Keine Einnahmen im Lockdown

Wie eine Friseur-Meisterin ums wirtschaftliche Überleben kämpft

Viel Platz im Salon kurz nach dem ersten Lockdown: Damals konnte Birgit Struth (links) immerhin noch einige Kunden begrüßen – und selbst der Mundschutz war noch kein Thema.
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Viel Platz im Salon kurz nach dem ersten Lockdown: Damals konnte Birgit Struth (links) immerhin noch einige Kunden begrüßen – und selbst der Mundschutz war noch kein Thema.

Birgit Struth ist kein Mensch, der sich schnell unterkriegen lässt. Wer seit 24 Jahren selbstständig ist, hat vielen Widrigkeiten getrotzt, viele Auf- und Abschwünge erlebt.

Meinerzhagen – Wirtschaftlich schlechte Phasen gab es auch im Friseurhandwerk immer. So schlimm wie jetzt war es aber nie. Und wie Struth ergeht es derzeit vielen Kolleginnen und Kollegen an der Schere. Sie kämpfen um ihre Existenz.

Laufende Kosten

„Wir können nichts anbieten, haben aber weiter laufende Kosten. Am Anfang des Jahres waren Versicherungen fällig, die Beiträge zur Berufsgenossenschaft, natürlich regelmäßig die Miete. Die Situation ist existenzbedrohend – und das geht nicht nur mir, sondern allen Kolleginnen so, die ich kenne“, sagt die Inhaberin des Salons Struwwelpeter an der Hauptstraße.

Dass sie dabei mit ihren Kolleginnen – wie viele andere Salons – kurz vor dem Lockdown Sonderschichten gefahren hat, mag den Kunden gefallen haben. Struth selbst ärgert sich rückblickend aber über diesen Service. „Durch die Öffnung vor dem Lockdown und das Arbeiten bis in die späten Abendstunden lagen wir im Dezember um ein Prozent über der Grenze der Förderfähigkeit. Jetzt bekommen wir für diesen Monat gar nichts.“ Und die darauffolgende, traditionell sehr gute Vorweihnachtswoche, fiel für die Friseure komplett weg – „das tat noch mal besonders weh“, sagt die Meinerzhagenerin.

Tief im Dispo

Dabei hätten die Sonderschichten längst nicht ausgereicht, um die Verluste des Jahres 2020 wettzumachen. Denn: Auch während des erlaubten Betriebs zwischen erstem und zweitem Lockdown konnten die Friseure bekanntlich nicht mit voller Kraft fahren. „Wir mussten Abstände einhalten und konnten gar nicht so viele Kunden in den Salon lassen, dass wir etwas hätten ansparen können. Es gab einfach nicht die Gewinne, mit denen wir uns jetzt hätten über Wasser halten können“, sagt Birgit Struth und ergänzt: „Wir stecken tief im Dispo. Das Wasser steht uns bis zum Hals.“

Hoffnung auf schnelle Lösung

Und so muss sie nun das tun, was notwendig ist, um den Betrieb überhaupt am Leben zu halten: Rechnungen aus der eigenen, privaten Tasche bezahlen – und hoffen, dass irgendwann die Salons wieder öffnen dürfen, dass die Normalität möglichst schnell wieder ins Friseurhandwerk zurückkehrt. „Unser Verband hat noch in dieser Woche mit der Regierung sprechen wollen, um auf eine schnelle Lösung zu dringen“, weiß Struth aus den regelmäßigen Rundbriefen, die sie vom Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks bekommt. Ein Erfolg dieser Gespräche ist für die Friseur-Meisterin wirtschaftlich überlebenswichtig. „Ich bin froh über meine heimische Bank, die mir die Sicherheit gibt und mich unterstützt. Sollten wir aber auch den ganzen Februar noch nicht öffnen dürfen, wäre das eine Katastrophe“, sagt Birgit Struth. Für diesen Fall hat sie sich sogar schon mit dem Gedanken getragen, bei ihren Kunden um finanzielle Hilfe zu bitten – und sei es mit je einem Euro, der dann nach Wiedereröffnung verrechnet wird. „Es wird nicht anders gehen, wenn wir irgendwie weitermachen wollen.“

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