Wahl weckt Emotionen

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Die Stimmen waren ausgezählt, die Zahlen standen fest: Um 21.35 Uhr genoss Jan Nesselrath am Sonntag seinen Sieg.

Meinerzhagen - Die Nervosität war ihm anzusehen. Während der langen Stunden, in denen am Sonntag die Stimmen bei den Europa- und Kommunalwahlen ausgezählt wurden, war Jan Nesselrath meistens auf dem Parkplatz vor dem Rathaus anzutreffen. Hier harrte er der Dinge, die da kommen würden.

Von Jürgen Beil

Schnell hatte sich an diesem Abend abgezeichnet, dass der Bürgermeisterkandidat von CDU und SPD klar das Rennen machen würde, doch die Anspannung legte sich erst um 21.35 Uhr. Da trudelte das Ergebnis des letzten Stimmbezirkes ein – 55,8 Prozent standen für Jan Nesselrath zu Buche. Jubelrufe erklangen, Jan Nesselrath strahlte. Und sofort war er umringt von Gratulanten, allen voran Bürgermeister Erhard Pierlings und Volkmar Rüsche und Thorsten Stracke von der CDU. „Das kommt mir vor wie ein Traum“, rang der neue „erste Mann“ in Meinerzhagen zunächst um Fassung.

Während Nesselrath auf „Wolke sieben“ schwebte, erlebte die Orts-SPD einen Albtraum. Zwar hatten auch die Sozialdemokraten mit Jan Nesselrath ihren Kandidaten „durchgebracht“, die Ratswahl glich jedoch einem Debakel. Fast fünf Prozent verlor die SPD, nur dank des künftig größeren Rates büßte man lediglich einen Sitz ein. Allein Petra Gossen hatte Grund zur Freude. Sie holte in Valbert das einzige Direktmandat für die SPD. „Eine klare Niederlage“, musste auch Vorsitzender Rainer Schmidt zu später Stunde im Awo-Treff eingestehen. „Wir haben nur einen Stimmbezirk geholt. Daran gibt es nichts zu beschönigen“, zog auch Fraktionsvorsitzender Gerd Wirth ein ernüchterndes Fazit. Und er schob nach: „Die Wähler haben eigentlich bis auf das SPD-Ergebnis alles richtig gemacht. Wir werden nun als SPD weiterhin gute, zukunftsweisende Politik machen und hoffen, dass es im neuen Rat nicht schwieriger wird.“

Mit Rudolf Hantschel wird künftig ein „Pirat“ das Parteienspektrum im Meinerzhagener Stadtparlament erweitern. Für den „Neuen“ ist das jedoch kein Grund zum ausgelassenen Jubeln: „Wir sind nicht ausreichend zufrieden, weil wir keinen Fraktionsstatus erreicht haben.“ Eventuell, so Hantschel weiter, wolle man versuchen, durch einen Zusammenschluss mit anderen kleineren Parteien eine „technische Fraktion“ zu bilden, um wenigstens eigene Anträge einbringen zu können. „Ich selbst möchte im Rat Positives bewegen und nicht grundsätzlich gegen alles sein.“

Georg Follert von den Linken kennt die Situation: Auch in der nächsten Legislaturperiode wird er als „Einzelkämpfer“ in den Rat einziehen. Gestern äußerte er auch Selbstkritik: „Angesichts der Tatsache, dass wir nur acht Wahlbezirke besetzen konnten, ist das Ergebnis noch zufriedenstellend. Wir haben es in den vergangenen Jahren allerdings versäumt, unseren Grundstock auszubauen. Das muss sich ändern.“ Ein Zusammengehen mit anderen Parteien macht Follert auch künftig von den jeweiligen Sachthemen abhängig. „Das ist für uns weniger eine Frage der Partei.“

Der parteilose Michael Deppe, neben Iris Laufer (ebenfalls parteilos) und Kai Krause (FDP) dritter Konkurrent von Jan Nesselrath um das Amt des Bürgermeisters, war trotz der Niederlage „durchweg zufrieden“. Er hatte mit 18,5 Prozent noch das beste Ergebnis unter allen drei Herausforderern bekommen. Deppe machte die geringe Wahlbeteiligung mitverantwortlich für sein Abschneiden. Eine nochmalige Kandidatur schloss er gestern nahezu aus: „Meine Stärke war diesmal, dass ich noch als ehemaliger Mitarbeiter der Meinerzhagener Verwaltung bekannt war. Das wird bei der nächsten Wahl kaum noch so sein.“

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