Fünf Minuten pro Einbruch

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Gerade in der dunklen Jahreszeit kommt es verstärkt zu Einbrüchen, wie auf diesem gestellten Bild.

MEINERZHAGEN/KIERSPE - „In der dunklen Jahreszeit haben Einbrecher mehr Zeit. Dunkelheit ist der beste Schutz.“ Polizei-Sprecher Dietmar Boronowski nennt bekannte Fakten, warum in den Monaten zwischen Oktober und März mehr Wohnungseinbrüche zu verzeichnen sind. Noch ist die Auswertung der aktuellen Kriminalitätsstatistik der Kreispolizeibehörde nicht abgeschlossen. Michael Schneider geht aber bereits jetzt von einer Steigerung der Einbruchszahlen aus. Schneider ist Leiter des Kommissariats Kriminalprävention/Opferschutz und weiß, wann Diebe besonders häufig unterwegs sind: zwischen 17 und 22 Uhr.

Zwischen Januar und September kam es in Meinerzhagen im vergangenen Jahr zu 58 Einbrüchen. 25-mal handelte es sich dabei um sogenannte Tages- und Wohnungseinbrüche. „Das bedeutet, die Täter stiegen ein, während der Eigentümer beispielsweise zum Einkauf unterwegs war“, erklärt Dietmar Boronowski. 2012 lag die Zahl im gleichen Zeitraum bei 51 Einbrüchen. Während für Meinerzhagen eine leichte Steigerung erkennbar ist, sieht es in der Nachbarstadt Kierspe dagegen etwas anders aus. Hier wurden in den ersten neun Monaten des Jahres 2013 27 Einbrüche registriert. Im Jahr davor lag die Zahl bei 39. Ebenso wie den Zeitraum grenzt Michael Schneider auch die Wochentage ein und berichtet, dass Diebe üblicherweise am Wochenende öfter unterwegs seien.

Schneider und seinen Kollege Michael Hufnagel beschäftigen aber nicht nur die Zahlen. In ihrem Kommissariat geht es vor allem um die Prävention und den Schutz von Opfern. Letztere leiden oft lange unter den Folgen des Eindringens in ihre Privatsphäre. Die Entscheidung, Türen oder Fenster eines Hauses aufzuhebeln, fällt meist kurzfristig: „Eine Ansammlung von Zufällen“, meint Michael Schneider und ergänzt: „Wenn potentielle Täter in einem Wohngebiet unterwegs sind und mitbekommen, dass jemand sein Haus verlässt, ins Auto steigt und wegfährt, wird diese Gelegenheit oftmals genutzt.“ Schneider nennt eine weitere Zahl: „Statistisch gesehen dauert ein Einbruch nicht länger als fünf Minuten.“ Ein kurzer Zeitraum, um Beute in Form von Bargeld oder Schmuck zu machen. Gegenstände der Unterhaltungselektronik wie Laptops lassen Diebe ebenfalls gern mitgehen. Der Aufwand, sich vor einem Einbruch tagelang auf die Lauer zu legen und Gewohnheiten potentieller Einbruchsopfer auszukundschaften, würde sich verglichen mit der Beute oftmals nicht lohnen. Ein bestimmtes Täterprofil gebe es ebenfalls nicht. Örtliche und überörtliche Täter kommen gleichermaßen in Frage. Überregional agierende Banden stellen dazu immer häufiger ein Problem dar

Kostenlos bietet die Polizei an, Hausbesitzer zu beraten, wie sie ihr Haus vor einem Einbruch sichern können. Die Resonanz ist groß, der Terminkalender daher recht voll. Dass es sich lohnt, in Sicherheit zu investieren, belegen laut Schneider Studien, die zeigen, dass viele Einbrüche an Sicherungsmaßnahmen scheitern. Ebenso wird im Kommissariat auf die Kampagne „Riegel vor“ gesetzt, bei der durch gezielte Information die Aufmerksamkeit der Bürger erhöht werden soll. „Unser Eindruck ist, dass die Menschen sensibler werden“, meint Schneider und rät, im Zweifelsfall immer die Polizei unter der Notrufnummer 110 anzurufen. - Simone Benninghaus

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