Meinerzhagener nach Schlägerei verurteilt

Vor dem Jugendschöffengericht wurde heute ein 21-jähriger Meinerzhagener verurteilt.

MEINERZHAGEN ▪ In einem waren sich alle einig: In die Schlägerei waren zu viele Menschen verwickelt, als dass sich rund neun Monate später die Beteiligten noch genau an die Vorgänge erinnern konnten.

Was war passiert? Genau diese Frage war nicht so leicht zu beantworten, wie Richter Wolfram Arnold es sich bei der Verhandlung am Mittwoch vor dem Jugendschöffengericht in Lüdenscheid vielleicht erhofft hatte. Dem Angeklagten, einem 21-jährigen Meinerzhagener, wird vorgeworfen, am 1. Mai 2012 gegen 5 Uhr gemeinsam mit mehreren Mittätern in Kierspe eine Schlägerei angezettelt zu haben. Der 21-Jährige erklärte, er sei mit einem Freund in Kierspe in dessen Auto unterwegs gewesen. Als eine Gruppe junger Leute auf die Straße lief und die Weiterfahrt unmöglich gemacht habe, habe sein Freund gehupt. Daraufhin sei es zu wütenden Rufen der Passanten gekommen – und zu einem Bierflaschenwurf gegen das Auto. „Wir sind ausgestiegen – und dann haben uns die anderen angegriffen. Ich habe nur geschubst.“ Richter Arnold hakte nach: „Haben Sie auch Faustschläge ausgeteilt?“ Diese Frage beantwortete der 21-Jährige zögerlich, gab dann eine Teilnahme zu. „Ich habe zurückgeschlagen.“

Die Zeugen, ausnahmslos Mitglieder der Passantengruppe, schilderten das Geschehen anders. „Von hinten kamen zwei Autos angeflitzt. Die haben uns fast umgefahren“, erklärte eine der Zeuginnen, eine 23-jährige Bankkauffrau aus Köln. Nach einem Wortwechsel seien Männer aus den beiden Autos gestiegen. „Dann ging es los.“ Zwei der Begleiter der jungen Frau gingen bewusstlos zu Boden. Später mussten sie mit Prellungen und Platzwunden ärztlich versorgt worden. Die 23-Jährige erklärte, dass sie beobachtet habe, wie einer der Angreifer einen Baseballschläger aus seinem Auto geholt habe.

Der Angeklagte hatte in seiner Aussage weder ein zweites Auto mit mehreren Insassen noch den Baseballschläger erwähnt. Auf Nachfrage erklärte er, es habe keinen Baseballschläger und kein zweites Auto gegeben. Der Staatsanwalt sah nach der Beweisaufnahme den Vorwurf als erwiesen an. „Der Angeklagte war dabei – wenn auch nur als Mitläufer.“ Er forderte eine Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro. Der Anwalt des Angeklagten forderte einen Freispruch. Richter Arnold sah, wie der Staatsanwalt, die Vorwürfe als haltbar an und verurteilte den 21-Jährigen schließlich zu einer Geldstrafe von 600 Euro. ▪ mf

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