Fußball ist auch ein Sport für blinde Menschen

Jens Groll (r.) vom RSV Listertal mit seinem blinden Schützling Hasan beim Fußballtraining.

MEINERZHAGEN ▪ Fußball für blinde und sehbehinderte Menschen. Der RSV Listertal hat ein Pilotprojekt gestartet. Days Blindenwerk Westfalen ist Kooperationspartner.

Der Ball ist weich und liegt in Hasans Händen. Er dreht ihn, befühlt ihn – dann rennt er plötzlich los. „Komm Junge, lauf, ich will schießen!“ ruft der 19-Jährige und läuft so schnell, dass Jonathan ihm zunächst kaum folgen kann. Jonathan Dick ist allerdings nicht Hasans Gegenspieler, sondern sein Partner, der ihn führt. Denn Fußballfan Hasan ist blind.

„Sportlich sehen“ lautet das Motto, wenn Blinde und Sehende zusammen Fußball spielen. Ins Leben gerufen wurde die Aktion vom RSV Listertal und dem „Haus Valbert“, wo blinde und mehrfach behinderte Menschen leben. „Für uns ist das ein neuer Bereich der Freizeitgestaltung“, freut sich die pädagogische Leiterin der Einrichtung, Diana Bues, über die Kooperation.

Jens Groll, selbst in der Vereinsarbeit als Jugendtrainer und bei den „Alten Herren“ aktiv, gab den Anstoß, dass sich die Hunswinkeler Fußballer für Menschen einsetzen, die oftmals im Abseits stehen. Auf dem Spielfeld geht es weder um Freistoß, Ecke oder Elfmeter. Fallen Tore, wird natürlich gejubelt, aber was wirklich zählt, ist die Freude, die alle beim Spiel haben. Das gilt für die Blinden ebenso wie für ihre Fußballpartner. So hat Jens Groll inzwischen auch Arbeitskollegen, Freunde und Bekannte für die Aktion gewinnen können. Auch zu Jonathan Dick und Arthur Wedel von der Freien Evangeliumschristengemeinde ist der Kontakt so zustande gekommen und sie sind inzwischen dabei, wenn alle zwei Wochen montags gekickt wird.

Der Ball ist in einer Stoffhülle, die eigens in Handarbeit angefertigt wurde, eingepackt. Die Besonderheit: die eingenähte Handytasche. Durch die Musik des Telefons wissen Dennis, Hasan und Dirk schnell, wo der Ball liegt. Auch das Tor ist gut zu hören – hier ist ein CD-Player platziert.

Drei junge Männer sind an diesem Abend dabei. Und während Dennis und Dirk sich von Diana Bues und Jens Groll zum Ball führen lassen, ist Hasan ganz in seinem Element. Innerhalb kürzester Zeit entwickelt er seine eigene Taktik, indem er nach vorne gebeugt läuft und so den Ball während des Laufens mit den Händen fühlen kann. Diese Methode überrascht auch Jens Groll: „Du hast doch schon Fußball gespielt“, sagt er zu Hasan, der vorher erklärt hatte, dass das sein erstes Spiel sei. Dann jagt er schon wieder dem Ball hinterher – in seiner Begeisterung auch ganz allein, ohne seinen Partner Jonathan. Dann schießt er, trifft und jubelt. Die Freude, die alle an diesem Abend haben, ist deutlich zu sehen und zu spüren.

Einrichtung des Blindenwerks betreut 40 Menschen

„Wir sind natürlich gespannt, wie sich die Aktion entwickelt“, meint Diana Bues, die sich wünscht, dass sich die Blinden ähnlich wie Hasan irgendwann einmal allein auf dem Spielfeld bewegen können. Wie souverän der 19-Jährige sein erstes „Training“ absolviert, darüber ist sie aber doch erstaunt.

Hasan besucht die Blindenschule Soest und ist Praktikant im „Haus Valbert“, um das Wohnheim und die Werkstatt kennen zu lernen. Im Sommer wird er voraussichtlich ins Ebbedorf ziehen.

24 Blinde und stark Sehbehinderte, die zusätzlich noch eine geistige oder körperliche Beeinträchtigung haben, leben derzeit im „Haus Valbert“. Die Einrichtung des Blindenwerks Westfalen bietet insgesamt Platz für 40 Bewohner.

Fußballfan Dirk ist einer von ihnen. Samstags hört er die Bundesligaspiele im Radio – jetzt kann er endlich auch selbst Tore schießen. Und wenn es bald wieder raus zum Walken geht, wird Dirk sicher auch wieder dabei sein. Denn Nordic Walking ist die zweite Aktion, die der RSV Listertal gemeinsam mit den Bewohnern vom „Haus Valbert“ gestartet hat.

Die heimische Gruppe war bereits mehrere Male im Ebbegebirge und an der Listertalsperre unterwegs. „Das hat allen Spaß gemacht, auch einige Kinder aus unseren Jugendabteilungen waren dabei“, berichtet Jens Groll, der sich sicher ist: „Sportlich sehen“ ist eine echte Bereicherung – und zwar für alle Beteiligten.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare