Strafe nach schwerem Unfall auf der Autobahn

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Ein 62-jähriger Lüdenscheider wurde am Dienstag wegen eines Unfalls auf der A 45 bei Meinerzhagen verurteilt.

Meinerzhagen - Dass die Unfallopfer am Dienstag überhaupt vor Gericht aussagen konnten, ist sicher nur dem Zufall und der stabilen Bauweise eines BMW zu verdanken. Der Unfallverursacher wurde nun zu einer Geldstrafe und einem kurzen Fahrverbot verurteilt.

Zwei Lkw und ein nachfolgender Transporter wollten am 20. November 2014 in Meinerzhagen auf die Autobahn auffahren. Dem zweiten Lastwagenfahrer war der vorausfahrende Lkw zu langsam. Er fuhr gleich am Anfang der Beschleunigungsspur auf die mittlere Spur, um das langsame Fahrzeug zu überholen. „Allerdings erst, nachdem ich mich überzeugt hatte, dass die Fahrspur komplett frei war“, wie er als Zeuge vor Gericht betonte. Der Angeklagte, ein 62-jähriger Lüdenscheider, ließ diese Sorgfalt vermissen. Denn nach den übereinstimmenden Zeugenaussagen zog er gleich am Anfang der Beschleunigungsspur über alle Fahrbahnen hinweg auf die linke Spur. Dabei scherte er unmittelbar vor einem BMW ein, der – so ergab es die Unfallaufnahme und so schilderten es auch die Zeugen – mit rund 130 Kilometern pro Stunde unterwegs war. Dem Fahrer blieb kaum noch Zeit zur Reaktion, trotz Vollbremsung prallte er auf den Transporter auf, anschließend kollidierten beide Fahrzeuge mit dem Lastwagen auf der mittleren Spur. Zum Stehen kamen alle beteiligten Fahrzeuge auf dem Seitenstreifen unmittelbar am Ende der Beschleunigungsspur.

Dieser Standort und auch die Fahrzeugteile, die sich auf der Bahn verteilt hatten und die parallel zur Beschleunigungsspur lagen, waren ein weiteres Indiz dafür, dass die Aussage des Angeklagten nicht stimmen konnte. Dieser schilderte, dass er auf die mittlere Spur gefahren, dann ein rechts fahrender Lkw plötzlich ausgeschert sei und er auf die freie linke Spur hätte fahren müssen. Zu dem Unfall sei es erst gekommen, als er den Lastwagen auf der mittleren Spur fast überholt habe – weit hinter der Beschleunigungsspur.

Die Zeugen – drei saßen in dem BMW, ein weiterer in einem nachfolgenden Wagen – konnten sich an das Unfallgeschehen zur Freude des Richters sehr gut erinnern und ließen aus der Sicht des Vorsitzenden auch keinen Zweifel an dem Hergang. Da nützte es auch nichts mehr, dass der Verteidiger in seinem Plädoyer meinte einwenden zu müssen, dass das Unfallgeschehen „letztlich nicht geklärt“ sei.

Mit 60 Tagessätzen zu je 40 Euro kam der 62-Jährige vergleichsweise günstig davon. Zusätzlich muss er einen Monat auf seinen Führerschein verzichten. Mehr wollte der Richter dem ansonsten Unbescholtenen nicht zumuten.

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