Fuchsbandwurm auch für Menschen gefährlich

Soll nach Meinung der Veterinäre verstärkt bejagt werden: der Fuchs.

MEINERZHAGEN ▪ Hier droht Gefahr auch für den Menschen.

Parasitologische Untersuchungen von Füchsen durch das Staatliche Untersuchungsamt Arnsberg erbrachten schon vor einem Jahrzehnt den Beweis, dass hiesige Fuchspopulationen „ubiquitär (gegenwärtig) mit dem Kleinen Fuchsbandwurm befallen sind“. Zeitweilig war auch „eine erhebliche prozentuelle Steigerung der Befallsintensität“ zu beobachten. „Die Durchseuchung der Füchse mit dem Parasiten unterliegt graduellen und regionalen Schwankungen“, erklärt Behördenleiter Dr. Olaf Häger. „Dramatische Entwicklungen hat es hier nicht gegeben; zurzeit wird nicht untersucht, daher liegen keine aktuellen Zahlen vor. Die Jäger wissen um das Risiko, und bei der Bevölkerung sollte es nicht in Vergessenheit geraten.“ Nach Ansicht von Fachleuten stellt der Kleine Fuchsbandwurm für den Menschen in Mitteleuropa die gefährlichste Parasitose dar.

Im geschlechtsreifen Stadium lebt der Parasit massenhaft im Dünndarm des Fuchses, im Larvenstadium in der Leber von Maus und Bisam, die zu „Reineckes“ Beutespektrum gehören. Frisst der Fuchs nun einen solchen infizierten Kleinsäuger, scheidet er bereits nach einem Vierteljahr infektionsfähige, staubkorngroße Wurmeier aus. Sie haften überall an, gelangen über die Nahrungsaufnahme in die Zwischenwirte und der Kreislauf schließt sich. „Je höher die Fuchsdichte, desto mehr Tiere setzen die Dynamik in Gang, wodurch es zur seuchenhaften Ausbreitung kommt“, betonen die Veterinäre. Auch unter dem Gesichtspunkt der Tierseuchenbekämpfung sei deshalb eine effektive Bejagung des Fuchses unabdingbar.

Früchte abkochen

Über roh verzehrte Waldfrüchte und Pilze sowie mangelnde Hygiene im Umgang mit Grünzeug oder den eigenen, freilaufenden Haustieren wie Hund und Katze (Wurmeier im Fell), kann sich auch der Mensch infizieren. Die Inkubationszeit kann bis zu zehn Jahre betragen; deutliche Beschwerden treten oft erst nach Jahren auf, wenn die Leber bereits von Larven durchsetzt ist. „In riesiger Zahl mit dem Gewebe verwoben und daher nicht zu lokalisieren, sind sie auch operativ nicht zu entfernen. Eine lebenslange medikamentöse Behandlung wird nötig; sie kann aber lediglich die weitere Entwicklung und die damit einhergehende Organzerstörung stoppen. Unbehandelt führt die Erkrankung zum Tode“, wissen die Fachleute.

Die Bandwurmeier sind mit bloßem Auge nicht zusehen. Gegen klimatische Einflüsse sind sie äußerst unempfindlich und behalten bis zu zwei Jahre ihre Infektionsfähigkeit, wie Forschungsergebnisse zeigen. Zur Hysterie bestehe dennoch kein Grund: „Die Einhaltung hygienischer Maßnahmen, das Abkochen oder Schmoren von Wald- und Feldfrüchten und ein Impfschutz bei den Haustieren garantieren ein Höchstmaß an Sicherheit.“ Selbstverständlich sollte man jeden Kontakt - auch mit toten Wildtieren - vermeiden, so der eindringliche Rat. ▪ As

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