Diebstahlserie im Langemann-Haus verhandelt

Vor dem Amtsgericht Lüdenscheid wurde jetzt wegen der Diebstähle im Langemann-Haus verhandelt. - Foto: dpa/Wittek

Meinerzhagen - Von einer Diebstahlserie wurde die Senioreneinrichtung Wilhelm-Langemann-Haus im Frühling und Sommer 2012 heimgesucht. Erst jetzt wurde im Amtsgericht Lüdenscheid das letzte Kapitel der strafrechtlichen Aufarbeitung dieser Diebstähle geschrieben.

Von Thomas Krumm

Die Diebstähle begannen Mitte Mai 2012, als Goldschmuck aus mehreren Zimmern verschwand. Im Juni und Juli wurden weiterhin Schmuckgegenstände, vor allem aber Geldbeträge bis zu 100 Euro, gestohlen. Entwendet wurde schließlich auch die Geldbörse der Pflegedienstleiterin.

Der Haupttäter musste sich im August 2013 vor einem erweiterten Schöffengericht in Lüdenscheid verantworten. Der weitgehend geständige Dieb wurde wegen elf schwerer Diebstähle und darüber hinaus wegen einer räuberischen Erpressung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt.

Weil der Mann seine schwere Drogensucht mit der Beute aus den Diebstählen finanziert hatte, wurde ihm ein Aufenthalt in einer Entziehungsanstalt auferlegt. Im Strafverfahren nannte der Verurteilte den Namen eines 33-Jährigen aus Kierspe, der ihn bei einigen der diebischen Raubzüge begleitet und vor dem Seniorenheim Schmiere gestanden haben sollte.

Weil dieser Mann postalisch lange Zeit nicht erreicht werden konnte, verzögerte sich das Verfahren erheblich. Vor dem Schöffengericht bestritt der Angeklagte die Vorwürfe rundweg: „Ich weiß davon nichts.“ Er sei noch nie in dem Altenheim gewesen, beteuerte er.

Als Zeugin berichtete Pflegedienstleiterin Ingrid Papst von den näheren Umständen der Diebstähle: „Es geschah in den Mittagsstunden, wenn die Bewohner ihre Zimmer verlassen hatten.“ Von den Diebstählen waren also vor allem jene betroffen, die noch mobil genug waren, um selbständig zum Essen zu gehen.

Goldschmuck war vor allem bei jenen Bewohnern zu finden, die „Wert auf ihr Äußeres legen“. Bei einer Gelegenheit hatte die Zeugin vor dem Pflegeheim „einen jungen Mann, der sich sehr auffällig benahm“, getroffen.

Mit dem Gesicht des Angeklagten verband sie im Gerichtssaal aber keinerlei Erinnerung an den Sommer 2012. So hätte sich das Schöffengericht nur auf den verurteilten Haupttäter stützen können.

Dieser hatte jedoch noch gar nicht geladen werden können. Der Vorsitzende Richter Thomas Kabus benannte das Problem, wenn das Verfahren fortgeführt worden wäre: Das Schöffengericht hätte sich entscheiden müssen, ob es dem Angeklagten oder dem verurteilten Hauptbelastungszeugen hätte glauben wollen.

Und selbst wenn die Richter dem Zeugen geglaubt hätten, hätten doch weitere Indizien gefehlt, um den Angeklagten zweifelsfrei zu überführen. Leichter gemacht wurde dem Gericht die Entscheidung dadurch, dass der 33-Jährige derzeit eine Ersatzfreiheitsstrafe von 100 Tagen verbüßt, weil er eine Geldstrafe von 1000 Euro nicht hatte zahlen können. Mit Blick auf diese Haftstrafe stellte das Schöffengericht das Verfahren wegen der Diebstähle vorläufig ein.

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