Duo Gogol und Mäx überzeugt bei Gastspiel in der Stadthalle

Klassik trifft auf Schabernack

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In der Zugabe entlockten Gogol (rechts) und Mäx wassergefüllten Weingläsern eine Melodie.

Meinerzhagen – Zwei bärenstarke Typen waren am Samstagabend auf Einladung des Vereins KuK in der Stadthalle zu bewundern: Das Duo Gogol und Mäx bewegte sich unter Zuhilfenahme zahlreicher vergnüglicher Um- und Abwege souverän durch die Welt der klassischen Musik.

Christoph Schelb alias Gogol bemühte sich zumeist redlich um einen geordneten Verlauf des Konzertabends, kündigte Klavierstücke von Frederic Chopin, Robert Schumann und Ludwig van Beethoven als „Concerti“ an und ließ vom Publikum immer wieder die Hoffnung vortragen, dass er dabei allein bleiben möge: „Solo!“

Doch der äußerst liebenswerte Scharlatan Max-Albert Müller alias Mäx vermasselte ihm den einsamen Genuss mit einer bewundernswerten Hartnäckigkeit, packte immer wieder neue Musikinstrumente aus und entlockte auch jenen Gegenständen geordnete Töne, von denen man diese auf den ersten Blick nicht erwartet hätte. „Dilettanto penetrante!“, schimpfte ihn der immer wieder ausgebremste Gogol.

Man kann allerdings nicht verhehlen, dass die von ihm vorgetragenen Klavierstücke durchaus gewannen durch Mäx’ Begleitung: Virtuos bediente er das Alphorn, ebenso Klarinette, Vibraphon, Mini-Saxophon, Trompete, Posaune und Tuba. Seriöse Konzertbesucher mochten zusammenzucken, als Gogol den Schalltrichter der Klarinette im Blumenwasser versenkte. Mäx, der so ziemlich jeder Situation noch einen Ton abzuringen vermochte, schickte die Töne kurzentschlossen durchs Wasser. Immer wieder und mit bewundernswert unaufgeregter Hartnäckigkeit kehrte er zurück zur Melodie jenes spanischen Volksliedes, das von einer Küchenschabe berichtet, der es an Rauchwerk mangelt: „La cucaracha“.

Gogol hatte höhere Ziele: Beethovens „Für Elise“ und die „Pathétique“, Charpentiers Europavisionshymne, Mozarts „Rondo a la turca“. Dass letztlich Gogol nicht weniger durchgeknallt war als Mäx, zeigte sein Balanceakt in schwindelnder Höhe zwischen Pianoforte und Tuba. Ein herrliches Bild gaben die beiden Spaßvögel ab, als sie ihre Köpfe mit zwei Tuben bewaffneten und geradezu elefantös aufeinander loszugehen drohten. Doch nie verloren die beiden bei all dem Schabernack die Contenance. Das machte ungeheuer viel Spaß, und es verbreitete sich über das Vergnügen hinaus ein großes Staunen, wie viele Instrumente die beiden Musiker meist mehr als passabel beherrschten.

Einziger Wermutstropfen an einem äußerst vergnüglichen Abend waren zu viele frei gebliebene Sitze in der Stadthalle.

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