Verborgene Kunstwerke mit Bezug zu Weihnachten

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Pastor Keinecke an der Holzfigur von Josef mit dem Christuskind. ▪

MEINERZHAGEN ▪ „Genauer hinzuschauen lohnt sich immer.“ Pastor Peter-Wilhelm Keinecke, Geistlicher in der katholischen Großpfarrei St. Maria Immaculata, rät das allen Menschen.

Und er weiß, dass innehalten und näheres Betrachten auch in der Kirche St. Marien an der Kampstraße lohnen. Denn: Wer sich einen Moment Zeit nimmt und den Blick ohne Hast durch das Gotteshaus schweifen lässt, wird in der Kirche Details entdecken, die es wert sind, sich damit näher zu beschäftigen.

In den Ecken rechts und links des Altarraums beispielsweise sind biblische Fensterbild-Zyklen eingebaut, die selbst den Blicken vieler Gottesdienst-Besucher verborgen bleiben. „Sie wurden angelegt kurz nach dem Umbau der Kirche in den Jahren 1970 bis 1973. Angefertigt wurden sie von dem Hattinger Künstler Egon Stratmann“, erklärt Peter-Wilhelm Keinecke.

Wegen ihrer etwas abgelegenen Position in dem Gotteshaus stehen die Kunstwerke mit religiösem Hintergrund nicht im Mittelpunkt – aber sie haben es in sich. Zyklus eins beispielsweise besteht – wie sein Pendant auf der Gegenseite – aus fünf Bildern, die jeweils von einem recht abstrakten Zwischenbild getrennt sind. Unten, kurz über dem Fußboden, ist die Schöpfung dargestellt. „Die Hand Gottes trennt Wasser und Land – Gott spricht ,es werde Licht’. Das letzte Bild oben unter der Decke zeigt Jesus schließlich als Richter und Wort Gottes“, erläutert Keinecke.

Dazwischen aber ist ein weiteres Glasbild in den Zyklus eingefasst, das sogar einen Bezug zum Weihnachtsfest hat: „Es stellt Maria als Arche des neuen Bundes dar. Wir singen den adventlichen Choral ,es kommt ein Schiff, geladen bis an sein’ höchsten Bord, trägt Gottes Sohn voll Gnaden, des Vaters ewigs Wort...’. Das Bild zeigt die Arche, genannt Maria, die den Retter gebiert. Zu sehen ist auch der Schriftzug Ichthys. Dieses griechische Wort für Fisch enthält ein kurzgefasstes Glaubensbekenntnis: Jesus, Christus, Gottes Sohn, Retter, Erlöser. In verborgener Weise wird hier das Geheimnis von Weihnachten angesprochen“, verdeutlicht Keinecke den Sinn der Symbolik.

Der zweite Zyklus, mit Blick auf den Altar an der rechten Seite des Innenraums gelegen, befasst sich mit dem Weg vom Paradies hin zur ewigen Herrlichkeit. Zwischenstationen, ebenfalls in gläsernen Fenstern verewigt, sind Sünde, Vergebung und die Erlösung durch Jesus. „Die Schlange steht hier beispielsweise für Sünde, den Glaubensabfall des Volkes Israel bei der Wüstenwanderung, aber auch als Zeichen Gottes für die Rettung aus Schuld und Sühne“, weiß Peter-Wilhelm Keinecke. Er würde sich freuen, wenn sich viele Bürger der Stadt einmal in Ruhe mit den filigranen Kunstwerken auseinandersetzen würden – sie können Denkanstöße liefern oder einfach als ruhende Pole zur inneren Einkehr genutzt werden.

Neben den prächtigen aber ein wenig im Verborgenen „strahlenden“ Glasfenstern gibt es in der Kirche St. Marien aber auch den ganz „normalen“ Weihnachtsschmuck. Christbaum, Verkündigungsengel und Sterne beispielsweise“, lächelt der Pastor. Und da sind noch die zwei aus Holz geschnitzten Figuren, die eigentlich das ganze Jahr über an das Christfest erinnern: Maria und Josef. In St. Marien hält allerdings Josef das Christuskind im Arm. „Er ist der von Gott erwählte weltliche Vater von Jesus“, erläutert Keinecke, der weitere Details über den Zimmermann und Gemahl von Maria kennt: „Josef spricht in der Bibel kein einziges Wort. Vielleicht ist er auch deshalb ein Vorbild. Weil er schweigt und nur den Befehl Gottes ausführt.“ ▪ beil

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