Breite Mehrheit für Fassadenprogramm

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Was auf den ersten Blick ansehnlich erscheint, weist beim genaueren Hinsehen Mängel auf: Viele Fassaden in der Innenstadt können eine Sanierung oder Renovierung vertragen.

Meinerzhagen - Jetzt fehlt nur noch das Votum des Rates am 8. Juni: Mit großer Mehrheit sprach sich der Ausschuss für Planung, Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt am Donnerstagabend im Gesellschaftsraum der Stadtwerke für die Umsetzung des Fassadenprogramms in der Innenstadt aus. Stößt die Förderung heimischer Immobilienbesitzer zwar generell auf Zustimmung, gab es hinsichtlich des Zeitplans Redebedarf.

Für Überraschung – zumindest im CDU-Lager – sorgte der SPD-Fraktionsvorsitzende Gerd Wirth mit seiner Ankündigung, dem Programm derzeit nicht zustimmen zu können. Seine Kritik: „Ich habe Zweifel, dass das zum jetzigen Zeitpunkt der richtige Schritt ist.“ Ehe die Stadt ihren anvisierten Anteil von maximal 80 000 Euro an Fördermitteln zur Verfügung stellt (Gesamtfördervolumen: 200 000 Euro), sollten seiner Meinung nach das Stadthallenumfeld, der Park sowie der Bahnhof Priorität genießen. „Deshalb sollten wir Schritt für Schritt vorgehen. Wir wissen ja auch noch gar nicht, was etwa an der Stadthalle noch alles auf uns zukommt.“ Zudem äußerte Wirth Zweifel an den Auswirkungen des Fassadenprogramms. „Das ist eine feine Sache, von der man aber nachher stark enttäuscht ist.“ Ebenso wie später Andreas Friebe (Piraten) kritisierte Gerd Wirth außerdem manch einen Hinweis des Planungsbüros ASS, das in Einzelfällen recht konkret etwa den Rückbau von Balkonen oder von gewerblich genutzten Anbauten vorschlägt.

Durchaus überrascht von der Skepsis seines Ratskollegen zeigte sich Volkmar Rüsche (CDU). Er erinnerte an die lange Vorbereitung auf das Fassadenprogramm und die Arbeit, die mittlerweile in die Vorbereitungen geflossen sei. Seitdem das Stadtplanungsbüro ASS das Konzept vor zwei Jahren erstmals vorgestellt hat, seien von Seiten der SPD nie Bedenken geäußert worden, so Rüsche. „Wir können doch nicht verlangen, dass die Bürger alles mittragen und sich beteiligen, wenn es um die Attraktivitätssteigerung der Innenstadt geht, aber dann keine gewisse Hilfe leisten“, so Volkmar Rüsche.

Gruß-Rinck betont Bürger-Engagement

Auf den Vorschlag Gerd Wirths, das Fassadenprogramm zeitlich zu verschieben, wies Jutta Gruß-Rinck vom Büro ASS am Donnerstag auf das große Engagement der Bürger hin. „Deren Mitwirkung in den Workshops war wirklich gut. Und wir wurden gefragt, wann dieses Programm denn nun eigentlich kommt.“ Ganz praktische Gründe für eine jetzige Realisierung brachte hingegen Fachbereichsleiter Friedrich Rothaar vor: Er erinnerte daran, dass das Land die Mittel bereits im vergangenen Jahr bewilligt habe und diese bis spätestens Ende 2018 zu verwenden seien.

Wohl nicht repräsentativ, aber doch beispielhaft für die Sehnsucht mancher Anwohner in der Innenstadt nach der Förderung war der Dank einer Bürgerin in der anschließenden Stunde der Öffentlichkeit, die nach eigener Aussage bereits Kostenvoranschläge eingeholt hat und nur noch auf den Startschuss wartet. Einen dennoch sensiblen Umgang mit manch einem Immobilienbesitzer hatten zuvor Volkmar Rüsche und Karl Hardenacke (Grüne) gefordert. In den Fokus geriet dabei vor allem jene Anlage zur Verwaltungsvorlage, in der ganz konkrete Vorschläge gemacht werden. Diese seien aber nur als beispielhaft zu sehen, hieß es am Donnerstag. - Von Frank Zacharias

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