Die Geschichte einer „Hexe“

Ortsvorsteher Fred Oehm deutet auf die Anhöhe, wo der Hexentanzplatz gelegen haben soll.

VALBERT ▪ In vielen alten Städten oder Ortschaften gibt es Hexentanzplätze oder Waldungen, wo einst eine solche Stätte gewesen sein soll.

Fred Oehm erläutert dazu: „Am 24. Januar des Jahres 1668 wurde Gertrud Müller aus Spädinghausen bei Valbert durch das Femegericht Valbert zum Tode verurteilt und in der bitterkalten Nacht noch hingerichtet. Ihr wurde ,Buhlen mit dem Teufel' vorgeworfen, was letztlich den Ausschlag gab, sie am Galgen zwischen Vorderhagen und Spädinghausen zu erhängen.

Gertrud Müller war durch eine Erbschaft finanziell unabhängig geworden, konnte lesen und schreiben und besaß zwei Bücher. Das eine war die Bibel, das andere ein Buch über die Kräuterheilkunde. Sie war eine Kräuterheilerin und wollte sich an keinen Mann binden.

Zum Verhängnis wurde ihr, dass anonyme Ankläger gesehen haben wollen, wie sie laut stöhnend mit dem Teufel auf dem Hexentanzplatz oberhalb der Knochenmühle Mühlhofe Unzucht trieb. Zu jener Zeit konnte vor dem Femegericht der Anzeigende namenlos bleiben. Rechtsauffassung war, dass der Ankläger im Jenseits ins Fegefeuer kommt, wenn er einen Menschen falsch beschuldigt hatte. Der Aufenthaltsort dort konnte je nach Verfehlung im irdischen Leben viele Jahre bei unbeschreiblichen Qualen dauern. Das uralte Bibelbuch – in keiner modernen Bibel mehr zu finden – ,Der Gesang der Männer im Feuerofen' schildert die Qualen, zeigt aber auch auf, wie sie durch Gesang verkürzt werden können.

Neues Faltblatt

Gertrud Müller war nach heutiger Auffassung keine ,Hexe'. Sie war fromm und vermachte nach ihrem Tode ihr Haus in Spädinghausen (bis auf wenige Reste abgebrochen) der armen Tagelöhnerfamilie Grüber.

Die IG Knochenmühle hat ein neues Faltblatt in Auftrag gegeben. Darin sind alle Sehenswürdigkeiten in der Nähe der Knochenmühle aufgeführt, die auch erwandert werden können. Um den Platz ,wandersicher' zu machen, wurde von der Firma Ehm, Valbert, ein Hinweisschild gefertigt. Es steht am Rande des Hexentanzplatzes, etwa 400 Meter oberhalb der Knochenmühle. Wie viele Hexen dort getanzt haben, ist unbekannt. Gertrud war die letzte, über deren Schicksal es Aufzeichnungen gibt. In Deutschland sollen mehr als 50 000 Menschen als Hexen oder Zauberer ihre Strafe bekommen haben – diejenigen katholischen Glaubens durch Verbrennen auf dem Scheiterhaufen, die evangelischen Glaubens durch Tod am Galgen, in Ausnahmefällen aber auch durch Verbrennen. Für alles Schlimme wie Seuchen, Krankheiten, Dürre und mehr wurden Hexen und Zauberer verantwortlich gemacht wie später die Juden in der NS-Schreckensherrschaft, die in Konzentrationslagern hingerichtet wurden.“

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