Möbel nach Ebay-Verkauf nicht geliefert - Meinerzhagener wegen Betrugs vor Gericht

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Ein Meinerzhagener stand wegen mehrerer Betrugsfälle in Lüdenscheid vor Gericht.

Meinerzhagen - Möbel bot ein 31-jähriger Meinerzhagener Ende 2016, Anfang 2017 über das Internetauktionshaus Ebay an. Eine 30-jährige Frau aus Ennepe interessierte sich für „diverse Möbel“, schloss mit dem 31-Jährigen einen Kaufvertrag, zahlte 100 Euro an und wurde dann immer wieder vertröstet. Schließlich stellte sie ein Ultimatum: „Möbel oder Geld – sonst gehe ich zur Polizei.“ Mit einem solchen Strafantrag war sie nicht allein: Wegen fünf vergleichbarer Betrugsanzeigen musste sich der Angeklagte im Amtsgericht Lüdenscheid verantworten.

Immer hatte er Anzahlungen zwischen 50 und 150 Euro für sich behalten und den Käufern die verzögerte Lieferung mit dem Tod seiner Mutter oder einer „Schulung“ begründet. Der Gesamtschaden hielt sich mit einem mittleren dreistelligen Betrag in Grenzen. Die fünf Taten „habe ich auf jeden Fall getan“, gab er etwas zu, was kaum zu leugnen war. Denn immer war bei den „Verkäufen“ auch seine Identität und Adresse im Spiel gewesen. „Dummdreist“ könnte man so etwas nennen.

Anzahlungen für Motorroller kassiert

Das Amtsgericht Meinerzhagen hatte den Mann bereits am 16. Mai 2017 zu einer Haftstrafe von sieben Monaten auf Bewährung verurteilt, weil er im gleichen Tatzeitraum drei Personen Motorroller angeboten und nach gleichem Muster Anzahlungen kassiert hatte, ohne später zu liefern.

Die Staatsanwältin wusste von weiteren Ermittlungsverfahren nach diesem Gerichtsurteil, was kein gutes Licht auf den Angeklagten werfen würde. Diese möglichen neuen Anklagen hatten es allerdings noch nicht bis ins Amtsgericht Lüdenscheid geschafft. Wohl aber eine sechste Anklage: Eine 28-jährige Zeugin aus Düsseldorf schilderte, wie sie den Angeklagten über eine „Flirt-App“ kennengelernt und sich mit ihm verabredet hatte. Familie und Freundinnen riefen sie während des Treffens ständig an, weil sie „großes Misstrauen“ hatten. „Ein Treffen über das Internet – das kann schon mal schief laufen“, begründete die Zeugin das intensive Interesse.

Die Freunde sollten Recht behalten: Nach dem Treffen war ihr nagelneues I-Phone verschwunden, und der Angeklagte meldete sich bei einer der Möbelkäuferinnen unter dieser Nummer. Er habe diese Nummer schon vor dem Treffen mit der Düsseldorferin genutzt, beteuerte der Angeklagte. Zuhause habe er auch entsprechende Belege. „Ich habe ihr Handy nicht weggenommen.“ Da ihm das niemand so recht glaubte, kam zu den fünf Betrugsvorwürfen noch ein Diebstahl.

Ein Jahr und acht Monate Haft

Die Staatsanwältin ging in ihrem Plädoyer von einer Gewerbsmäßigkeit der Betrugstaten aus und beantragte mit Blick auf die vielen Vorstrafen des Angeklagten eine Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Dass der 31-Jährige sich eine regelmäßige Einnahmequelle durch die Betrügereien verschaffen wollte, hielt das Schöffengericht jedoch für zweifelhaft.

Es verurteilte den Meinerzhagener wegen Betruges in acht Fällen und Diebstahls zu einer Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Denn auch die drei bereits abgeurteilten Betrugstaten mussten mit einbezogen werden. Anlass, die Strafe zur Bewährung auszusetzen, sah das Gericht bei einer „solchen Palette an Vorstrafen“ nicht. Außerdem hatte der Angeklagte nicht lange vor der Betrugsserie ein paar Monate wegen vergleichbarer Taten im Gefängnis gesessen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig: Sowohl Verteidiger Friedhelm Wolf als auch die Staatsanwaltschaft hatten Gründe, in Berufung zu gehen.

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