Gelungene Integration  von Deutschen aus Russland in Meinerzagen

Integrationsminister Armin Laschet zu Besuch im Gemeindehaus an der Beethovenstraße in Meinerzhagen.

MEINERZHAGEN ▪ Der Eiserne Vorhang wurde durchlässig. Ab 1989 kamen immer Deutschstämmige aus der ehemaligen Sowjetunion in die Bundesrepubulik. 1500 dieser Menschen fanden eine neue Heimat in Meinerzhagen.

Integration als Ressort im Ministeriumsrang, das gibt es im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW erst seit 2005. „Integration selbst ist für dieses Land aber von der ersten Stunde an ein Thema gewesen“, brachte am Donnerstag beim Besuch in Meinerzhagen der zuständige Landesminister für Generationen, Familie, Frauen und Integration, Armin Laschet (CDU) in Erinnerung. Zu Gast war er am Nachmittag im Gemeindehaus der Freien Evangeliums-Christen Gemeinde (FECG) an der Beethovenstraße. Eingeladen worden war er dazu vom heimische Landtagsabgeordneten Bernd Schulte. Er hatte erst kürzlich die Gemeinde in Meinerzhagen kennen gelernt war „sehr beeindruckt von der Örtlichkeit und dem, was hier beispielhaft gelebt und geleistet wird“, wie er hervorhob. Dass sich im großen Saal nur eine relativ kleine Gruppe versammelt hatte, lag am ungewöhnlichem, dem in Wahlkampfzeiten besonders engen Terminkalender des Ministers. Von Wipperfürth kommend, wo der überzeugte Katholik, ehemalige Europaparlamentarier und im Kabinett Rüttgers zum „liberalen Aushängeschild der CDU“ (so die TAZ in einem lobenden Artikel über Laschet) aufgestiegene gebürtige Aachener einen katholischen Kindergarten besucht hatte, traf er kurz vor 17 Uhr in der Volmestadt ein.

Viktor Rogalsky vom Gemeindevorstand der FECG, der für die CDU eine Legislaturperiode lang dem Rat angehörte, als sachkundiger Bürger im Ausschuss für Planung, Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt weiter kommunalpolitisch engagiert ist, übernahm die Vorstellung der Gemeinde. Zu ihr zählen rund 250 erwachsene Mitglieder. Zu den Gottesdiensten erscheinen regelmäßig über 400 Menschen.

Rogalsky lebt selbst seit 23 Jahren in Deutschland, und er ist einer von rund 1500 in der Volmestadt heimisch gewordenen Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion, geboren in Sibirien, aufgewachsen in Abchasien am Schwarzen Meer. „Man nennt uns auch Aussiedler, aber das ist zu einfach, denn auch unsere Gruppe von Menschen ist so bunt wie die übrige Gesellschaft auch“, erklärte er. Was sie gemeinsam haben, ist das Schicksal, als Deutschstämmige und Christen vor allem zur Stalinzeit in der Sowjetunion permanenter Verfolgung und Unterdrückung ausgesetzt gewesen zu sein. „Wir waren immer Fritz, immer Hitler, immer Faschisten“, zeigte er auf. Und doch sei es auch „unsere Heimat“ gewesen.

Als der Weg ins Land der Väter durch Perestroika und Glasnost unter Gorbatschow möglich wurde, „haben wir diese Chance genutzt“, so Rogalsky. Mitgebracht habe man aber auch das durch das bisherige Leben in einer Diktatur gewachsene „Misstrauen gegenüber dem Staat und seinen Beamten.“ Es sei ein lehrreicher und sehr positiver Prozess gewesen. „Wir haben in Meinerzhagen Wohnungen bekommen, konnten eigene Häuser und Gemeindehäuser bauen, haben Arbeit gefunden“, schilderte er. Und es habe immer wieder auch ganz einfache Menschen gegeben, „die uns mit offenen Armen und mit tatkräftiger Hilfe beim Start in fremder Umgebung geholfen haben.“ Stellvertretend nannte Rogalsky hier das Ehepaar Hornbruch aus der Ortslage Bracht, deren großes Haus eine der ersten Anlaufstellen für viele der sogenannten Russlanddeutschen wurde.

„Die Integration hat funktioniert, und wir haben allen Grund, der Stadt, den hiesigen Menschen Danke zu sagen, dass sie das möglich gemacht haben. Jetzt sind wir soweit, dass wir der Gesellschaft etwas zurück geben können und wollen“, sagte Rogalsky und führte als Beispiele für örtliche, aber auch internationale Hilfe von Meinerzhagen aus das hier ansässige Missionswerk Friedensstimme und das Hilfswerk Volmetal.

„Die Integration der Deutschen aus Russland in unserem Land ist eine ganz besondere Erfolgsgeschichte“, konstatierte der Minister. Allein nach NRW seien beginnend 1989 rund 700 000 dieser sogenannten Spätaussiedler gekommen. Laschet erinnerte, dass auch dies – wie die Eingliederung der 12 Millionen Flüchtlinge und Vertriebenen nach dem 2. Weltkrieg – ein zunächst nicht einfacher, auch nicht immer vorurteilsfrei abgelaufener Prozess gewesen sei. Mittlerweile müsse jedoch anerkannt werden, „dass diese Zuwanderung eine Bereicherung für unsere Gesellschaft in jeder Hinsicht geworden ist.“ Und Laschet rief in Erinnerung, dass es der damalige Kanzler Helmut Kohl war, der gegen viele Widerstände entschieden habe: „Das Tor für unsere Landsleute aus der ehemaligen Sowjetunion bleibt offen!“ Laschet als praktizierender Christ betonte im Übrigen, dass von Gemeinden wie dieser in Meinerzhagen die heutige deutsche Gesellschaft durchaus etwas lernen könne. Wieder mehr Besinnung auf christliche Werte sei überaus wünschenswert.

Horst vom Hofe

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