Viel mehr als nur eine kleine Galerie

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Gern setzt sich Herbert Langenohl mit den Bildern in seiner Galerie auseinander. Dieses Kunstwerk des Peruaners Jorge Castilla Bambarén fasziniert ihn durch eine klare Botschaft: „Hier geht es um die Ur-Erfahrungen Angriff und Verteidigung.“

Meinerzhagen - Am 24. September 2006 erfüllte sich der Meinerzhagener Herbert Langenohl einen Herzenswunsch: Er eröffnete seine eigene kleine Galerie. Seitdem hat sich der Raum hinter dem Eine-Welt-Laden „Zur alten Post 9“ zu einem kleinen kulturellen Zentrum entwickelt, das weit mehr als nur Ausstellungsfläche ist.

Von Jürgen Beil

Umgeben von Kunst öffnet hier jeden letzten Freitag im Monat das Repair-Café. Lese-Matinee, Astrid Lindgren-Vorlesestunde mit Kinder-Kino, Schauspiel, zahllose Jour-Fixe-Veranstaltungen des KuK-Vereines, diverse VHS-Kurse und Sitzungen der „Grünen“ – all das findet und fand hier statt. Und natürlich nutzt der 74 Jahre alte Hausherr selbst den Raum: Langenohl gibt hier regelmäßig Yoga-Stunden.

Die Galerie füllt eine echte „Marktlücke“. In Meinerzhagen und Kierspe ist sie die einzige Einrichtung ihrer Art, in der bildende Kunst seit Jahren und ohne Unterbrechung ein festes „Zuhause“ hat. Zurzeit sind peruanische Künstler mit ihren Gemälden hier vertreten – genauso wichtig ist Langenohl aber die Präsentation seiner eigenen Werke. Denn der in Hardenberg wohnende ehemalige Religionslehrer hat sich selbst der Kunst verschrieben. Besser gesagt, der Kunst und Spiritualität. „Das sind Gebiete, auf denen ich noch etwas leisten wollte“, blickt der Volmestädter auf die Jahre nach seiner Pensionierung zurück.

Langenohl steckt Geld in die Galerie, investiert viel Zeit. „Das tue ich auch deshalb, weil die bildende Kunst hier vernachlässigt wird.“ Was aus der Galerie wird, wenn er sich einmal zurückzieht, weiß er nicht: „Vielleicht könnte die Stadt die Einrichtung dann übernehmen“, schmunzelt Langenohl. Erst einmal ist er aber froh, dass die Konstellation in Meinerzhagen so günstig ist: „Die Baugesellschaft hat uns die Räumlichkeiten einst für die Einrichtung des Eine-Welt-Ladens zu super Konditionen zur Miete überlassen. Weil der vorhandene Platz durch das Geschäft aber nicht ganz ausgefüllt werden konnte, habe ich den hinteren Teil für meine Galerie abgezweigt und angemietet. Früher war hier mal eine Discothek untergebracht. Den Raum zu renovieren, das war eine echte Herausforderung“, blickt Langenohl auf die Anfänge zurück. Der Galerist selbst möchte noch lange am Standort „Zur alten Post“ weitermachen: „Ich bin gesund, habe viel Spaß an der Arbeit und meine Frau Gretel steht auch in dieser Beziehung voll hinter mir.“

Herbert Langenohl blickt auf ein bewegtes Leben zurück, das unmittelbare Auswirkungen auf seine Lebenseinstellung und die Beziehung zu Kunst und Spiritualität hat. Von 1963 bis 1966 lebte er im Kloster der Steyler Missionare in St. Augustin, vorher hatte er in einem Internat des Ordens sein Abitur „gebaut“. Ein Studium der katholischen Theologie schloss sich an. Diesen Lebensabschnitt nennt Langenohl den „religiösen Pfad“. Er heiratete schließlich, wurde Vater. Die ursprüngliche Planung, den Anschluss an einen „strengen Orden“, verwarf der Meinerzhagener dann, er wurde stattdessen Lehrer. 20 Jahre war Langenohl am Berufskolleg in Altena tätig, zehn Jahre in Halver-Ostendorf. „Und auch in der Politik habe ich mitgemischt. So zum Beispiel in Meinerzhagen, wo ich direkt in den Rat gewählt wurde und Vorsitzender des Schulausschusses war. Auch in der Friedensbewegung habe ich mich engagiert“, erzählt Langenohl.

Heute lässt es der Kunstliebhaber etwas ruhiger angehen – auch wenn er sich aktuell stark in die Initiative „Stolpersteine“ einbringt. Am liebsten genießt er aber ganz intensiv und so oft es geht „die wunderbare Atmosphäre der Galerie“.

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