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Die Gefahr im Wald: Das Coronavirus und die Borkenkäfer

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Förster Matthias Borgmann erfasst die Käfer-Schäden inzwischen digital.

Der Wald ist wichtig, nicht nur für die Holzwirtschaft. Und das besonders in Zeiten, in denen viele Menschen wegen der unsicheren Lage durch die Corona-Pandemie auf Urlaubsreisen verzichten.

Meinerzhagen – Der Landesbetrieb Wald und Holz.NRW hat im Forst genau nachgeschaut und festgestellt: „Im Wald sind in diesem Jahr rund doppelt so viele Menschen unterwegs wie üblich.“ Zählungen und Nachfragen bei den Regionalforstämtern haben das ergeben. 

Spaziergängern, Mountainbikern, Joggern und Geocachern wird bei ihren Besuchen im Wald allerdings eines nicht entgangen sein: Große Fichtenbestände sind abgestorben, winzige Borkenkäfer haben die „Riesen“ getötet. Viele dieser Bäume wurden bereits gefällt. Das „Käferholz“ liegt nun zu großen Poltern gestapelt am Wegesrand. 

Eine Katastrophe bahnt sich an

Die Lage im Forst ist angespannt. Matthias Borgmann ist Förster beim Landesbetrieb Wald und Holz.NRW und zuständig für das Revier Beckerhof. Auf die Fichtenbestände angesprochen, ist er inzwischen vollkommen desillusioniert: „Auch in den Hochlagen haben wir jetzt einen massiven Befall. Zunächst haben wir noch gedacht, dass wir die Lage in den Griff bekommen. Doch jetzt? Eine Katastrophe bahnt sich an. Inzwischen herrscht wirklich ein Stück weit Ratlosigkeit.“ Auch in anderenStädten im MK greifen die Borkenkäfer die Fichtenbestände massiv an. Die K24 musste sogar an einem Wochenende gesperrt werden, weil wegen der Insekten viele Bäume gefällt werden mussten.  

Corona und Käfer – beides hat Auswirkungen auf den Forst: „Weil viele Urlaubsplanungen durch die Pandemie geplatzt sind, werden in den Sommerferien noch mehr Menschen in die Wälder strömen. Gleichzeitig müssen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Wäldern mit schweren Maschinen gegen die größte bekannte Borkenkäferkatastrophe kämpfen. Riesige Holzpolter und Millionen abgestorbene Fichten erhöhen die Waldbrandgefahr und die Gefahr durch plötzlich umstürzender Bäume“, bittet der Landesbetrieb alle Besucher eindringlich, in diesen Zeiten beim Waldbesuch besondere Vorsicht walten zu lassen.

Dass sich die Situation bald und grundlegend ändern wird, ist weder bei Corona noch beim Käferbefall zu erwarten. Menschen können vor dem Virus noch nicht durch einen Impfstoff geschützt werden. Und gesunde Fichten sind aufgrund der massenhaften Vermehrung der Borkenkäfer weiterhin vom Absterben bedroht – trotz aller Maßnahmen, die eine Ausbreitung des Schädlings verhindern sollen.

Dynamik nicht mehr zu beherrschen

Wie dramatisch die Lage ist, beschreibt Dr. Mathias Niesar vom Zentrum für Wald und Holzwirtschaft im neuen „Sommerwaldblatt“ des Landesbetriebes Wald und Holz.NRW. Er hat sich auch mit der heimischen Region befasst: „Im Sauerland zeigt sich in diesem Jahr eine dramatische, standortsunabhängig auftretende Buchdrucker-Befallsdynamik bis in Höhenlagen von 760 Metern. In vielen bisher borkenkäferfreien Bereichen ist durch Windverdriftungen der Käfer eine Vielzahl neuer Befallsherde entstanden. Auch sind aus den Niederungen herrührende und hangaufwärts verlaufende Käferausbreitungen zu beobachten.“ 

Dr. Niesers Prognose klingt düster: „Das bisher auf die Niederungen beschränkte, rasend schnelle Voranschreiten der Befallssituation, ist nunmehr auch in den höheren Lagen des Sauerlandes festzustellen. Im Hinblick auf die nach wie vor in allen relevanten Gewerken fehlenden Kapazitäten wird die Dynamik in vielen Bereichen ab 2020 nicht mehr zu beherrschen sein.“

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