Gefährlicher Schulweg

Fünf neue Haltestellen - aber nicht für diese Kinder

+
Zum Lachen ist Lea Bräucker und Pia Müller nicht immer zumute, wenn sie morgens ihren Weg zur Schule antreten. Dieser führt durchs Industriegebiet, wo morgens Lieferverkehr herrscht, an der L 707 müssen sie auf den Bus warten – ein Wartehäuschen gibt es nicht.

Meinerzhagen - Fünf neue Bushaltestellen soll es im Stadtgebiet geben, sieben Haltepunkte sollen außerdem aufgemöbelt werden. Die Nachricht, die vergangene Woche im Bau- und Vergabeausschuss kundgetan wurde, erfreut nicht alle. Schulkinder der Ortschaft Ihne müssen bei schlechtem Wetter morgens weiterhin im Regen stehen.

„Als ich das gelesen habe, habe ich gedacht, was für ein Irrsinn“, sagt Beatrix Turk. Die Förderung des Nahverkehrs sei positiv, „doch dass neue Haltestellen eingerichtet werden, die Schulkinder aus Ihne aber weiterhin an einer unbefestigten Straße stehen müssen, wo es noch nicht einmal ein Wartehäuschen gibt, dafür habe ich kein Verständnis.“ 

Indes: Bushäuschen gibt es in Ihne sehr wohl. An der L 539 Richtung Mühlhofe stehen auf beiden Straßenseiten zwei mit Graffiti verzierte Bushäuschen, sogar mit Sitzgelegenheiten, die beide vom Dorf aus dank der beleuchteten Unterführung – die Beleuchtung wurde seinerzeit dank der finanziellen Unterstützung der Firma Burgwächter installiert – erreicht werden können.

Aus fünf Minuten Busfahrt werden 30

Nachdem der Fahrplan geändert worden sei, halte ein Bus, der die Grundschüler zur Ebbeschule nach Valbert befördern würde, hier bereits um 7.27 Uhr. Schulbeginn in Valbert ist um 8.10 Uhr. „Unsere Kinder würden länger als eine halbe Stunde im Bus sitzen, da noch weitere Dörfer angefahren werden. Und das für eine Entfernung, die eigentlich in fünf Minuten zu erreichen ist“, ist die frühe Abfahrtzeit für Eltern keine Option. 

Die Kinder nutzen daher die zweite Variante, die ihnen zur Verfügung steht. Allerdings sei diese nicht ganz ungefährlich, berichtet Petra Müller, deren Tochter Pia Erstklässlerin ist. Der Schulweg führt für die Sechsjährige und drei weitere Schüler morgens durchs Dorf über die unbeleuchtete, schmale Verbindungsstraße zum Industriegebiet Ihne. Einen Bürgersteig gebe es weder an der Straße, noch im Industriegebiet Ihne, wo morgens natürlich Lieferverkehr herrsche.

Dass die Grundschüler alleine hierher gehen – undenkbar für ihre Eltern. Jeden Morgen würden die Kinder von Erwachsenen begleitet, „doch auch wir können die anfahrenden Lkw und Sattelschlepper mitunter gar nicht sehen, wenn sie um die Kurve fahren“, berichtet Beatrix Turk, die ihre Enkelin begleitet. 

Der Schulweg für die Schulkinder aus Ihne führt durchs Industriegebiet, wo morgens Lieferverkehr herrscht.

Lediglich vor dem Eingang der Firma Fernholz befinde sich ein Bürgersteig, auf dem die Schüler zur Haltestelle gelangen können, die an der L 707 liegt. Der Schulbus halte hier um kurz vor 8 Uhr. Ein Wartehäuschen gebe es nicht.

Matsch im Winter, kniehohes Unkraut im Sommer

„Wir stehen hier im Winter im Matsch“, berichtet die achtjährige Lea Bräucker. „Wenn es geschneit hat, liegt dort der vom Schneepflug zusammengeschobene Schnee. Im Sommer wächst das Unkraut kniehoch“, bemängeln die Eltern. 

Auf der Strecke sei Tempo 70 erlaubt, eine sichere Möglichkeit zum Warten auf den Bus hätten die Kinder jedoch nicht, bedauert Leas Mutter Katharina Bräucker. Dass ihre Tochter die Straße mittags – dann hält der Bus in Höhe der Firma Burgwächter – sicher überqueren könne, sei auch dem hilfsbereiten Busfahrer zu verdanken.

In diesem Jahr seien vier Schulkinder von der unsicheren Situation betroffen, ab dem nächsten Schuljahr seien es fünf, im Jahr darauf schon sechs. „Es werden jedes Jahr mehr“, berichten die Eltern, die sich ein Bushäuschen für ihre Kinder wünschen würden, um zumindest die Gefahr am Straßenrand während des Wartens zu bannen. 

Heinz-Gerd Maikranz, als Leiter des Fachbereichs 2 Bürgerservice für den Bereich Schule verantwortlich, verwies auf Nachfrage noch einmal auf die Möglichkeit, den sichereren Schulweg zu wählen und mit dem Schulbus ab der Haltestelle Ihne um 7.27 Uhr zu fahren. 

Stadt will Lösungen suchen

Die Kritik der Eltern könne er dennoch nachvollziehen, sagte er. „Wir werden sehen, ob wir da etwas tun können“, versprach Jürgen Tischbiereck, Leiter des Fachbereichs Technischer Service, der sich auch um das Haltestellenkataster kümmerte.

Er wandte ein, dass an „freien Strecken“ der zuständige Straßenbaulastträger für den Ausbau der Haltestellen verantwortlich sei. Im Falle der L 707 sei demnach der Landesbetrieb zuständig. Bei den jetzt vorgestellten geplanten Veränderungen habe man sich insbesondere auf die Haltestellen fokussiert, die stark frequentiert würden. 

Tischbiereck erinnerte zudem etwa an Bushäuschen in Grotewiese und Hösinghausen, die mithilfe der Initiative von Anwohnern realisiert worden seien. „Wir werden mit den Betroffenen Kontakt aufnehmen und gucken, ob wir gemeinsam eine Lösung finden können.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare