Mo Yan sorgt für Schulterzucken

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Rund 10 000 Titel hat die Meinerzhagener Buchhandlung Schmitz regelmäßig vorrätig. Vom neuen Literatur-Nobelpreisträger Mo Yan aus China ist aber aktuell kein Buch lieferbar. ▪

MEINERZHAGEN ▪ „Mo Yan – wer!?“ Auch bei ausgewiesenen Experten herrschte nach Bekanntwerden des neuen Literatur-Nobelpreisträgers am Donnerstag einige Ratlosigkeit. Der Meinerzhagener Wolfgang Schmitz befand sich zu diesem Zeitpunkt sozusagen mitten auf dem größten Marktplatz für das veröffentlichte Wort, der Frankfurter Buchmesse. „Ich habe bei meinen Begegnungen dort vorwiegend allgemeines Schulterzucken im Zusammenhang mit dem Namen des Gewinners erlebt“, berichtete er am Freitag im Gespräch mit der MZ. Und das passt kurioserweise irgendwie auch zum Künstlernamen des chinesischen Autoren, der ins Deutsche übersetzt „der Sprachlose“ lautet.

Auch Karin Leßmeier, Leiterin der Meinerzhagener Stadtbücherei, zeigte sich auf Nachfrage ebenso überrascht wie interessiert: „Ich muss gestehen: Von diesem Schriftsteller habe ich zuvor noch nicht gehört!“ räumte sie freimütig ein. Und so findet sich jedenfalls aktuell auch noch keines der bislang von Mo Yan auch in Deutschland veröffentlichten Bücher im großen Bestand der großen Bibliothek in der Stadthalle. „Sollte es sich zeigen, dass nun eine entsprechende Nachfrage einsetzt, könnten wir im Rahmen der regelmäßigen Bestandpflege natürlich auch einige Werke von ihm in unsere Sammlung aufnehmen“, stellt die Büchereileiterin in Aussicht.

Nicht nur für Karin Leßmeier gab es auch für die diesjährige Vergabe des Literatur-Nobelpreises einen ganz anderen „heißen“ Favoriten: „Ich hatte eigentlich mit dem Japaner Haruki Murakami gerechnet.“ Dieser Autor gehört auch zu den ausgewiesenen Lieblingsschriftstellern von Jessica Alterauge, der 2011 als damals beste Auszubildende im Beruf der Buchhändlerin in Deutschland ausgezeichneten Mitarbeiterin der Meinerzhagener Buchhandlung Schmitz. „1Q84“, der dritte Teil des kafkaesken Epos’ des japanischen Schriftstellers, der seinerzeit herauskam, gehört nach wie vor zu ihren persönlichen Favoriten und ist auch aktuell noch eine ihrer Empfehlungen als lohnende Lektüre für lange Herbst- und Wintertage.

Wer gestern in der Meinerzhagener Buchhandlung nach einem Buch des neuen Nobelpreisträgers, dem ersten aus China übrigens, fragte, musste vertröstet werden. „Wir haben mit dem deutschen Verlag gesprochen. Die werden jetzt so schnell wie möglich nachdrucken. Das dürfte aber noch einige Tage dauern“, so Buchhändler Wolfgang Schmitz. Aktuell ist auch im Internet keines der Bücher des Chinesen verfügbar. So verweist der größte Anbieter Amazon unverbindlich auf eine Lieferfrist von fünf bis zehn Tagen.

Wie sehr Preisvergaben die Auflagenhöhe von Autoren in die Höhe schnellen lassen können, zeigt sich momentan übrigens auch am Beispiel der gerade mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Schriftstellerin Ursula Krechel. Deren preisgekröntes Buch „Landgericht“ kann derzeit nur vorbestellt werden.

Bei seinem Besuch auf der Frankfurter Buchmesse gab es für den Meinerzhagener Buchhändler Wolfgang Schmitz im Übrigen einige interessante Trends zu beobachten. „Das E-Book setzt sich offenbar nicht in der Weise wie erwartet durch. Ich habe vielmehr mit Freude zur Kenntnis genommen, dass viele Verlage wieder auf eine besonders ansprechende Gestaltung von gedruckten Büchern setzen.“ Und ermutigend ist für Schmitz auch: „Während die ganz großen Buchhandelsketten massive Probleme haben, scheint es eine kleine Renaissance für inhabergeführte Buchhandlungen zu geben“. Auch für sein Geschäft zeigt sich Schmitz im Blick auf das Jahr 2012 durchaus zufrieden. „Wir verzeichnen wieder Zuwächse.“ ▪ -fe

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