G9-Unterstützer sehen schwarz-gelbe Ankündigung mit Vorsicht

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Meinerzhagen - Diese Mitteilung überraschte offenbar selbst die G9-Unterstützer: Die mutmaßlich nächste NRW-Landesregierung plant eine Rückkehr zur neunjährigen Gymnasialzeit.

Die Meinerzhagenerin Christina Först, die für das Volksbegehren „G9 jetzt“ in Nordrhein-Westfalen an vorderster Stelle kämpft, freut sich über diese Ankündigung – bleibt aber skeptisch.

Wie berichtet, plant die angehende schwarz-gelbe Koalition, G9 zur Regel zu machen und das sogenannte Turbo-Abi nach acht Jahren nur auf Antrag der Gymnasien genehmigen zu wollen. „Natürlich freuen wir uns sehr über diesen Kurswechsel in Nordrhein-Westfalen“, sagt Christina Först, die an der Volme seit Monaten eifrig Unterschriften für das entsprechende Volksbegehren sammelt. „Der Wille der Bürger hat erfolgreich zu einem Umdenken in der Politik geführt.“ 

Die Initiative sehe aber viele offene Fragen. So sei ein Hauptkritikpunkt der späte Start des G9 zum Schuljahr 2019/2020, der zudem nur für die Klasse 5 geplant ist. Christian Lindner (FDP) wolle nicht mitten in der Gymnasialzeit vollständig auf G9 wechseln („Man kann nicht mitten auf der Autobahn die Reifen wechseln.“) „Wenn man in diesem Bild bleibt, bedeutet das: Vier Jahrgänge mehr fahren mit vier kaputten Reifen – oder anders ausgedrückt dürfen erst die jetzigen Zweitklässler wieder ein G9 machen. Damit werden all die Bürger, die sich seit Jahren für den Wechsel zu G9 einsetzen, nicht zufrieden sein“, betont Christina Först. 

Das Ziel der Initiative sei ein Wechsel in 2018/19 für die Klassen 5 bis 8, sodass auch die jetzigen Sechstklässler noch von einem Jahr mehr Mittelstufe profitieren können. Armin Laschet wolle ebenfalls ein „echtes G9 mit Halbtag ermöglichen“, das grade auf dem Lande mit langen Schulwegen gefragt sei. „Informationen über Pflichtstunden und damit gegebenenfalls doch den Zwang zu Nachmittagsunterricht fehlen bisher.“ Auch die Aussage, dass für den Wechsel zu G9 mehr Lehrer benötigt würden, irritiert die Initiative, denn die Gesamtstundenzahl betrage in beiden Modellen (G8/G9 nach Volksbegehren) 265 Stunden. 

Weitere offene Fragen für die Initiatoren: Was ist mit Verbesserungen der Studierfähigkeit? Gilt der „Stärkungspakt Gymnasium“ nur für die G8-Schulen? Viele Äu- ßerungen seien bisher Absichtserklärungen. Deshalb wolle die Initiative vorerst weiter Unterschriften für ihr Volksbegehren sammeln. Und so freue man sich über täglich etwa 1000 Unterschriften, die die Initiatoren aus den Rathäusern derzeit erreichen. In den Ämtern endete nun nämlich die Möglichkeit, das Volksbegehren zu unterstützen. Gestern holte Först die Unterschriften aus der Meinerzhagener Verwaltung ab.

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