Hochzeiten

In Coronazeiten haben's Caterer schwer

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Seit Jahren ist Anke Höll mit ihrem Partyservice im Geschäft. Corona bedeutete auch für ihre Tätigkeit große Einschnitte.

Meinerzhagen - Eine Hochzeit ist nicht nur für das Brautpaar ein besonderer und bedeutender Tag, sondern auch für alle, die hinter den Kulissen dafür sorgen, dass alles nach den Wünschen von Braut und Bräutigam läuft.

Dazu gehören auch die Caterer. Hochzeiten sind im Corona-Sommer 2020 allerdings etwas Besonderes.

Hauptgewinn

"Ich habe heute den Hauptgewinn“, freute sich Anke Höll, als sie am Wochenende eine Hochzeitsgesellschaft mit einem Menü versorgte: „An diesem Tag muss alles passen.“ – Es passte, die Feier im Garten vollendete einen besonderen Tag. „Dabei war bis kurz vorher alles in der Schwebe, es wurde schließlich improvisiert und einfach das Beste daraus gemacht.“ Anke Höll war daran nicht unbeteiligt, denn das Essen spielt bei einem Fest natürlich eine nicht unwesentliche Rolle. Was die Feier für Anke Höll so besonders machte: Es war die erste größere Hochzeit in dieser Saison. Der Gasthof Höll ist seit Jahren auch auf den Bereich Catering und Partyservice spezialisiert. Corona hat seit März auch im Betrieb von Anke Höll alles verändert.

Hart getroffen von Pandemie

Die Gastronomie ist eine der Branchen, die am härtesten von der Pandemie getroffen wurden. Sehr deprimierend sei es gewesen, erinnert sich Anke Höll daher nur ungern an die ersten drei Wochen nach dem Shutdown im März. Die Erfahrung hat sich jedoch eingebrannt. „Eine Betriebsschließung von ganz oben, ohne dass man sich etwas hat zu Schulden kommen lassen, das ist schon beängstigend.“ Eine ganz neue Erfahrung sei es gewesen – eine, die man lieber nicht gemacht hätte. Eine, der man sich aber stellen musste. Und die zum Umdenken und zum Umstrukturieren aufforderte. Im Gasthof Höll tat man das, indem nach Ostern eine „To-Go-Karte“ eingeführt wurde mit Gerichten zum Mitnehmen: „Ein Lob und ein großer Dank gilt unseren Gästen, die hier runter gekommen sind, um sich alles abzuholen.“ Das sei eine positive Erfahrung, die sie in der Corona-Zeit gemacht habe. Dank der Wärmeboxen sei das Essen heiß zuhause angekommen. „Vier Ampeln bis Meinerzhagen, 20 Minuten sind da nichts“, weiß die Gastronomin.

Im Dreiländereck

Der Gasthof Höll befindet sich im „Drei-Länder-Eck“ in Neuenhaus an der Landstraße 173 Richtung Bleche gelegen. Das Haus der Familie Höll befindet sich auf Gummersbacher Stadtgebiet, weiße Pfosten auf der Zufahrt zum Parkplatz dokumentieren die Stadtgrenzen. Räumlich trennen Anke Höll und ihre Familie damit wenige Meter vom Meinerzhagener Stadtgebiet. Sie fühle sich aber als Meinerzhagenerin, steht für die Gastronomin fest, daran ändern auch drei weiße Pfähle vor ihrem Haus nichts.

Großteil der Kunden in Valbert und Meinerzhagen

In Meinerzhagen, Valbert und Hunswinkel wohnt auch ein Großteil der Kunden, die von ihrem Catering-Service beliefert werden. Das war auch in diesem Jahr so. Eigentlich. Große Veranstaltungen seien im ersten Halbjahr jedoch komplett weggebrochen. Ob sie nachgeholt werden können? Anke Höll hat Zweifel. Hochzeiten zählten dazu, Seminare und Jubiläen in der Villa im Park, das Hunswinkler Schützenfest und das Zeltlager aller Jugendfeuerwehren des Märkischen Kreises, das an Pfingsten in Biggen hätte stattfinden sollen. Das, erzählt Anke Höll, sei ihr besonders schwergefallen. Nicht wegen der 340 Personen, die mit insgesamt fünf Mahlzeiten versorgt werden sollten. Seit Jahren sei sie dabei: „Das macht mir einfach immer wahnsinnig viel Spaß, auch wenn ich mich beim letzten Mal kaum einer Schlauch-Dusche entziehen konnte“, lacht Anke Höll. Für die Feuerwehr war die „Fast-Meinerzhagenerin“ auch am vergangenen Wochenende „im Einsatz“, sorgte bei einem Lehrgang für die Verpflegung. „Jeder bekam seine Portion, alles wurde extra abgepackt“, nennt sie die besonderen Anforderungen, die dazu beitragen sollten, enge Kontakte zu vermeiden. Die Lockerungen bescherten auch wieder umfangreichere Aufträge. Kleine Feiern seien es in den vergangenen Wochen gewesen, für die sie Bestellungen aufgenommen habe. „Vom Essen her war dafür alles etwas aufwendiger und edler.“ Vier-Gänge-Menüs mit Vorspeise, Hauptspeise und Dessert und einer kalten Platte für nachts. Das galt beispielsweise für Hochzeiten, die oft mit Eltern und Trauzeugen gefeiert wurden.

Fleisch, Gemüse, Gratin

Ein Büfett mit verschiedenen Fleischsorten, Gemüse und Gratin – vor Corona bei Geburtstagen und den meisten anderen Feiern oft üblich. Mit Corona hat sich das geändert. „Nach warmen Buffets wird nicht oft gefragt“, berichtet Anke Höll. Auch hier haben sie und ihre beiden Mitarbeiterinnen in der Küche sich auf die veränderten Bedingungen eingestellt. Gerichte werden einzeln portioniert und verpackt. „Auch beim Nachtisch gibt es keine großen Schüsseln.“ Fingerfood-Platten seien eine weitere Variante, „was man sofort selbst in die Hand nehmen kann, geht.“ Ein Löffel im großen Topf – das wolle augenblicklich niemand. Im August und im September stünden wieder mehr Veranstaltungen in ihrem Auftragsbuch, vor allem Hochzeiten seien aber noch „wackelig“. Alle schauen auf die Entwicklung der Coronazahlen. Auch Anke Höll tut das. Dass es wieder mehr Infektionen gibt, beunruhigt sie. „Man steht eben in einer großen Abhängigkeit“, sagt die Gastwirtin. In den 25 Jahren ihrer Selbständigkeit habe es keine vergleichbaren Erfahrungen gegeben. „Jetzt muss man sich in die Gesamtsituation reinfinden.“

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