Geschichtswerkstatt lockt 80 Besucher an

So sah die untere Hauptstraße einst aus. Dieses Foto stammt vermutlich aus den 80er Jahren.

MEINERZHAGEN ▪ Noch bis Ende der 60er Jahre hatte die Bebauung in der Meinerzhagener Innenstadt nicht viel mit dem Stadtbild gemein, das sich heute zeigt.

Wie sehr sich das Gesicht Meinerzhagens über die Jahrzehnte veränderte, das machte Christian Voswinkel, Vorsitzender des Heimatvereins, am Donnerstagabend zum Auftakt der Reihe „Geschichtswerkstatt“ in diesem Jahr deutlich. Mit dem enormen Besucheransturm hatte aber niemand gerechnet: Mehr als 80 Interessierte saßen dicht gedrängt in der Pension Kniese in Hahnenbecke, einige traten sogar den Heimweg an, als sie den großen Andrang sahen.

Beginnend mit der Bebauung auf dem Gelände des heutigen Hit-Marktes bis zur Kreuzung am ehemaligen „Dränke-” und heutigen Stadtwerkegebäude, beschäftigte sich der erste Teil des Vortrags. Hier konnte man von der Bahnhofstraße geradeaus in die Hauptstraße durchfahren. Die gravierenden Veränderungen im unteren Teil der Hauptstraße, heute „Zur alten Post“ genannt, bis hinauf zur Einmündung der Kirchstraße wurden im zweiten Teil vorgestellt. Die Entwicklung der übrigen Innenstadtbereiche wird im Rahmen weiterer Vortragsabende vorgestellt. Zunächst erinnerte Voswinkel an drei verheerende Großbrände, die Meinerzhagen verwüsteten. Der erste führte 1797 dazu, dass zwei Drittel der Häuser nicht mehr bewohnbar waren. Zwei weitere Großbrände in den Jahren 1894 und 1913 zerstörten erneut große Teile der Bebauung. Letzterer hätte wohl noch größere Schäden verursacht, wenn nicht gerade zu dieser Zeit viele Haushalte erstmals an ein Wasserleitungsnetz angeschlossen worden wären, das aus der Volme gespeist wurde. So konnten die Brände schneller gelöscht werden. Neben „höherer Gewalt“, die alte Gemäuer vernichtete, war es vor allem die große Stadtsanierung mit dem Bau des Volme-Centers, der Stadthalle und der Errichtung des heutigen Gassmann-Gebäudes, die das Bild der Innenstadt veränderte. Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre wurden die Pläne umgesetzt. Zu dieser Zeit wurde auch das stattliche Gebäude des Westfälischen Hofs abgerissen, das bereits vor dem ersten Weltkrieg auf dem Gelände des heutigen Volksbank-Komplexes erbaut wurde. Aufgeregtes Getuschel und erstaunte Ausrufe begleiteten vielfach die Präsentation der historischen Fotos, die etwa das alte Pastorat neben dem früheren „Kaisers-Kaffee-Geschäft“ zeigten. Beide Gebäude standen einst dort, wo heute das Geschäft Gassmann ist. Vor Errichtung des Globus und späteren Hit-Marktes, befand sich auf dem Gelände am Ortseingang bis 1977 die Gesenkschmiede „Classen & Schröder“. Gleich nebenan war ein großer Sportplatz, der bei klirrender Kälte im Winter auch mal geflutet wurde, um darauf Schlittschuh laufen zu können. „Ich möchte mit diesem Vortrag gerne Erinnerungen wecken, denn auch das ist Aufgabe des Heimatvereins“, hatte Voswinkel zu Beginn des Abends angekündigt. Die gebannte Aufmerksamkeit der Zuhörer und ihre Anmerkungen zeigten, dass die visuelle Zeitreise alle faszinierte.

Die Fotos aus einer Zeit, in der es noch keine Fußgängerzone gab und viele Geschäftsgebäude und Gastronomiebetriebe einen eher pittoresken Charme versprühten, weckten großes Interesse. Abschließend gab der Referent den Besuchern noch ein Anliegen mit auf den Weg. „Ich möchte Sie ein wenig dafür sensibilisieren, wie wichtig es ist, sich bei städtebaulichen Planungen frühzeitig einzumischen und nicht erst vollendete Tatsachen abzuwarten.“ so Voswinkel. Der Erhalt alter Bausubstanz erfordere allerdings auch die Bereitschaft, Zeit und Geld für die Instandhaltung zu investieren. Der nächste Vortrag zur Stadtentwicklung wird voraussichtlich im September oder Oktober stattfinden. Der Termin wird in der MZ bekanntgegeben. ▪ ps

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