Bei Prüfungsangst hilft kein Weglaufen

Dr. Barbara Wüst leitete das Seminar am Gymnasium.

MEINERZHAGEN -  Wer kennt das nicht: Die Angst vor Prüfungen kann gravierende Auswirkungen bis hin zu körperliche Problemen verursachen. Übelkeit und Kopfschmerzen sind keine Seltenheit, auch nicht bei Schülern. Vor Klassenarbeiten und gerade jetzt, in der stressigen Zeit vor dem Abitur, wird manchem wohl flau im Magen, wenn er an die bevorstehenden Herausforderungen denkt.

Von Jürgen Beil

Abhilfe schaffen, Sicherheit geben – das war Ziel eines Seminars, das jetzt am Evangelischen Gymnasium Meinerzhagen stattfand. An der Schule wurde vor einiger Zeit der so genannte „Fun-Unterricht“ eingeführt.

Die drei Buchstaben stehen für „Fördern und Nachhilfe“. Angeboten wird dieser Service von älteren Schülern, die jüngeren Jahrgängen dabei helfen, ihre schulische Leistung zu steigern.

Eben diese Oberstufenschüler waren eingeladen, ein Referat von Dr. Barbara Wüst zu hören. Die Meinerzhagenerin betreibt eine kinder- und jugendpsychiatrische und psychotherapeutische Praxis in der Volmestadt.

Dr. Barbara Wüst schilderte vor den älteren Schülerinnen und Schülern anschaulich, dass Angst selbstverständlich sei: „Denn Prüfungen oder ungewohnte Situationen, in denen man sozusagen auf die Probe gestellt wird, verursachen einen erhöhten Adrenalinausstoß, und der führt zu körperlichen Veränderungen, die schnelle Reaktionen ermöglichen – beispielsweise Flucht vor einer drohenden Gefahr wie etwa einer Giftschlange.“

Körperlich sei die Situation also mit der bei einer Klassenarbeit vergleichbar – aber tatsächlich nutze reaktionsschnelles Weglaufen in dem einen Falle sehr, in dem anderen Fall überhaupt nicht.

Der erste Ratschlag der Referentin: Die körperlichen Reaktionen annehmen und mit ihnen umgehen. Doch wie? Auch dazu gab es Tipps: Sich gedanklich an einen schönen Ort der Sicherheit und Geborgenheit „beamen“, beispielsweise an die Lieblingsstelle im Wald, in eine Urlaubssituation oder Ähnliches.

Außerdem: „Etwas Leckeres essen, denn essen und Angst haben gleichzeitig geht nicht – das bekommt das vegetative Nervensystem nicht hin.“ Helfen könne auch ruhiges und bewusstes ein- und ausatmen. Loben, zur Leistung anspornen – auch das sind effektive Mittel, jüngere Schüler zu fördern.

Das Gehörte im Fun-Unterricht umsetzen, das sollte Ziel des jetzt veranstalteten Seminars sein. Doch klar wurde auch: Bei ernsteren Problemen sei es natürlich unerlässlich, einen Lehrer einzuschalten.

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