Gestern MZ-Praktikant, heute Tagesspiegel-Chefredakteur

Lorenz Maroldt lebt heute in Berlin und und arbeitet als Chefredakteur beim Tagesspiegel.

MEINERZHAGEN - Lorenz Maroldt wurde 1962 in Köln geboren, im Sommer des Jahres 1988 „verschlug“ es ihn in die Volmestadt nach Meinerzhagen.

Maroldt wohnte damals in dem Gebäude in Breddershaus, in dem auch die legendäre Musikkneipe „Jottwedee“ untergebracht war. Er spielte in einer Band und genoss acht Wochen „Landleben“. Heute lebt Lorenz Maroldt in der Hauptstadt Berlin – und was ihn 1988 in Meinerzhagen „infizierte“, ist inzwischen zu seinem Beruf geworden. Maroldt absolvierte damals ein Praktikum in der Redaktion der Meinerzhagener Zeitung – seit sieben Jahren ist er nun Chefredakteur der Berliner Tageszeitung „Der Tagesspiegel“.

An der Berliner FU, wo Lorenz Maroldt Politikwissenschaften studierte, kam sein Professor 1988 auf die Idee: „Es wäre gut, irgendetwas mit Zeitungen zu machen.“ Der 26-Jährige reagierte – und kam als Praktikant nach Meinerzhagen. „Damals schlug ein Sparkassen-Skandal hohe Wellen. Ich habe im Fernsehen davon erfahren, mich erkundigt und dann Lokalchef Horst vom Hofe von der MZ angeschrieben und um ein Praktikum gebeten. Und dann war ich da...“, schmunzelt einer der wichtigsten Männer der Berliner Medienszene rückblickend.

Bereut hat er die „Stippvisite“ in der Volmestadt nie. „Mir wurde als Neuling sofort gut geholfen, niemand hat mich spüren lassen, dass ich nur der Praktikant war.“ Und auch einige Geschichten, die er gemeinsam mit den Redakteuren Göran Isleib und dem inzwischen verstorbenen Friedhelm „Fitti“ Thamer recherchierte und schrieb, sind ihm noch gut im Gedächtnis: „Wir haben riesige Pilze fotografiert und einen Kneipentest durchgeführt.“ In einem ist sich der Chefredakteur des „Tagesspiegel“ aber ganz sicher: „Meinerzhagen war meine Initialzündung. Da habe ich gemerkt, dass Zeitung Spaß macht.“ Mit Meinerzhagen verbindet Lorenz Maroldt aber auch noch eine kleine persönliche Katastrophe: „Da habe ich in einer Telefonzelle mein Telefonverzeichnis liegen lassen, mit vielen mir wichtigen Adressen und Telefonnummern. Wenn das jemand gefunden hat – bitte bei mir melden.“

Über die Lokalzeitung kam Maroldt nach dem Praktikum zum Lokaljournalismus. Er recherchierte anschließend auch für das Fernsehen und arbeitete frei für die TAZ, die FAZ und den Kölner Stadtanzeiger. „Nach der Wende bin ich dann losgezogen. Zuerst habe ich für den „Morgen“ und die „Neue Zeit“ gearbeitet – bei beiden Zeitungen in der Lokalredaktion.“ 1994 folgte er dann dem Ruf des „Tagesspiegel“, wo er zuerst in der „Politik“ arbeitete, ehe er zum Ressortleiter Berlin aufstieg. Bereits im Jahr 2001 machte ihn die Verlagsleitung zum stellvertretenden Chefredakteur – und seit 2004 ist er der Vorgesetzte aller „Tagesspiegel“-Redaktionen.

Dass die Tageszeitung auch in Zeiten des Internets eine positive Zukunft hat, davon ist Lorenz Maroldt überzeugt: „Der unabhängige Lokaljournalismus wird immer Konjunktur haben. Je mehr Internet-Blogs es gibt, desto wichtiger wird der Lokaljournalismus. Aber die Chefs müssen darauf achten, dass ihre Leute frei von irgendwelchen Interessen arbeiten können. Kurz und polemisch schreiben kann schließlich jeder, aber analysierend und substanziell nicht. Deshalb ist es auch ein großer Fehler, Redaktionen zu verschlanken. Man muss Durststrecken anders überwinden.“

Den Kontakt nach Köln hat der verheiratete Maroldt – inzwischen Vater der sechsjährigen Emma – nie abreißen lassen. „Ich bemühe mich, wann immer es geht, den FC zu sehen.“ Glück gehabt, denn die Geißbock-Elf fährt in dieser Saison auch zum Aufsteiger Hertha BSC Berlin. Und dann wird ein prominenter Berliner auf der Tribüne des Olympiastadions sitzen und die Daumen drücken.

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