Geschwindigkeiten sind nach wie vor zu hoch

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Michael Stumpe (links) und Claus Croce stellten die Verkehrsunfallbilanz 2011 vor. ▪

MEINERZHAGEN/KIERSPE ▪ Insgesamt weniger Verkehrsunfälle, aber eine deutliche Zunahme bei den Unfällen mit Verletzten und diesmal zwei Verkehrstoten – das sind Kernaussagen aus der am Montag vorgestellten Verkehrsunfallbilanz für den Bereich der Städte Meinerzhagen und Kierspe für das vergangene Jahr 2011. Weil zu den Hauptunfallursachen weiterhin überhöhte Geschwindigkeit als „Killer Nummer eins“ zählt, wird die eingeleitete Offensive im Kampf gegen Temposünder durch intensive Überwachungsmaßnahmen auch in diesem Jahr fortgesetzt.

„Dabei wird der Bereich der Polizeiwache Meinerzhagen neben Lüdenscheid ganz besonders im Fokus stehen“, kündigte am Montag bei der Präsentation der Zahlen und Fakten Hauptkommissar Claus Croce, Leiter des Verkehrsdienstes bei der Direktion Verkehr, an. Neben der Zunahme von Unfällen mit Personenschäden wird dies auch mit den Ergebnissen aus den aktuellen Überwachungsmaßnahmen auf heimischen Straßen begründet. Stellvertretend für den hier überdurchschnittlich hohen Anteil an Temposündern informierte Croce über das Ergebnis einer Kontrolle im Bereich der Aggerkurven vom vergangenen Samstag: Von 63 gemessenen Fahrzeugen waren im Bereich einer Tempo-40-Regelung 44 zu schnell, wobei es elf Anzeigen gab. Die höchste gemessene Geschwindigkeit lag bei 84 Stundenkilometern.

Die Aggerkurven im Verlauf der Landstraße 323 waren auch im vergangenen Jahr ein Brennpunkt des Verkehrsunfallgeschehens mit gleich zwei getöteten Kradfahrern.

Michael Stumpe, Chef der Polizeiwache Meinerzhagen, nannte neben den Aggerkurven mit der Landstraße 539 und der Bundesstraße 54 zwei weitere Bereiche mit besonderer Unfallhäufigkeit. „Wir werden auch hier regelmäßig und noch intensiver kontrollieren“, kündigte er an. Dass verstärkter Kontrolldruck Wirkung zeige, habe man für die L 539 zwischen Meinerzhagen und Mühlhofe bereits feststellen können. „Schon im dritten Jahr in Folge war auf diesem unfallträchtigen Abschnitt kein Unfalltoter mehr zu beklagen“, so der Hauptkommissar.

Claus Croce nannte weitere Fakten dafür, warum intensive Geschwindigkeitsüberwachung auch im Interesse der Verkehrsteilnehmer selbst sinnvoll und wichtig ist: „Eine Reduzierung der Durchschnittsgeschwindigkeit um 2 km/h führt auf Stadtstraßen zu einem Rückgang der Personenschäden um 15 Prozent. Bei Tempo 50 haben acht von zehn erfassten Passanten eine Überlebenschance, bei Unfällen mit Tempo 65 sterben acht von zehn erfassten Personen!“ Auch Landesinnenminister Ralf Jäger hatte bei der gestrigen Vorstellung der Verkehrsunfallbilanz in Düsseldorf auf den Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit und Unfallfolgen aufmerksam gemacht: „Allein wegen überhöhter Geschwindigkeit starben 235 Menschen. Das sind 37 Prozent und damit mehr als jeder Dritte, der auf Straßen im Land NRW verunglückte.“ Deshalb gehe die NRW-Polizei seit November 2011 mit der Verkehrsstrategie „Brems Dich – rette Leben!“ verstärkt gegen Raser vor. Der „24-Stunden-Blitz-Marathon“ war kürzlich eine Aktion im Rahmen der Kampagne. Der Innenminister ist sicher: „Die Kombination von präventivem und repressivem Vorgehen ist der richtige Weg.“

Und so sehen die Zahlen für den Bereich Meinerzhagen/Kierspe für 2011 aus: Gesamtzahl der Verkehrsunfälle 1134. Das ist gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang um 8,92 Prozent. Die Zahl der Unfälle mit verletzten Personen nahm jedoch deutlich von 85 auf 113 zu, ebenso die Zahl der Unfälle mit schwerem Sachschaden von 42 auf 48 oder 14,29 Prozent. Die Zahl der im Straßenverkehr verunglückten Kinder stieg von 9 auf 13. Bei Unfällen, an denen junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 24 Jahren beteiligt waren, erhöhte sich um 34,6 Prozent auf 35. Es gab 233 Verkehrsunfallfluchten, 22 weniger als im vergangenen Jahr.

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