Volkstrauertag: „Kein Historienspektakel“

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Unter anderem waren auch Delegationen der Schützen und der Feuerwehr am Ehrenmal vertreten. Doch nicht nur dort, sondern auch etwa am Ehrenmal an der Hochstraße, am jüdischen Mahnmal an der Kirchstraße sowie auf dem Zwangsarbeiter-Friedhof wurde der Toten gedacht.

Meinerzhagen/Valbert - Erneut gedachten am Sonntag zahlreiche Meinerzhagener anlässlich des Volkstrauertages der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Dass dieses Innehalten und Bewusstmachen der Auswirkungen kriegerischer Auseinandersetzungen aber eine solche Aktualität haben würde, hatte nur wenige Tage zuvor wohl keiner der Anwesenden absehen können.

Und so brachte Pfarrerin Petra Handke in ihrer Ansprache am Ehrenmal an der Heerstraße auch die Terrorattacke in Paris zur Sprache, die aber nur ein Bestandteil einer ganzen Reihe kriegerischer Akte ist, die nach wie vor die Welt erschüttern. Ob es Bundeswehrsoldaten sind, die in Afghanistan oder im Irak ihr Leben ließen, oder die mittelbar und unmittelbar Beteiligten in den Krisengebieten dieser Erde – sei es in Afrika oder im Nahen Osten. All diese Opfer machten deutlich, dass auch 70 Jahre Frieden in Europa keinen Anlass liefern, sich im „Kampf“ gegen den Krieg auszuruhen.

Dabei zitierte Handke einen Ausspruch Kurt Tucholskys in einer literarischen Verarbeitung des Ersten Weltkriegs: „Man hat ja noch niemals versucht, den Krieg ernsthaft zu bekämpfen“, schrieb der Journalist und Schriftsteller 1931 – wenige Jahre, bevor der nächste Weltkrieg begann. Doch genau dazu rief Petra Handke die Anwesenden auf: den Krieg zu bekämpfen, „nicht mit Waffen, sondern mit Gedenken“ – an die aktuellen Opfer von Kriegen, Anschlägen und Auseinandersetzungen, aber auch weiterhin an die fast zehn Millionen Menschen, die Opfer des Ersten und die mehr als 55 Millionen Menschen, die Opfer des Zweiten Weltkriegs waren.

„Wir gedenken, wir trauern – aber nicht im Sinne eines Historienspektakels. Denn: 70 Jahre sind zwar eine lange Zeit, für betroffene Angehörige sind sie ein kleiner, aber trotzdem wichtiger Moment ihres Lebens“, führte die Pfarrerin in ihrer Ansprache weiter aus. 70 Jahre Frieden – das sei gleichzeitig ein Geschenk und auch eine Aufgabe, „sich darum zu bemühen, gewalttätige kriegerische und zerstörende Handlungen weltweit zu benennen und unser Möglichstes dazu zu tun, sie zu beenden“.

Anlässlich des Gedenkens legten erneut Vertreter der Stadt, der Feuerwehr, der Schützen, des DRK und des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge Kränze am Ehrenmal nieder. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom MGV „Volmequelle“ Scherl sowie vom Jugendblasorchester der Musikschule Volmetal.

Auch auf dem Soldatenfriedhof in Valbert und am Ehrenmal in Hunswinkel wurde am Sonntag der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht. Der Valberter Ortsvorsteher Heinz Gerd Turck hielt jeweils die Gedenkansprache. Delegationen der Freiwilligen Feuerwehr und der Schützenvereine waren angetreten. Ebenso nahmen einige Bürger an den Veranstaltungen teil. - zach/jjh

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