldanlage sei aber, dass keine regelmäßigen Erträge erwirtschaftet werden könnten. Die Rendite liege hier also in der möglichen Preissteigerung. Ein Kaufargument: Beim Verkauf von physischem Gold fallen keine 19 Prozent Mehrwertsteuer und keine Abgeltungssteuer an.

Wer an Sachwerte denkt, hat wie die Investment-Profis in erster Linie Immobilien im Blick. Grundsätzlich sei das Kapital, das in ein Gebäude oder auch eine Wohnung investiert werde, krisensicher angelegt. Doch müsse der Fokus auf die Details gelegt werden, denn in besonders nachgefragten Großstädten seien die Immobilienpreise zum Teil in astronomische Höhen geklettert. „Die Kaufpreise liegen bei mehr als der 30-fachen Jahresnettomiete“, sagt die CIC. „Ob sich die Investition da noch lohnt oder Investoren auf weniger nachgefragte Gegenden ausweichen sollten, sollte genau überlegt werden.“ Ideal sei eine Immobilie in jedem Fall für Selbstnutzer, die durch den Kauf nicht nur Miete sparen, sondern auch von den aktuell niedrigen Zinsen profitieren würden.

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