Leuchtturm-Projekt

Warten auf den Volmetal-Radweg an der B54: Das sind die Probleme

+
Teil der Planung ist auch ein Abschnitt entlang der Bahntrasse von Brügge nach Schalksmühle.

Volmetal - Keine Frage: Das Jahr 2020 ist auch für die Kommunen „oben an der Volme“ ein besonderes geworden. Allerdings auf andere Art als erhofft.

Vor langer Zeit war dieses Jahr als Eröffnungsjahr des Volmetalradwegs geplant, also jener Fahrradstrecke, die Meinerzhagen, Kierspe, Halver und Schalksmühle entlang der Bundesstraße B54 verbinden sollte. Stattdessen beherrscht ein Virus die Schlagzeilen – und das einstige Leuchtturmprojekt der Regionale 2013 lässt weiter auf sich warten.

Rückblende: Als die Südwestfalen-Agentur den vier Volme-Kommunen am 28. März 2012 den symbolträchtigen dritten Stern verlieh und damit die Freigabe von Fördermitteln für eine Investitionssumme von 69 Millionen Euro garantierte, gehörte der Volmetalradweg zu einem von vier Leitprojekten, die gewürdigt wurden.

Die Idee: Auf 23 Kilometern sollte das Volmetal bequem und vor allem sicher per Rad erkundet werden können. Dass dazu eine Menge an Detailarbeit notwendig sein würde, war allen Verantwortlichen von Beginn an klar – dass allein die ersten Ergebnisse einer zunächst in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie aber so lange auf sich warten lassen würden, wohl kaum. 

Machbarkeit steht außer Frage

Bereits im Jahr 2017 warteten die Verantwortlichen in den Rathäusern sowie im Landesbetrieb Straßen.NRW auf deren Resultate, die damals als Grundlage der weiteren Projektrealisierung als notwendig genannt wurde. Diese Ergebnisse sollten ursprünglich im Laufe des Jahres 2018 vorliegen. Die schlechte Nachricht: Sie lassen weiter auf sich warten. Die gute: Für die weitere Umsetzung des Projekts sind sie nicht mehr notwendig, wie Oliver Emmerichs von der Gemeindeverwaltung Schalksmühle auf Anfrage unserer Zeitung jetzt erklärte.

Von 400 auf 217 Höhenmeter: Der Volmetalradweg in seiner Planung von 2015.

Emmerichs ist sozusagen „Mr. Volmetalradweg“, da die Gemeinde die Federführung des Gesamtprojekts für die beteiligten Kommunen innehat. Er koordiniert die Gespräche unter anderem zwischen Straßen.NRW, das die Aufträge vergibt, der Deutschen Bahn, die die Querung an Bahnübergängen ermöglichen muss, sowie verschiedenen Grundstücksbesitzern, die Wegerechte einräumen oder Flächen verkaufen müssen.

„Die Stufe der Machbarkeitsstudie haben wir eigentlich schon überwunden“, sagt Emmerichs. Das Problem sei ja im Kern nicht die Frage der Machbarkeit („Da sind wir uns ja alle einig, dass es klappt und wir das auch alle wollen“). 

Drei Hauptprobleme

Viel mehr konzentriere sich die Projektarbeit derzeit auf drei Hauptprobleme:

  • Eine Engstelle im Bereich Kierspe-Vollme: „Dort liegen B54, Volme, Bahntrasse und künftiger Radweg sehr eng beieinander. Da werden wir zur Realisierung nicht um ein Planfeststellungsverfahren herumkommen“, sagt Emmerichs. Und dann sei Geduld gefragt, da solch ein Verfahren bis zu zehn Jahre in Anspruch nehmen könne. Bestandteil ist unter anderem eine Umweltverträglichkeitsprüfung.
  • Eine scheinbar unlösbare Grundstücksfrage – ebenfalls auf Kiersper Gebiet: Ein topografisch sinnvoller Verlauf des Volmetalradwegs wird von einem Grundstücksbesitzer auf einem Teilstück verhindert. Er will seinen Grund und Boden nicht für diesen Zweck zur Verfügung stellen. „Es gibt zwar alternative, aber weitaus aufwendiger herzustellende Routen“, sagt Oliver Emmerichs. Wie bei der Engstelle in Vollme gelte aber auch hier, dass das Gesamtprojekt daran nicht scheitern solle. „Wir haben die Realisierung so angelegt, dass jede Kommune für sich in die Einzelplanung von Teilabschnitten einsteigen kann, was ja auch schon geschehen ist“, erinnert Emmerichs etwa an die Herstellung des Radwegs vom Meinerzhagener Bahnhof bis zur B 54.
  • Die Nutzung der Bahntrasse zwischen Brügge und Schalksmühle: Da die Volmetalbahn in diesem Abschnitt nur noch ein Gleis benötigt, sollte die parallel verlaufende, abgerissene Trasse den Radfahrern zur Verfügung stehen. „Da gibt es bereits Beispiele aus anderen Regionen, die gut funktionieren“, sagt Oliver Emmerichs. Auch die Grundvoraussetzung einer eigenen Tunnelröhre sei gegeben – ebenso wie der Schutz von Fledermäusen, die in dieser Röhre leben. „Durch den Bau zum Beispiel von Zwischendecken ist das ohne Probleme möglich“, sagt Emmerichs. Problematisch ist aber die Abstimmung mit der Deutschen Bahn. „Die gestaltet sich äußerst schwierig, da verschiedene Stellen der Bahn eingeschaltet und hinzugezogen werden müssen“, erklärt der Schalksmühler Fachbereichsleiter. Zur Nutzung der Bahntrasse durch Radfahrer ist eine Einigung zwischen Straßen.NRW als Finanzier, den Kommunen als Planer und der Bahn als Grundeigentümer aber zwingend notwendig. Ein Ortstermin soll in naher Zukunft Klarheit bringen – endlich. Emmerichs: „Eine Einigung mit der Bahn wäre für den Volmetalradweg zweifellos ein echter Meilenstein.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare