„Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen“

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Fady Salama (links) besucht inzwischen regelmäßig die Evangeliums-Christen Baptisten-Gemeinde an der Heinestraße. Darüber freuen sich der Gemeindeälteste Gustav Schmidt (Mitte) und Jugendleiter Hans Pankratz.

Meinerzhagen - Fady Salama ist kein Träumer. Dafür hat der 29-jährige Ägypter zu viel erlebt, musste auf seinem Lebensweg zu viele Hindernisse aus dem Weg räumen. Doch dabei hatte er einen allmächtigen Helfer: „Gott hat mich geführt“, ist der inzwischen in Meinerzhagen lebende und für die Stadt im Sozialamt arbeitende koptische Christ sicher. Er selbst spricht sogar von einem Wunder. „Ohne das wäre ich heute nicht hier“, ist der Jurist sicher.

Rückblick: Fady Salama ging in Kairo zur Grund- und Oberschule, studierte an der Ain-Shams-Universität und arbeitete anschließend bei Mercedes Benz. Der Glaube spielte für seine Eltern und die drei Geschwister immer eine wichtige Rolle. Und er wurde im Alltag gelebt. Etwa durch Nächstenliebe. „Und dabei spielte es für uns keine Rolle, ob wir Moslems oder Christen etwas Gutes tun“, erinnert er sich. Praktisch bedeutete das für Fady Salama und eine Gruppe gleichgesinnter junger Freunde: „Wir haben Lebensmittel und Kleidung besorgt und sie in Dörfern verteilt, in denen große Armut herrschte. 

Dort haben wir auch ein Unterhaltungsprogramm für Kinder auf die Beine gestellt. Etwa mit Kinderschminken.“ Das Ende kam für die ehrenamtlichen Sozialarbeiter Anfang 2013 abrupt: „Radikale Islamisten haben unsere Tätigkeit als christliche Missionierung verstanden. Zum Schluss bin ich sogar mit dem Tode bedroht worden“, denkt Salama mit Grauen an diese Zeit zurück. Für ihn stand schnell fest: „Ich muss Ägypten verlassen.“ Salama beantragte Urlaub und flog nach Georgien. Warum ausgerechnet dorthin? Dieses Ziel wählte er bewusst aus: „Weil dort Frieden herrscht und der Lebensunterhalt für mich nicht so teuer war.“ 

In der Hauptstadt Tiflis eröffnete Salama ein Restaurant. Frei durchatmen in der Volmestadt Keine besonders gute Idee, denn: Das war nicht der erhoffte Sprung in eine Zukunft als freier Mensch, der Betrieb rentierte sich nicht. Als er dann einen Bekannten traf und der ihm von Deutschland und der dort herrschenden Religionsfreiheit erzählte, keimte sofort ein Gedanke in ihm: ein neues Leben im Westen. Die erste und wohl größte Hürde auf diesem Weg: „Ich brauchte ein Visum.“ Obwohl sein Bekannter ihm versicherte, das sei augenblicklich gar nicht nötig, blieb er skeptisch. 

Salama erinnert sich an die dramatische Situation am Flughafen Tiflis: „Ich hatte das Ticket nach München gebucht, stand am Check-In-Schalter. Dort musste sich der Mitarbeiter der Fluglinie aber erst bei der Polizei erkundigen, ob ich tatsächlich ohne Visum ausreisen durfte. Schließlich gaben mir alle grünes Licht. Das war im September des Jahres 2013 und ich hatte es geschafft.“ Für Fady Salama geschah in diesen dramatischen Minuten ein göttliches Wunder: „Ich hatte vorher gebetet und um Hilfe gefleht. Und mir wurde geholfen. 

Vorher wäre es nicht möglich gewesen, ohne Visum auszureisen. Und nachher auch nie wieder. Nur an diesem einen Tag.“ An den Schreibtisch im Meinerzhagener Rathaus war es von Bayern aus aber noch ein weiter Weg. Fady Salama: „Zunächst haben mir die Mitarbeiter des Bundesamtes für Migration bei der Asyl-Beantragung die Geschichte gar nicht geglaubt. Sie konnten sich einfach nicht erklären, wie ich mit einem ägyptischen Pass völlig problemlos von Georgien aus nach Deutschland fliegen konnte. Schulterzuckend haben sie das dann aber als gegeben hingenommen.“ 

Der Ägypter hat zum glücklichen Ausgang seiner Flucht auch einen Bibelvers gefunden, der für ihn persönlich aufgeschrieben worden sein könnte: „Der Herr sagte durch einen Propheten ,aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen’.“ Von München aus wurde Fady Salama nach Dortmund geschickt und noch im September 2013 fand er sich in Meinerzhagen wieder. „Ich bin an einem Donnerstag hier angekommen und habe sofort beschlossen, Deutsch zu lernen und Gottesdienste zu besuchen.“ Gesagt, getan. 

An der VHS eignete er sich die Sprache seines Gastlandes an, in der evangelischen und katholischen Gemeinde besuchte er regelmäßig Gottesdienste. Inzwischen hat er sich der Evangeliums-Christen Baptistischen-Gemeinde angeschlossen. Und in der Stadtverwaltung ist er als arabischer Muttersprachler mit seinen Kolleginnen und Kollegen in Sachen Flüchtlingsbetreuung engagiert. In der Volmestadt konnte er erstmals frei durchatmen, seinen Glauben leben und die Freiheit genießen. Alles hat sich im Leben von Fady Salama zum Guten gewandelt. 

Doch ein Wunsch bleibt Herzensangelegenheit, gerade in der kurz bevorstehenden Weihnachtszeit: „Wir alle dürfen nicht vergessen, warum wir dieses Fest feiern. Es geht nicht nur um Geschenke.“

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