1. come-on.de
  2. Volmetal
  3. Meinerzhagen

Gewerbegebiet Auf der Heide: Stellungnahme der Stadt liegt vor

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Frank Zacharias

Gefährdete Idylle: Nicht nur Anwohner, auch Politik und Verwaltung wehren sich gegen die Pläne der Bezirksregierung.
Gefährdete Idylle: Nicht nur Anwohner, auch Politik und Verwaltung wehren sich gegen die Pläne der Bezirksregierung. © Müller, Luitgard

Die Politik hatte sich schon zu Wort gemeldet – jetzt bekommt sie von der Stadtverwaltung auch schriftlich Unterstützung: Der Ausschuss für Klima, Planung, Stadtentwicklung, Mobilität und Umwelt berät am Donnerstag über eine Stellungnahme, die die Stadt der Bezirksregierung Arnsberg zukommen lassen will. Inhalt: das im Regionalplan eingezeichnete interkommunale Gewerbegebiet Auf der Heide, das nicht nur in den Gremien, sondern auch bei vielen Anliegern für Unverständnis sorgt.

Meinerzhagen - Wie berichtet, sollen 49 Hektar zwischen den Ortslagen Willertshagen und Niederhengstenberg für Gewerbe entwickelt werden – wobei aber nur 13 Hektar der Stadt Meinerzhagen zugeordnet werden sollen. Das größte Stück vom Gewerbekuchen soll mit 29 Hektar die Nachbarstadt Attendorn erhalten, die sieben restlichen Hektar entfallen auf Kierspe. Diese Verteilung, vor allem aber der Eingriff in die Natur und die zu erwartenden Belästigungen für die Anwohner sorgten für eine Gemengelage aus Unterschriftenlisten, Protestaktionen und auch im politischen Raum öffentlicher Gegenwehr. Die Stadt hatte daraufhin eine Stellungnahme angekündigt, die nun veröffentlicht wurde und zur Abstimmung durch Ausschuss und Rat (am 28. Juni) steht.

In dem siebenseitigen Schreiben für die Bezirksregierung nimmt die Verwaltung nicht nur zur Gewerbefläche Auf der Heide Stellung, allerdings nimmt die den größten Teil der Stellungnahme ein. Deutlich wird dabei die grundsätzliche Ablehnung einer Ansiedlung in diesem Bereic. Genannt werden dabei folgende Kernkritikpunkte:

- Zum einen wird die gewerbliche Nutzung nahe der bestehenden Ortslagen Willertshagen und Niederhengstenberg „mit der Folge zu erwartender Konflikte mit der ansässigen Bevölkerung“ kritisch gesehen. Zudem müssten nicht nur mehrere Hoflagen aufgekauft, sondern auch deren derzeitige Bewohner umgesiedelt werden. Doch dass dies gelingen könne, sei unwahrscheinlich. „Ein Verkauf der betroffenen Liegenschaften – dies gilt ebenso für die (...) landwirtschaftlichen Nutzflächen – wird, wie vonseiten der betroffenen Eigentümer bereits vorgetragen wurde, strikt abgelehnt.“

- „Voraussichtlich erhebliche Umweltauswirkungen“ werden von der Stadt zudem als „schwerwiegend“ bezeichnet. Ein Fachbüro habe bereits festgestellt, dass Tiere und Pflanzen, Boden, Klima und Luft, Landschaft sowie Kultur- und Sachgüter betroffen wären und Gewerbeflächen „erhebliche Umweltauswirkungen“ auslösen würden. Zudem weise das Areal nahe des Naturschutzgebiets „Ebbemoore“ einen besonderen Naherholungswert auf. Die Verwaltung weist die Bezirksregierung darauf hin, dass im Falle einer Gewerbeansiedlung mit erheblichem Widerstand der betroffenen Bürger zu rechnen sei – und betont die bereits jetzt deutlich gewordene Ablehnung in der Bevölkerung.

- Auch die Durchführung des Bauleitplanverfahrens verspricht laut Stadtverwaltung „ausgesprochen komplex und aufwendig mit erheblichen Schwierigkeiten“ (Konflikte mit Anwohnern) zu werden. Vor allem sei es „nicht zu vermitteln, dass die geplante interkommunale Fläche vor allem zulasten der Stadt Meinerzhagen und deren Bürgerschaft ginge, während der Nutzen auch bei den anderen beteiligten Kommunen läge“.

Fazit

Letztlich wünscht die Stadt – vorbehaltlich der Abstimmung durch den Rat –, auf die zeichnerische Festlegung des Gewerbegebiets „Auf der Heide“ zu verzichten und stattdessen an anderer, „verträglich erscheinender Stelle“ vorzunehmen. Dabei weist die Verwaltung darauf hin, dass bereits Gespräche mit Attendorn über einen gemeinsam zu nutzenden Bereich laufen würden. Fest steht aber auch: Sollte ein interkommunales Gewerbegebiet an anderer Stelle nicht möglich sein, so soll die Bezirksregierung doch zumindest dem Meinerzhagener Flächenbedarf Rechnung tragen. Und der liege nicht bei den 13 Hektar, die Auf der Heide vorgesehen sind, sondern tatsächlich bei 17 Hektar, da sich die Ermittlungsgrundlage durch neue Bebauung seit Januar 2020 erheblich verändert habe, wie die Stadt betont.

Nun wird zunächst der Ausschuss und dann der Rat über die Stellungnahme beraten. Sollte die Politik – wie zu erwarten – grünes Licht geben, wird sie dann nach Arnsberg geschickt. Verbunden mit der Hoffnung, dass das „Projekt Auf der Heide“ sterben wird, bevor es überhaupt das Licht der Welt erblickt...

Sitzungen

Der Ausschuss für Klima, Planung, Stadtentwicklung, Mobilität und Umwelt tagt am Donnerstag, 17. Juni, ab 17 Uhr öffentlich in der Stadthalle (Bücherei-Eingang nutzen). Der Rat trifft sich an derselben Stelle am Montag, 28. Juni, ebenfalls um 17 Uhr, um über die Stellungnahme zu beraten.

Auch interessant

Kommentare