Gewerbsmäßiger Betrug: Bewährungsstrafe

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Das Schöffengericht im Amtsgericht Lüdenscheid verhängte eine Bewährungsstrafe gegen die Meinerzhagenerin.

Meinerzhagen - Der Freund war weg, die Schulden – wohl auch seine – waren geblieben: In dieser Notlage wandte sich eine junge Meinerzhagenerin an den Vater ihres Verflossenen, bat ihn um finanzielle Hilfe und fand ein offenes Ohr: Insgesamt 21 580 Euro lieh ihr der Ex-„Schwiegervater“ in 31 Teilbeträgen zwischen November 2012 und Januar 2014. Deren Höhe lag zwischen 110 und 3000 Euro.

Um ihren Kreditgeber hinsichtlich der Rückzahlung in Sicherheit zu wiegen, verwies die junge Frau auf einen angeblich vorhandenen Bausparvertrag, der von ihrer Familie auf ihren Namen abgeschlossen worden sei. Dieser werde an ihrem 30. Geburtstag fällig, trug sie vor. Doch ein solcher Vertrag existierte nicht.

So fand sich die 31-Jährige am Dienstag vor einem Schöffengericht im Amtsgericht Lüdenscheid wieder. „Gewerbsmäßiger Betrug in 31 Fällen“ lautete der schwerwiegende Vorwurf. „Bereichern wollte ich mich nicht“, versicherte die Angeklagte, die ein umfassendes Geständnis ablegte und die damalige Situation zu erklären suchte. Sie berichtete von den Schulden aus der Zeit der beendeten Beziehung, für die sie habe einstehen müssen. Ihr Ex-Freund habe sie zudem bedroht: „Er werde mich und mein Kind fertigmachen.“ So kam es zu der Anfrage an seinen Vater: „Ich habe ihn öfters nach Geld gefragt, um Schulden bezahlen zu können.“ Als sich die Hoffnung auf eine Rückzahlung des Geldes zerschlug, folgte die Strafanzeige.

Seitdem hatten sich die Angeklagte und ihr neuer Lebensgefährte mit dem Geschädigten auf eine monatliche Rückzahlung der Schulden geeinigt. In gut vier Jahren soll die Schuld in monatlichen Raten von 400 Euro abgetragen werden. Diese Einigung schaffte allerdings den einstigen Betrug noch nicht aus der Welt. Staatsanwältin Ina Pavel beantragte eine Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Strafverteidiger Gerrit Wolf aus Kierspe hielt dagegen: „Der Angeklagten stand das Wasser bis zum Hals. Wer so verzweifelt ist, der klammert sich an jeden Strohhalm.“ Das Schöffengericht folgte dem Antrag des Verteidigers und verurteilte die Angeklagte schließlich wegen gewerbsmäßigen Betruges zu einer 18-monatigen Bewährungsstrafe. Die von der Staatsanwältin beantragten 200 Stunden Sozialdienst gab es als Bewährungsauflage. „Wenn der Geschädigte nicht getäuscht worden wäre, hätte er das Geld nicht verliehen“, stellte Richter Thomas Kabus fest.

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