Neue Corona-Beschlüsse

Ein Berg von Problemen

Auch Karl vom Ebbe muss sich seit gestern darauf einstellen, die Maske weiter zu tragen. Auch er gehört schließlich zur Risikogruppe.
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Auch Karl vom Ebbe muss sich darauf einstellen, die Maske weiter zu tragen. Auch er gehört schließlich zur Risikogruppe.

Freizeit- und Gastronomie – von der Corona-Pandemie sind gerade diese beiden Bereiche besonders betroffen. Wie wirken sich die am Mittwochabend von Bund und Ländern beschlossenen Maßnahmen und die Verlängerung des Lockdowns in Meinerzhagen aus?

Meinerzhagen – Harald Elbertshagen ist 1. Vorsitzender des TuS Meinerzhagen, des größten Vereins in der Volmestadt. Er steht in ständigem Austausch mit seinen Übungsleitern. Momentan ruht das Vereinsleben komplett. Und das findet Harald Elbertshagen richtig: „Wir können den Sportbetrieb momentan nicht verantworten. Gerade im Kinderbereich, wo alle durcheinanderlaufen, wäre die Gefahr zu groß.“

Dass der private Hobbysport weiter „auf Eis gelegt“ wurde, ist für Elbertshagen also okay. „Wir nehmen doch alle zurzeit Rücksicht auf andere, auch in den Familien. Da können wir nicht weiter Sport in der Gruppe betreiben“, sagt er. Und Elbertshagen blickt in diesem Zusammenhang auch in die Nachbarschaft: „Gegen die Maßnahmen, die in Frankreich getroffen wurden, ist das bei uns wirklich Kindergeburtstag. Dort wirken sich die Maßnahmen auch jetzt aus, die Infektionszahlen gehen herunter.“

Langfristige Folgen eher unwahrscheinlich

Langfristige negative Folgen für den TuS fürchtet der Vorsitzende übrigens nicht: „Noch haben wir keine Kündigungen bekommen. Aber was wird, wenn die nächsten Beiträge eingezogen werden und die Einschränkungen bleiben, lässt sich nicht vorhersagen“, glaubt der Sportfunktionär, der übrigens in einem Aspekt eine relativ kritische Haltung einnimmt: „Wirklich besser wird es wohl erst, wenn geimpft werden kann. Aber auch dann wird es lange dauern, bis wir wieder zum normalen Sportbetrieb zurückkehren können. Das kann man sich ja ausrechnen. Bei ein paar Hundert Impfstellen wird viel Zeit vergehen, bis genügend Menschen immun sind.“

Frank Lüttel kennt beide Seiten. Viele Jahrzehnte war er Wirt der Gaststätte Zur Schanze, für die CDU sitzt er im Rat. Und er sieht – und das nicht erst seit den neuen Beschlüssen – , schwarz: „Gastronomen, die keine Rücklagen gebildet haben, werden auf der Strecke bleiben.“ Auch die staatlichen Hilfen werden daran nach Lüttels Meinung wenig ändern: „Davon muss ich laufende Kosten decken. Der Außer-Haus-Verkauf von Speisen bringt vielleicht etwas, aber eine große Gewinnspanne hat der Getränkeverkauf gebracht, der wegfällt.“

Gutscheine kaufen

Weitere – und zwar erhebliche – Einbußen sieht Lüttel in der Tatsache, dass Weihnachtsfeiern in gastronomischen Betrieben unmöglich sind, auch das eine Folge der Beschlüsse. „Die Feiern wurden früher ab August verstärkt und teilweise sogar schon ein Jahr vorher gebucht“, erinnert sich der ehemalige Wirt. Er appelliert in diesem Zusammenhang an die Bevölkerung, den gebeutelten Gastronomen durch Gutschein-Käufe jetzt zu helfen.

Kann die Stadt Betroffene in dieser Situation stützen? Der Christdemokrat hat dazu eine klare Meinung: „Nein.“ Die Stadt habe selbst mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen, weiß er. „Gewerbesteuer-Einnahmen werden fehlen, es wird schwierig“, ist Lüttels Überzeugung. Er und seine Frau Sabine haben sich bereits im Sommer 2016 als Wirte-Ehepaar aus dem Gasthof Zur Schanze zurückgezogen. Über diese Entscheidung ist Lüttel froh: „Das ist, mit Blick auf die jetzige Situation, zur rechten Zeit geschehen.“ Wie der Staat die enormen Kosten, welche die Pandemie verursacht, wieder ausgleichen kann? „Vielleicht wird der Soli ja umgewandelt in eine Corona-Hilfe und die Abgabe bleibt bestehen“, denkt Lüttel schon an die Zeit „danach“.

Spielball der Politik

Seit Mittwoch ist für Thorben Radtke klar: Bis zum 20. Dezember muss er sein Studio „Lions Fitness“ an der Bergstraße (mindestens) weiter geschlossen halten. „Sehr, sehr bescheiden“, beschreibt er seine Gefühlslage nach den neuen Beschlüssen. Radtke sieht seine Branche nicht als Pandemietreiber. „Das belegen auch Zahlen. Das Infektionsgeschehen nimmt nicht ab, trotz Schließung von Gastronomie und Fitnessstudios“, sagt er. Radtke hätte sich gewünscht, dass die Politiker im Vorfeld ihrer Entscheidungen „genauer hinschauen, warum die Zahlen auf hohem Niveau bleiben“.

Kollege Axel Müller vom Fitnessstudio „World Fit“ an der Oststraße stimmt zu. „Ich sehe unsere Branche als Spielball der Politik, wir sind die Opfer. Das alles ist respektlos uns gegenüber“, sagt Müller. Er ist darüber hinaus wenig optimistisch, dass es recht bald wieder aufwärts geht: „Ich fürchte, dass wir dieses Jahr nicht mehr öffnen werden, obwohl es in der Fitnessbranche im Land bisher keinen einzigen Infektionsfall gegeben hat.“

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