Osterfeuer-Plakate sind kleine Kunstwerke

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Seit über 30 Jahren malt Gerlinde Mandel Plakate, die das Eseloher Osterfeuer ankündigen, jedes Bild ist ein humorvolles Unikat.

Meinerzhagen - Allerorten lodern am Samstag und Sonntag wieder die Osterfeuer. Tradition und Brauchtum spielen eine Rolle, wenn mit den Flammen der Winter verabschiedet und der Frühling begrüßt wird.

In Eseloh gibt es aber auch eine weitere Tradition: Plakate kündigen das Feuer an – immer sind sie selbst gemalt und immer erzählen sie eine aktuelle Begebenheit.

Seit mehr als 30 Jahren nimmt Gerlinde Mandel Stifte und Pinsel zur Hand und malt die Plakate fürs Dorf, die zum Osterfeuer einladen. Und jedes Jahr sind sie ein Hingucker und nehmen humorvoll Bezug auf ein besonderes Geschehnis.

Die ersten Plakate in den 80er-Jahren waren noch plakativ, im Laufe der Jahre wurden die Bilder, auf denen immer das Osterfeuer und meistens auch der Osterhase zu sehen sind, detaillierter. „Dieses Jahr gibt es nur Kitscheier“ wurde zum Beispiel 1991 angekündigt – in Anlehnung an die schlechten Straßen. Zwei Jahre später war das Problem teilweise gelöst, „Achtung, Ende der neuen Teerdecke Mitte des Dorfes“ stand daher auch auf dem Osterfeuerplakat zu lesen. Die olympischen Winterspiele spielten 1994 eine Rolle, eine Osterhäsin drehte als Eisläuferin ihre Runden auf dem Dorfteich. Fußballeier lieferte der Osterhase laut Plakat 1996 und an einen Aprilscherz der Eseloher Frauen, die sich zum Wäschewaschen am Teich trafen, erinnert ebenfalls ein Motiv. Die Themensuche fällt der Eseloherin nicht schwer, mitunter grübelt auch die Familie nach einer zündenden Idee. „Grinsend fragt dann meist jemand ‘Kannst du das malen?’“ – Fotografieren, Kleider und Kostüme entwerfen und schneidern oder dekorativ gestalten – Kreativität ist für Gerlinde Mandels eine Leidenschaft. Mit Acrylfarben, meistens aber mit Buntstiften, setzt sie auch die Vorstellungen zum Thema Ostern um. Ob der Kanalbau (1999), die Umstellung auf den Euro, das im Jahr 2001 von Anwohnern kontrovers diskutierte Thema Windkraft, die Vogelgrippe (2006) oder die Sonnenfinsternis (2015) – alle Bilder werden zunächst skizziert.

Die meiste Zeit, erzählt Gerlinde Mandel, nimmt aber das Ausmalen in Anspruch – viele kleine Details lassen den Betrachter oft unwillkürlich schmunzeln. Oft finden sich auch Hühner auf den Bildern wieder, „die male ich unheimlich gerne“, erklärt Gerlinde Mandel. Bei Kühen und Pferden dienen Lucky Luke-Comics als Vorlagen. Die sind zum Beispiel beim Wildwest-Motiv zu finden. „Entstanden ist es, nachdem die Rinder des Nachbarn ausgebüchst waren und er mit seinem grünen Moped auf die Suche gegangen ist.“

Auffallend: Die Osterhasen auf Gerlinde Mandels Bildern gucken stets fröhlich, „ernste Gesichter kann ich eigentlich gar nicht malen“, meint sie. Nur für das aktuelle Plakat musste es ein grimmiger Blick sein: „Osterhase“ Donald Trump ordnet „Make Osterfeuer great again“ an– ein Hingucker, auf den sich die Eseloher wieder freuen können, bevor sie sich am Samstagabend am Feuer treffen.

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